Review

Unsere geliebten Maskenmänner sind zurück: Slipknot melden sich nach diversen Sideprojekten und persönlichen tragischen Ereignissen wieder zu Wort.
Auf jene Schicksalsschläge möchte ich an dieser Stelle nicht allzu stark eingehen, auch wenn sie die Platte beeinflusst haben; nicht zuletzt beim Titel „The Gray Chapter“ sprechen wir von einer Hommage an den ehemaligen Bassisten Paul Gray. Widmen wir uns aber der Musik. Slipknot hatten den eigenen Ansporn, wieder mehr in die Richtung ihres Albums „Iowa“ und älteren Materials zu gehen. Viele Fans waren dem positiv gegenüber eingestellt, denn „All Hope is gone“ aus dem Jahre 2008 hat eher für durchwachsene Meinungen gesorgt. Es war eben nicht mehr das Bekannte, sondern ein Schritt weiter. Auch Slipknot haben aber das Recht, sich weiterzuentwickeln. Wie sie sich entwickelt haben, finden wir hier zusammen raus. Manege auf und ab zu den Verrückten:

Mit „XIX“ beginnt das neue Kapitel. Etwas merkwürdig daherkommend ist es der Song, der Paul gewidmet ist. Er beschreibt Coreys Gefühle, als er die Nachricht über den Tod seines Bassisten erhielt. Sehr minimale Synthis und viel Gefühl in seiner Stimme machen den Song zu einem guten Opener, der nicht kracht, aber emotional berührt.

„Sarcastrophe“ ist dann schon der erste harte neue Song. Das Mainriff ist zwar etwas unaufgeregt, aber immerhin geht der Song an sich gut rein. Jetzt kristallisiert sich der Gesamtsound der Platte heraus. Extrem natürlich, schon fast einen Democharakter weist der Silberling auf. Nach „All Hope is gone“ hätte ich einen ähnlichen Standard erwartet, aber gut, es passt. Die Blasts fluppen sich gut durch den Song und die straighten Beats können Slipknot so oder so. Ein wenig einfallslos ist der Song jedoch schon und das gigantische Gewitter, was jeder erwartet hat, bleibt auch aus.

„AOV“ könnte dagegen eine Melodic Death Nummer werden, zumindest am Anfang. Danach wird es ein eingängiger Groover, der über den ganzen Song das Niveau sowie das Tempo hält. Klassischer Corey-Stone-Sour-Gesang ist ebenfalls dabei. Ein rundum gut gelungener Song, der an die alten Tage der Band herankommt.

„The Devil In I“ war im Vorfeld bereits bekannt und wurde auch durch ein neues Musikvideo verbreitet. Gleiche Kost wie schon bei den vorausgegangenen Songs. Nicht schlecht, aber kein Feuerwerk.

Nach der ersten Hälfte stellt sich eine gewisse Ernüchterung ein. Viel ist erwartet worden. Vielleicht gehen Slipknot den gleichen Weg wie vorher schon Behemoth und pfeifen auf alles. Sie machen, worauf sie Lust haben. Die neuen Songs sind jedoch einfach ideenlos. Nach der langen Zeit hätte es viel mehr werden können. Die Zeit war da. Gut, es ist viel passiert in der Zwischenzeit, aber niemand hat Druck gemacht, dass es jetzt unbedingt ein neues Album geben musste.
Zum Democharakter gesellt sich der merkwürdige Sound vom Schlagzeug. Nicht satt, nicht clean, sondern eher merkwürdig gemixt. Das trifft es. Vielleicht wurden aber auch dem Schlagzeuger sowie dem Bassisten nicht so viel Aufmerksamkeit gewidmet, da ja so oder so noch nicht klar ist, wer nun welche Rolle übernimmt.

Slipknot (Copyright: Slipknot)

Slipknot (Copyright: Slipknot)

„Skeptic“ ist ein kleiner Lichtblick. Da sind sie wieder, dieser Hass, diese fiesen Riffs und das hämmernde und gut geschriebene Schlagzeug. Davon hätte es mehr geben können. Definitiv ein Highlight der Platte.
So auch „The Negative One“, der so ungeschnitten oder unverändert auf der „Iowa“-Scheibe hätte sein können. Gleiche Atmosphäre wie „Skeptic“ versprühend, kann dieser Song sofort für Slipknotfeeling sorgen.

„The Gray Chapter“ enthält viele metallische Song, die immer wieder durch Interludes bzw. ruhigere Songs à la „Vermilion“ aufgelockert werden. Leider kommen sie kein Stück an die Qualität dieser heran. „Goodbye“ oder „Be Prepared For Hell“ sind solche Beispiele.

Fazit: „.5: The Gray Chapter“ ist leider nicht der ersehnte Wurf. Slipknot machen vieles richtig, indem sie einfach das machen, worauf sie Bock haben. Man könnte ihnen auch vorwerfen, dass sie mal wieder Geld brauchten nach all den Jahren, aber das würde dem Album nicht gerecht. Neue Hörer werden wegen des alten Charmes etwas abgeschreckt sein, dennoch sollten gerade diese hier genauer hinhören. Fans der ersten Stunde lieben ihre Band und werden auch zu diesem Album greifen. Hoffen wir, dass es sich um ihren neuen Auftakt handelt und ab jetzt viel geboten wird.

Video

Tracklist

01 XIX
02 Sarcastrophe
03 AOV
04 The Devil In I
05 Killpop
06 Skeptic
07 Lech
08 Goodbye
09 Nomadic
10 The One That Kills The Least
11 Custer
12 Be Prepared For Hell
13 The Negative One
14 If Rain Is What You Want
15 Override ( Bonus Track )
16 The Burden ( Bonus Track )

Details

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Label: Roadrunner Records / Warner Music
Vö-Termin: 17.10.2014
Spielzeit: 74:51

Copyright Cover: Roadrunner Records



Über den Autor

Marcus