Review

Ihr 10-jähriges Bandjubiläum krönen Sober Truth mit ihrem vierten Studioalbum namens „Locust Lunatic Asylum“ und beweisen damit einmal mehr, dass (Genre)grenzen dazu gemacht sind, überwunden zu werden.

Ihren Prog Groove Metal manifestiert das Quartett auf insgesamt zwölf Songs im meist erdigen, aber modernen Sound, die nur selten Band und Zuhörern Zeit zum Durchatmen geben.
Zwischen den gutturalen und temporeichen Attacken, die in einer aggressiven Konsequenz auf die Hörer niederprasseln, tun vor allem Melodien gut. Diese finden immer mal wieder auch ihren Platz, sollten zukünftig aber noch intensiver von Sober Truth forciert werden. Denn die Band scheint auf „Locust Lunatic Asylum“ ein Faible dafür zu haben, den sehr angenehmen Melodiefluss eines Songs zu häufig durch u.a. Breaks aufzuheben. Jene Hörer, die einen linearen Hörfluss genießen wollen, wird dies stören, alle anderen Zuhörer nehmen diese Art des Songwritings als interessante Facette an Sober Truth wahr.

Die diesbezüglichen interessanten Momente hat der aufmerksame Konsument allerdings nach wenigen Tracks „durchschaut“, sodass die darauffolgenden mehrheitlichen Lieder etwas vorhersehbar ausfallen.
Für dennoch vorhandene Überraschungen sorgen stattdessen Titel wie „Procrastination“. Als Ballade vorgetäuscht übernimmt ein progressives Gitarrenspiel hier schließlich die Führung, während Groove und Grundtenor des Songs Assoziationen zu Serj Tankian und System of a Down wecken.

Sober Truth (Copyright: Sober Truth)

Stimmlich zwar nicht ganz so eindringlich wie Herr Tankian, warten Sober Truth dennoch mit reichlich inbrünstigen Gesangseinlagen auf. Es scheint, als würden sie vor dem Mikro alles, was geht, abliefern, sodass dunkler, warmer Klargesang ebenso zu hören ist wie deathige Growls und Shouts. Zwar wirkt es bei oberflächlichem Hören, als würden ein aggressives Level beständig oben gehalten und ein gutturales Gemetzel das Album „Locust Lunatic Asylum“ dominieren, dafür weiß die harmonische Kombination dieser verschiedenen stimmlichen Zutaten in nur einem Song definitiv zu überzeugen.

Zusammengenommen nähren alle Sober Truth-Trademarks auf „Locust Lunatic Asylum“ zudem die Atmosphäre des Albums.
Wer es daher gerne hart mag, Melodien und Stimmung jedoch nicht missen möchte, der sollte der nur auf den ersten Blick unkonventionell erscheinenden Stilmixtur von Sober Truth definitiv eine Chance geben.

Video

Tracklist

01 Introduction
02 Leave the Locust in the Lunatic Asylum
03 Paragon
04 Murphys Law
05 Powergenerator
06 Welcome to Majula
07 Collapse
08 My Enemy
09 Layer Of Self
10 Procrastination
11 Cold Chapter
12 Sober

Details

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Label: Taktart
Vö-Termin: 17.02.2017
Spielzeit: 46:44

Copyright Cover: Taktart



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde