Review

Angesiedelt im weiten Gebiet des Alternative Metal legt die Bielefelder Band Soulbound ihr zweites Album „Myllennium“ vor. Darauf enthalten sind (abgesehen von Intro und Outro) elf akustische Statements zum aktuellen Zeitgeschehen, zu Ignoranz und Selbstgefälligkeit – und hörbar gehen Soulbound dabei keine Kompromisse ein.

So eröffnet bereits „Prelude“ den Silberling mit einer ordentlichen Portion Härte, die kaum Zeit lässt, um eine wie auch immer geartete Atmosphäre aufzubauen. Ein Intro, das zwar viel will, aber (noch) nicht alles herauszuholen imstande ist, um den Hörer auf das Kommende einzustimmen.
Allerdings gelingt durch „Prelude“ ein hervorragender und nahtloser Übergang zum ersten eigentlichen Song „Words“, zu dem bereits ein Musikvideo veröffentlicht wurde. Äußerst melodisch und an Härte zunehmend entwickelt sich der Titel dank Energie und Dynamik zu einem ersten potenziellen Dauerbrenner der Scheibe. Gleichzeitig legen Soulbound damit die Messlatte gleich zu Beginn sehr hoch.

„Welcome To The Dawn“ weiß das Niveau jedoch gut zu halten. Auch in diesem Track steigern Soulbound ihre Intensität – sowohl seitens der Instrumente als auch die Stimmung des Songs betreffend, die vor allem durch die eindringliche Gitarrenfront, die Drumarbeit und den Gesang zum Ausdruck gebracht wird. Letzterer kommt sehr vielseitig daher, indem Zerrsounds ebenso wie gesprochene, geshoutete oder klar gesungene Parts integriert und kombiniert werden. Durch die Eingängigkeit und treibende Kraft des Titels besitzt „Welcome To The Dawn“ zudem großes Livepotenzial.

Nimmt man in „Heart To The Sky“ phasenweise das Tempo zurück und kratzt mit gutturalen Elementen im Hintergrund sowie mit tief gestimmten Gitarren an der dunkleren Seite des Alternative Metals, wird es mit „One Million Scars“ erst einmal komplett ruhig. Die Ballade stellt den Gesang in den Vordergrund, im Laufe des Tracks wenden sich allerdings die akustischen Klänge unüberhörbar der metallischen Ausrichtung zu.

Ziemlich rabiat fällt anschließend der Übergang von „One Million Scars“ zu „Neverland“ aus, das wohl besonders den Gesang betreffend und gemeinsam mit „Zero One“ eines der härtesten Stücke auf „Myllennium“ darstellt.
Nach all der verzerrten Klanggewalt wirkt eine Akustiknummer wie „Rising Sun“ überraschend, aber zugleich auch lückenfüllerartig. Mit seinen schnell vergehenden 2:25 Minuten eher wie ein Interlude wirkend, schafft der Titel es nicht, die Hörer auf emotionaler Ebene zu packen.

Den Abschluss bildet schließlich der Titeltrack „Myllennium“ und damit erfährt der Silberling nicht nur ein würdiges, sondern vor allem ein sehr eindringliches und energetisches Ende, was durch den hohen Wiederspielwert des Songs letztlich doch keines ist, denn die Repeattaste wird hier definitiv zum besten Freund des Hörers.

Das Album wird erweitert um eine Bonus-Live-DVD, welche neben einigen Extras (wie ein knapp 16-minütiges Interview und eine „Wall of Death“-Kamera) zudem einen Mitschnitt des Soulbound-Auftritts „Live at Metal Christmas“ im Stereo in Berlin am 21.12.2013 zeigt. Die dabei vorgetragenen acht Songs sind sowohl optisch als auch akustisch gut in Szene gesetzt, während ein übersichtliches Menü und eine einfache Navigation als Vorbild für Live-DVDs manch anderer Bands dienen könnten, denen es an eben jener Professionalität fehlt. Ein ansehnliches Extra, das insbesondere Fans der Band einen Mehrwert bietet.

Soulbound (Copyright: Soulbound)

Soulbound (Copyright: Soulbound)

Soulbound legen mit „Myllennium“ ein überzeugendes Gesamtpaket vor, das ausgereift und durchdacht wirkt. Leise Töne finden ihren Platz neben der eigentlichen härteren Gangart der Band, was insgesamt für Abwechslung sorgt. Das Quintett tut sich allerdings nur bedingt einen Gefallen damit, derart stark in das Album einzusteigen, denn dadurch fällt es schwer, das anfängliche hohe Niveau konstant zu halten. Diesbezüglich muss man als Hörer – sicherlich nicht ganz unabhängig vom eigenen Geschmack – ein paar Abstriche machen, doch tröstend ist, dass selbst die nicht prompt zündenden Titel keineswegs belanglos an einem vorbeiziehen. Somit ist „Myllennium“ ein Album, das zeitweilig gut, meistens aber sogar sehr gut gefällt.

Video

Tracklist

CD:
01 Prolog: About time
02 Words
03 Welcome to the dawn
04 Heart to the sky
05 One million scars
06 Neverland (feat. Parasite Inc)
07 Zero-One
08 Forever is never done
09 Rising sun
10 Overcome
11 Wake up call
12 Myllennium
Epilog: The Myllennium years

Bonus Live DVD:
01 Myllennium
02 Halloween
03 Heart to the sky
04 Blind progress
05 Towards the sun
06 Curse of vanity
07 Break away
08 Broken pieces

Details

Soulbound – Homepage
Soulbound – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 19.02.2016
Spielzeit: 40:50 + 60:46

Copright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde