Review

Das CD-Cover ziert der Aufkleber „Featuring Asp von ASP“ und wirbt mit einem großen Namen der schwarzen Szene, deren fester Bestandteil nun endlich auch die Band Spielbann werden möchte. Womit? Mit Gothic Rock, der durchsetzt ist mit elektronischen sowie teils orchestralen Elementen. Dieses Vorhaben geht man mit dem Debütalbum „In Gedenken“ und den darauf zu hörenden 14 Tracks an. Und wo ASP draufsteht, ist auch ASP drin, denn mit Alexander „Asp“ Streng, der zeitgleich mit der eigenen neuen Veröffentlichung „Verfallen, Folge 1: Astoria“ am Start ist, kollaborieren Spielbann u.a. sowohl in Sachen Songwriting als auch bezüglich des Artworks und der Produktion.

Mit Asp in der Rolle eines Erzählers beginnt sodann auch der erste Titel „Der Hüter“. Der gesprochene Text baut insbesondere durch die ausdrucksstarke Vortragsweise des Frankfurters Atmosphäre auf, welche die Hörer im Folgenden thematisch zwischen Leben und Tod und an die Abgründe der menschlichen Seele befördert.

Folgesong „Auferstehung“ könnte schließlich als musikalische düsterrockige Wiederkehr der schon 2000 gegründeten Band Spielbann gedeutet werden, die in diesem Song „das Ende der Stille“ verheißen und verkünden: „Das Feuer in uns ist wieder entfacht. Wir sind zurück aus dem Dunkel, zurück aus der Nacht. […] Wir zogen einst aus und suchten das Glück; niemals wirklich fort, doch sind wir zurück.“
Überträgt man diese Verse auf den Werdegang der Band selbst, so dürfte die Unterstützung von Asp ihr Übriges tun, dass Spielbann fortan in der Szene ordentlich – und vor allem mit mehr Beachtung als bisher – mitmischen werden.

Ähnlich metaphorisch und mal mehr und mal weniger frei interpretierbar gestalten sich auch die weiteren Songs auf „In Gedenken“, bei denen man schon das eine oder andere Mal die Handschrift des „Meisters“ herauslesen und -hören kann. So bewegen sich einige Songs nah am musikalischen ASP-Kosmos, während zusätzlich – vor allem durch den gesanglichen Duo-Charakter von Seb Storm und seinem weiblichen Gegenpart Nic Frost – Erinnerungen an L’Âme Immortelle wach werden. Deutlich wird dies insbesondere in Songs wie „In alle Ewigkeit“.

„In alle Ewigkeit“ fehlt es in den Strophen jedoch – gerade gemessen am traurig-schönen Text und Thema des Songs – an Emotionen, die weder durch die Musik, die auf hartes Riffing und elektronische Beigaben setzt, noch durch den Gesang an den Hörer transportiert werden. Dies funktioniert im Refrain, in dem beide Stimmen gemeinsam erklingen, schon besser. Das und die Tatsache, dass Text und Melodie überzeugen, sorgt letztlich doch noch dafür, den Song als Anspieltipp zu erwähnen.
Jener markiert außerdem als Akustik Version das Ende des gesamten Albums. Weniger treibend, durch die reduzierte Instrumentierung jedoch gefühlvoller, wird er seiner Bonustrack-Funktion gerecht und zeigt die ruhige Seite von Spielbann auf.

Phasenweise gelungene Kontraste erschafft das Quintett aus Saarbrücken im Song „Gefrorenes Blut“, dessen Drums partiell der orchestralen Inszenierung gegenüberstehen. Darüber hinaus spielt man gekonnt auf Tempo und verschafft dem Titel auf diese Weise einen schönen düsteren Groove.

Spielbann (Copyright: Spielbann)

Spielbann (Copyright: Spielbann)

Wie viel ist auf „In Gedenken“ aber noch Spielbann und was ist Asp bzw. ASP? Eine Antwort auf diese Frage können wohl diejenigen Hörer am ehesten geben, die die Band schon seit ihrer Gründung verfolgen. Für alle, die Spielbann mit „In Gedenken“ neu kennenlernen, bleibt festzuhalten: Qualitativ kann man am Album nichts aussetzen. Akustische Parallelen zu ASP und auch L’Âme Immortelle sind allerdings nicht von der Hand zu weisen. Dies kann sowohl positiv als auch negativ bewertet werden, denn wenige Differenzen zu beiden genannten Bands sprechen entweder für zu wenig Eigenheit oder aber für ein musikalisches Agieren auf ebenso hohem Niveau, wie die Vergleichbands es aufweisen. Wer auf die genannten Referenzgruppen steht, der wird, und das ist eine Tatsache, auch sehr viel Freude am Debüt von Spielbann haben.

Die haben auch das ASP’sche Auge fürs Detail genutzt und die CD gleich mit zwei Booklets ausgestattet. Darin zu finden sind neben den Songtexten zudem Illustrationen von Artwork-Designer Timo Würz, u.a. bekannt durch seine Arbeiten für Marvel, George Lucas, Disney oder den Festa Verlag. Somit lohnt hier nicht nur das Hinhören, sondern auch das Hinschauen.
Bleibt abzuwarten, wie der Weg der Saarländer weitergeht und ob die Band auf dem nächsten Album auch ohne hochrangige Zusammenarbeit die Hörer mit ihrem Spiel in den Bann ziehen kann.

Video

Tracklist

01 Der Hüter
02 Auferstehung
03 Geister, die ich rief
04 Die Weiße Frau
05 In alle Ewigkeit
06 Aquarell
07 Gefrorenes Blut
08 Haus des Vergessens
09 Monster, Monster
10 Lebewohl
11 Hydra
12 HeimSuchung
13 Sünder ohne Namen (Bonustrack)
14 In alle Ewigkeit (Akustik Version; Bonustrack)

Details

Spielbann – Homepage
Spielbann – Facebook

Label: Trisol Music Group / Soulfood
Vö-Termin: 16.10.2015
Spielzeit: 65:48

Copyright Cover: Trisol Music Group



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde