Review

Ein verwaschenes Artwork vermag wohl am besten, die Musik von Soon auf einen Punkt zu bringen: allerhand zerlaufene Zusätze aus verschiedenen Genres. Und obschon alles mit der schleppenden Attitüde des Dooms zusammengehalten wird, kann man den Sound auf „Vol. 1“ immer noch nicht klar eingrenzen.

Schwere Rhythmen liegen hier dennoch im Fokus der Band, was sofort durch den ersten Song „We Are On Your Side“ klar wird. Aber anhand dieses Beispiels fällt noch etwas anderes auf. Das Quartett schafft es, durch simple Strukturen, kraftvollen Gesang und Ideen, die buchstäblich ins Ohr gehen, eine angenehme Verbindung zu ihren Hörern aufzubauen.

An vielen Stellen des Albums verzichten Soon auf die Verzerrung ihrer Gitarren und verlassen sich allein auf die klaren Stahlseiten; wie auf „Gold Soul“, der durch den synchronen Einsatz der Saiteninstrumente neben dem Gespür für Folk auch noch etwas Wilden Westen mitbringt.
„Mauveine“ konzentriert sich hingegen mit Streichern und simplen Akkorden ausschließlich auf die akustische Atmosphäre.

Allein „Datura Stramonium“ erscheint im Vergleich dazu sehr statisch, obgleich der donnernde Groove der Drums den Song gut nach vorne treibt. Es gibt zwar ein paar Passagen, die durchaus mitreißen, jedoch ebbt der Sound sehr schnell ab und die anfängliche Euphorie vergeht.
Ähnlich vorhersehbar gestaltet sich das Schlusslicht „Rise“, wobei der monotone Drone-Einfluss durchaus gewollt ist, um effektvoll die drückende Stimmung zu erzeugen, die höchstens bei einer Trauergemeinde vor einem frisch ausgehobenem Grab aufkommen kann.

Hat man sich gerade in die episch doomigen Klänge von „Burning Wood“ eingelebt, kommt im Anschluss einer der Songs, die zu den typischen Überraschungsmomenten auf „Vol. 1“ zählen. Lässt man mal das rockige Intro von „See You Soon“ außer Acht, wird der Refrain wie Wasser nur so runter gehen. Zusammen mit dem nasalen und melodischen Gesang hat man das Gefühl, dass sich hier schon fast poppige Ansätze anbahnen.
Wem das noch nicht genug war, der bekommt mit „Glass Hours“ dann den vollkommenen Stilbruch. Erneut mit einer Stimme, die alles durchbricht und einem Solo-Riff am Ende, das passender nicht hätte arrangiert werden können.

Soon (Copyright: Soon)

Soon (Copyright: Soon)

Es ist schon fast so, dass der düstere Ton der Platte scheinbar vergessen scheint, bei so vielen musikalischen Richtungen, die hier eingeschlagen werden. Und doch wirkt „Vol. 1“ nie durcheinander. Es gibt den Doom-Rock Song, der auch nur solches transkribiert, und dann sind da Erzeugnisse, in denen Soon vermutlich ihre einzelnen Wurzeln aufklingen lassen. Bunte Abwechslung, durch die immer noch ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl schimmert.

Es bietet wirklich eine Menge Unterhaltung, den Sound von Soon immer mehr und mehr kennenzulernen, je weiter „Vol. 1“ voranschreitet. Der harte Kern der Platte wird zwar oft und abwechslungsreich nach außen getragen, aber dennoch distanzieren sich Songs wie „Glass Hours“ und „Mauveine“, wenn auch von ihrem eigenen musikalischen Charakter, nicht vom Rest der acht Titel.
Wer neugierig geworden ist, sollte sich die Jungs mal zur Brust nehmen, da hier wirklich viele verschiedene Qualitäten zu entdecken sind, die außerhalb der vorgesehenen Grenzen liegen.

Trackliste

01 We Are On Your Side
02 Burning Wood
03 See You Soon
04 Gold Soul
05 Glass Hours
06 Mauveine
07 Datura Stramonium
08 Rise

Details

Soon – Facebook

Label: Temple Of Torturous
Vö-Termin: 04.03.2016
Spielzeit: 35:10

Copyright Cover: Temple Of Torturous



Über den Autor

Christopher