Review

Dass Rock und Klassik zusammen einwandfrei harmonieren, stellten bereits einige Bands und Musiker unter Beweis. Dass auch im Metal die Sinfonik berechtigterweise ihren Platz gefunden hat, zeigt nicht zuletzt ein eigens dafür etabliertes Genre. Was aber passiert, wenn man einer Electro-Band den Stecker zieht oder den Strom abdreht?

Diesen Versuch unternahmen Solitary Experiments – wie Labelkollegen Lord Of The Lost mit ihrem Ergebnis „Swan Songs“ zuvor – im Rahmen der „Gothic meets Klassik“-Festivalreihe. Herausgekommen ist, passend zum 20-jährigen Jubiläum des Berliner Projekts, der Silberling „Heavenly Symphony“, der mit acht zu „Symphonic Versions“ umarrangierten Songs quantitativ zwar zunächst übersichtlich wirkt, dafür aber mit einer derart opulenten Dichte und orchestralen Fülle daherkommt, sodass die Spielzeit von 44:02 Minuten mehr als ausreichend lang erscheint.

Die Songs, die hier einen sinfonisch-orchestralen Anstrich verpasst bekommen haben, dürften sowohl Fans des Projekts als auch den meisten Clubgängern bekannt sein, gehören die für „Heavenly Symphony“ ausgesuchten Titel doch zum festen Repertoire der Band, der Hörer und der Clublandschaft. Und was tanzbar ist, kann auch emotional sowie erhaben klingen.

Dazu verhilft vor allem der orchestrale Bombast, aber ebenso die leisen Töne, die mittels Klavier und Streicher inszeniert werden.
Beginnen die Introsequenzen der Titel teils sehr ruhig und reduziert, einzig auf eine minimale Instrumentalisierung konzentriert, steigern sich diese Tracks im weiteren Verlauf und gewinnen an opulentem Charakter. Selten ergänzt in diesen Fällen lediglich der Gesang (wie beispielsweise in „The Edge Of Life“) das musikalische Geschehen.

Sofern der Gesang im Mittelpunkt steht, während der instrumentale Hintergrund fragil und dezent bleibt, überzeugt Sänger Dennis Schober auf ganzer Linie. Sobald jedoch die Wucht des Orchesters die Führung übernimmt, verliert sich seine im Gegensatz dazu eher zart wirkende Stimme ein wenig. Die Stimmfarbe und das -volumen eines Alexander Veljanov (Deine Lakaien) hätte hier weitaus mehr Gänsehaut erzeugt, beides kann Schober nicht aufbringen, zudem bildet seine Stimme einen starken Kontrast zur warmen Orchestrierung. Letzteres muss aber nicht immer von Nachteil sein. In Songs wie „Immortal“ und „Epiphany“ kommt ihm genau sein Gesang insofern zugute, als die Lieder eine ähnliche Wirkung erzeugen wie z.B. ein „Illusion“ von VNV Nation.

Solitary Experiments (Copyright: Helge Roewer)

Solitary Experiments (Copyright: Helge Roewer)

Während es an Produktion, Songauswahl und den sinfonischen Arrangements nichts auszusetzen gibt, bleibt die Gesangsstimme der einzige etwaige Kritikpunkt, der darüber hinaus sehr vom eigenen Geschmack des jeweiligen Hörers abhängt. Es sei aber angemerkt, dass Schober und seine Songs einen komplett anderen Effekt haben, hört man sie unter Kopfhörern oder zumindest intensiver als nur „nebenbei“. Damit vermeidet man ebenfalls den Eindruck, als würde die Gesangsdarbietung den Tracks nur wenig Variation und Emotion einbringen. Dass „Heavenly Symphony“ aber ein Album ist, das seine Beachtung verdient, beweist der Silberling durchaus.

So hat man Solitary Experiments wohl nur selten bzw. bisher gar nicht erlebt und viele werden überrascht sein, wie auch „Electro unplugged“ begeistern kann.
Wer dieses „Experiment“ der Berliner einmal erleben möchte, greift bei „Heavenly Symphony“ dringend zu, zeigen Solitary Experiments hier doch eine Seite ihrer musikalischen Ausrichtung, die ihnen zwischendurch auch extrem gutsteht.

Preview

Tracklist

01 The Edge Of Life (Symphonic Version)
02 Immortal (Symphony Version)
03 Beg Your Pardon (Symphonic Version)
04 Déjà Vu (Symphonic Version)
05 Delight (Symphonic Version)
06 Epiphany (Symphonic Version)
07 Trial and Error (Symphonic Version)
08 Stars (Symphonic Version)

Details

Solitary Experiments – Homepage
Solitary Experiments – Facebook
Solitary Experiments – Twitter

Label: Out of Line
Vö-Termin: 22.05.2015
Spielzeit: 44:02

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde