Review

Irgendwo zwischen Lana Del Rey und Angelzoom findet sich eine Nische, die das Kölner Indie-/Elektropop-Duo Souvenir Season gekonnt zu besetzen weiß.

Unaufgeregt und im positiven Sinne beiläufig reihen sich auf ihrem Debütalbum „Into the Black“ zehn Songs mit hypnotisch-fragilem und teils auch tanzbarem Sound aneinander, die den Hörer in andere Sphären versetzen und dadurch zum Vergessen des Alltags führen.

Die helle, klare weibliche Stimme von Sarah Wohlfahrt kommt den meist kühlen Synthies entgegen und bringt durch die Zartheit der Gesangsperformance und dem dabei stets mitschwingenden Gefühl das elektronisch erzeugte metaphorische Eis eines jeweiligen Songs zum Schmelzen.

Obwohl Wohlfahrts Stimme das tragende Element eines jeden Tracks ist, die dadurch sowohl eine Fragilität als auch eine Intensität verpasst bekommen, sorgt die vielschichtige Klangkulisse, für die sich Wohlfahrts Projektpartner Birger Nießen verantwortlich zeigt, für zusätzliche Dichte auf „Into the Black“.
Akustische Töne treffen auf elektronische Klangteppiche, Chöre und orchestrale Elemente wie Streicher und Piano ergänzen Samples und Synths, partielle Glockenspiele bilden Kontraste zum knarzenden Electrosound. Und dazwischen gibt es neben Halleffekten, Loops und auch schon mal typischen Dance-Beats noch weitaus mehr zu entdecken, das dezent integriert das unterschwellig Melancholie ausstrahlende Gesamtklangbild von Souvenir Season ausmacht.

Bezüglich „Into the Black“ ist es kaum möglich, von nennenswerten Schwächen zu reden, denn das Zusammenspiel von Pop-Beats fernab der Mainstream-„Kunst“, Streichern und Gesang verursacht Gänsehautmomente am laufenden Band, während man auch produktionstechnisch nichts an dem ersten Output von Souvenir Season auszusetzen findet. Dennoch liegen die herausragenden Stärken des Duos eindeutig in den ganz ruhigen, atmosphärischen Slow-Songs wie „Parachute“, der darüber hinaus noch mit wundervoller, berührender und ins Ohr gehender Melodie aufwartet. Von einem kleinen Wunder an Song wie „Parachute“ es ist, dessen Gesang, der sowohl die sehr hohen Töne zart und unaufdringlich meistert als auch die tieferen Parts Lana Del Rey-mäßig intoniert, hätte es noch weitaus mehr geben dürfen. Was jedoch nicht heißen soll, dass die restlichen Songs auf „Into the Black“ weniger gut ausgefallen sind. Mit ruhigen Augenblicken belohnen einen Souvenir Season weitere zahlreiche Male, und jene laden vor allem dazu ein, zu den Kopfhörern zu greifen, um die volle Wirkung des Albums ganz direkt zu spüren.

Souvenir Season (Copyright: Souvenir Season)

Souvenir Season (Copyright: Souvenir Season)

Schade, dass Songs wie „A slow dance to wild music“ am Ende so abrupt abbrechen und unvermittelt in den nächsten Titel überleiten. Wird dies von einigen Hörern als gelungenes Stilelement gewertet, durchbricht es für andere die vorab erzeugte Stimmung, die im Falle von „A slow dance to wild music“ mit minimalen elektronischen Spielereien und Pianomelodie eine Art Abspann darstellt.

Souvenir Season setzen mit „Into the Black“ auf Atmosphäre und diese scheint auf gesamter Albumlänge unschlagbar. Für genügend gefühlvolle Momente ist damit gesorgt und auch musikalisch agiert das Duo sehr eigenständig und kreativ.
Elektropop für die Masse, der sich jedoch nicht auf massenkompatible Klänge limitiert, bereichert durch das außergewöhnlich zarte Organ Wohlfahrts.
Dringend im Auge zu behalten und empfehlenswert für jene, die Pop mit Profil mögen.

Video

Tracklist

01 Golden
02 A slow dance to wild music
03 First to see the sun
04 Parachute
05 Stay
06 Forget my name
07 Blind
08 The black of you
09 Julius
10 Your love is my cocaine

Details

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Label: 38 dB(A)
Vö-Termin: 07.12.2015
Spielzeit: 45:27

Copyright Cover: 38 dB(A)



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde