Review

Die Franzosen von Soundcrawler sind richtig schwer. Im Stil alter Platten von Kyuss, Queens of the Stone Age, Soundgarden oder Mastodon pflügen sie sich in bester Stoner-Manier durch ihr neues Album „The Dead-End Host“. Dabei wird schnell klar, dass sie sich mit den genannten Größen getrost messen können.

Mit „Raiders“ beginnt man erst mal etwas entspannter und lässt ein wenig den Kurt Cobain raushängen. Zumindest erinnert die Stimme ziemlich stark an ebendiesen.

Soundtechnisch sowie instrumental kommt man eher der Band Kyuss entgegen, nur in einem etwas moderneren Gewand. Das weiß sofort zu überzeugen, denn das Songwriting ist bei den Jungs allererste Sahne. Die Lines ziehen mit und bleiben nach dem ersten Durchlauf schon im Kopf. Das schaffen nicht viele.

„A God to Feed“ geht in eine etwas kräftigere Richtung. Die Gitarre drückt sich in den Vordergrund. Der Sound ist unfassbar roh und ziemlich kratzend. Das passt perfekt zum Gesamtbild. Gelegentliche Soundlandschaften fügen sich perfekt in die ansonsten trockenen Songs ein. Etwas erinnert mich der Sänger an Loic Rossetti von The Ocean – also ziemlich rauchig und kantig. Wer kann da widerstehen?

Das Album wechselt sich gut zwischen aggressiven und ruhigen Passagen ab. Eine gewisse Led Zeppelin-Note lässt sich in „Long Coma Slow“ wiederfinden. Das Ganze bewegt sich auf sehr hohem Niveau und kommt gut komponiert daher. Man kann die Scheibe perfekt am Stück hören, ohne groß unterbrochen zu werden.

Drummer Robin hat immer den richtigen Groove parat, der über einen normalen 4/4 hinausgeht. Viele kraftvolle Becken- und Tom-Schläge zieren sein Drumming. Allgemein spielen die Jungs hervorragend zusammen. Dafür, dass sie noch nicht so lange unterwegs sind, ist das eine ordentliche Leistung.

Neben den schnelleren Stoner-Passagen sind immer wieder starke Doom Elemente enthalten. „The Plastic Truth“ geht genau in diese Schiene, wenn der Basssound auch etwas an Kneipenrock erinnert. Der gewisperte Gesang am Anfang gibt dem Song noch mehr Tiefe. Das Hauptriff, welches etwas lustig klingt, bleibt sofort im Ohr. Ab der Mitte kommt eine weitere bekannte Band ins Spiel. Mastodon klingeln hier und da an der Tür der Band. Das ist nicht schlimm, denn Soundcrawler kopieren nicht, sondern erweitern.

Soundcrawler (Copyright: Muriel O'Baoill Liautaud)

Soundcrawler (Copyright: Muriel O’Baoill Liautaud)

In „Civil“ hört man sogar ein wenig Incubus heraus. Man merkt also, dass die Band vielseitig ist und diese Eigenschaft auch gut einsetzten kann. Kein Song wirkt wie ein Versuch, sondern sie klingen nach Selbstbewusstsein höchster Klasse.

Als definitiven Anspieltipp empfehle ich „Infinite Genocide“. Der klingt mal ganz anders im Vergleich zum restlichen Material, macht aber so richtig Laune.

Fazit: Stoner-Fans müssen bei Soundcrawler zugreifen. „The Dead-End Host“ ist grandios produziert und klingt so erstklassig, dass man es sich jeden Tag anhören möchte. Der Sound ist echt und schön roh. Dabei verkommt der Rohling aber zu keiner uninteressanten Demo, sondern eher zu einem rohen Diamanten, der bereits perfekt geschliffen ist.

Video

Trackliste

01 Raiders
02 Burning Scales
03 A God to Feed
04 Long Coma Slow
05 Souls From the Trash
06 The Plastic Truth
07 Civil
08 Infinite Genocide
09 And All the Seconds Left

Details

Soundcrawler – Homepage
Soundcrawler – Facebook

Label: Klonosphere Records
Vö-Termin: 20.02.2015
Spielzeit: 41:42

Copyright Cover: Klonosphere Records



Über den Autor

Marcus
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