Review

Wenn Musik frech klingen soll, dann zeigen Soybomb auf jeden Fall, wie es geht. Ihre EP „Plastic Festival“ fasst jede Idee, jede verrückte Eingebung und jeden Fetzen verschiedener Genres unter einem ansteckenden Artrock-Sound zusammen.

Als Einstieg gibt es dann direkt auch die komplett verdrehte Ballade „Baby Faith“ mit langsamem Rhythmus sowie einer gefassten Stimme. Schnell bewegt sich der Song aber in eine poppigere Richtung mit Backup-Vocals im Hochfrequenz-Bereich, worauf der Stil wiederum durch sehr schmutzige Synthis kippt.

Das Trio aus Zürich verfährt auf dieser EP nicht nur einmal nach dem Prinzip des Heranlockens seiner Hörer durch ansprechende Melodien, um ihnen dann mithilfe eines Stilbruchs musikalisch neue Gefühle einzuflößen.

Tatsächlich spielt auch ein gewisser Psychedelic Rock Einfluss eine Rolle, allerdings bedient man sich viel mehr des verlangsamten Tempos und lässt die Songs nur so hin und her schwingen. Die Musik „leiert“ dadurch nie, zumal der rockige Gesang entsprechend dagegen wirkt und Soybomb regelmäßig ihre junge Energie aufflammen lassen.

Auch der Titeltrack „Plastic Festival“ spielt mit diesen Elementen sowie mit einem 8-Bit Lead-Sound, der nur so ins Ohr geht. In vielerlei Hinsicht könnte man die Musik wie eine Mischung aus Everything Everything und Bilderbuch beschreiben. Auf der einen Seite fließen viele bunte Ideen ein und auf der anderen Seite wollen die Jungs irgendwie so verführerisch wie möglich erscheinen.

Soybomb (Copyright: Soybomb)

Soybomb (Copyright: Soybomb)

Soybomb orientieren sich im Lauf der EP deutlich ‚gen Pop, was nicht unbedingt schlecht sein muss, aber auch nicht immer direkt gelingt. Einwandfrei klingt das definitiv in „This Place Is Safe“; vor allem weil die Strukturen hier sehr eingängig sind und eine Menge der einzelnen Parts direkt ins Ohr gehen, besonders weil dieser Titel so auf Pop-Rock getrimmt wurde.

Zum großen Teil steht diese Verfahrensweise der Musik jedoch im Weg, jedenfalls wenn es zum vollen Auskosten der eigenen Ideen kommt. Dann passt so ein recht poppiger Part einfach nicht in den kompletten Kontext des Songs oder ist so vorhersehbar, dass es den anfangs interessanten Charakter der Band schnell wieder überschattet. Daher entfaltet sich am Ende oft nicht der gewünschte Effekt, obwohl die musikalischen Intentionen durchaus klar sind.

Trotzdem sollte man um „Plastic Festival“ definitiv keinen Bogen machen. Soybomb zeigen hier jede Menge Potenzial, was einen rebellischen und zugleich angenehm zugänglichen Sound angeht. Ausbaufähig, aber auf dem richtigen Weg.

Video

Trackliste

01 Baby Faith
02 Go And Get Healed
03 Plastic Festival
04 Part Of Me Is You
05 This Place Is Safe
06 Tried To Warm You

Details

Soybomb – Homepage
Soybomb – Facebook

Label: Radicalis Music GmbH / Believe
Vö-Termin: 03.03.2017
Spielzeit: 33:08

Copyright Cover: Radicalis Music GmbH



Über den Autor

Christopher