Review

SLAYEEEEEEER! Dieser Ruf ist so alt wie die Band selbst. Jeder schreit es auf Festivals, wenn nicht gerade Helga gesucht wird. Unfassbar, denn die Jungs machen seit den frühen 90ern Musik. Sie sind mit Metallica, Megadeth und Anthrax als „The Big Four“ des Thrash Metals bekannt und das auch zu Recht, denn diese Bands haben den Thrash hervorgehoben und maßgeblich geprägt.

2015 melden sich Tom und Kerry King mit „Repentless“ zurück. In der Zwischenzeit gab es ein paar Veränderungen im Line-up der Band. Jeff Hanneman ist nach langer Krankheit verstorben und Dave Lombardo hat dafür gesorgt, dass er aus der Band fliegt. Gary Holt und Paul Bostaph sind bereits länger bekannt und nun die neuen festen Mitglieder. Mit „Repentless“ geht es wieder ordentlich in Richtung Kompromisslosigkeit. Ob das gut ist, klären wir jetzt!

Ruhig beginnt die Scheibe und könnte direkt als Intro für Metallica durchgehen. Eine leicht angezerrte Gitarre ertönt, bis dann alle Instrumente einsteigen. Gesang? Fehlanzeige, aber Intros sind ja meist instrumental. Der Titel bereitet gut auf das Folgende vor: ein wenig Bedrohung sowie harte Klänge bilden schon mal das Fundament von „Repentless“. Der Einstieg ist sehr gut geglückt!

Zum Titeltrack muss man nicht viel sagen. Es vergeht keine Sekunde ohne Vollgas. Tom ist in Höchstform und schreit sich die Seele aus dem Leib. Das klingt alles so real, dass man sich sofort vor der Band befindet und den Song nur so eingeprügelt bekommt. Paul macht jetzt schon eine gute Figur, denn die Drums sind pfeilschnell, wenn auch nicht so virtuos wie es noch bei Dave der Fall war.

Slayer übernehmen in „Take Control“ die Oberhand über den Hörer, denn dieser Groove-Part kurz nach dem Start bewegt euren Kopf gleichermaßen zu euren Hüften. Man könnte jetzt sagen, dass Slayer einfacher geworden sind, aber die Tracks funktionieren einfach richtig gut. Die Produktion bleibt dabei sehr ehrlich und natürlich, was mich bei Metal-Bands immer erfreut. Allein „Vices“ geht, dank seiner natürlichen Produktion, so berstend in den Kopf, dass es eine wahre Freude ist.

Über den knapp 42 Minuten bleibt das Tempo kontinuierlich hoch. Was auch positiv ins Gewicht fällt: ob Gary oder Kerry, beide spielen passende Soli und übertreiben es dabei auch nicht. Sowas kann im Metal ganz schnell störend sein, aber hier sind sie gut platziert.

Slayer ( Copyright: Nuclear Blast )

Slayer (Copyright: Slayer)

Doch ein Problem hat die Band und da geht mir als Bass-Liebhaber ganz schnell das Klappmesser auf. Tom schreit sich die Seele aus dem Leib, aber ist sein Bass überhaupt angeschlossen? Wieso lässt man ihm da keinen Spielraum, um auch mal ein wenig mehr durchzukommen? In manchen Songs wie „Atrocity Vendor“ funktioniert das doch ganz gut. Ansonsten kann man den Jungs aber keinen Vorwurf machen.

Mit „When The Stillness Comes“ spielen Slayer in Gefilden von Dave Mustaine. Langsam walzen sich Slayer Richtung Megadeth und das machen sie fast besser als das Original. Die anfänglich erwähnte Kompromisslosigkeit ist konsequent umgesetzt und macht einfach Spaß beim Hören.

Fazit: „Repentless“ ist ein klasse Album. Slayer zeigen endlich wieder, wer der Bulle im Ring ist. Über die Band mag man angesichts der Ereignisse denken, was man will, aber musikalisch bleiben sie unangefochten. Roher und ehrlicher Thrash Metal mit viel Death und einem wachen Tom sind eine Mischung, die 2015 jeder hören muss.

Video

Trackliste

01 Delusions Of Saviour
02 Repentless
03 Take Control
04 Vices
05 Cast The First Stone
06 When The Stillness Comes
07 Chasing Death
08 Implode
09 Piano Wire
10 Atrocity Vendor
11 You Against You
12 Pride In Prejudice

Details

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Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 11.09.2015
Spielzeit: 41:52

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus
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