Review

„The Seventh Life Path“ heißt passenderweise das inzwischen siebte Studioalbum von Sirenia. Die bisherigen Veröffentlichungen der Gothic Metaler waren vor allem qualitativ ein ständiges Auf und Ab. Daher ist die Frage sicherlich nicht ganz unberechtigt, wohin nach dem 2013er Meisterwerk „Perils of the Deep Blue“ die musikalische Reise diesmal geht.

Die Antwort geben bereits „Serpent“ und „Once My Light“, nach dem Intro „Seti“ die ersten beiden richtigen Songs des Albums, in denen auf die typischen Zutaten des Sirenia-Sounds zurückgegriffen wird: dichter, dunkler Gitarrensound mit orchestralen Arrangements, dazu der ausgesprochen hohe, sirenenartige Gesang von Frontdame Ailyn, die starken Growls von Mastermind Morten Veland und gregorianische Chöre. Das alles klingt so erst mal nicht neu; jedoch werden diese Zutaten derart abwechslungsreich und in einer Selbstverständlichkeit kombiniert, dass dem Zuhörer bereits zu diesem Zeitpunkt des Albums Herz und Seele vor Begeisterung aufgehen.
Die genannten Elemente harmonieren auf beinahe natürliche Weise nahezu perfekt. Es werden Tempo- und Melodiewechsel eingebaut, kleine Schlenker in die Songstrukturen integriert und auf den Punkt gespielte Soli präsentiert, sodass zu keiner Zeit Langweile oder Monotonie aufkommt. Auffällig bereits auch jetzt – und in den weiteren Titeln des Albums zu verfolgen -, dass Ailyn stellenweise in ungewohnt klassischem Sopran singt.

„Elixir“ punktet danach sofort mit seinem markant-melodischen Riffing. Die Strophen werden diesmal mit Clean Male Voice gesungen, die Bridge vom Chor und den Refrain growlt Morten in bekannter Weise. Der Track kommt unglaublich locker und positiv daher und entwickelt dadurch echte Ohrwurm-Qualität.

„Sons Of The North“ steht dem bisher Gehörten in nichts nach. Mit einigen archaischen Attributen versehen und einem Refrain von wunderbarer Melancholie – der zudem jedes Mal anders intoniert wird! – erzeugt dieser Song beim Hörer wahrlich Gänsehaut.

In eine ähnliche Richtung geht das folgende „Earendel“. Hier garnieren leichte Folk-Anleihen das Klanggemälde. Der Refrain überzeugt wiederum mit einer ganzen Portion Melancholie.

Die weiteren Tracks des Silberlings repräsentieren die erwähnten Stärken in überzeugender Art und Weise und lassen keine musikalischen Wünsche offen.

Mit „The Silver Eye“ folgt gegen Ende nochmals ein absoluter Überflieger. Der Titel beginnt fast schon Black-Metal-artig extrem und schnell und reißt den Hörer geradezu mit. Nicht zuletzt durch seine wiederholten Melodiewechsel kann „The Silver Eye“ über die gesamte Länge restlos begeistern.

Um Gemüt und Puls des Hörers wieder auf Normalzustand zurückzuführen, beschließt „Tragedienne“ als Ballade das Album mit ruhigen Tönen.

Sirenia (Copyright: Tom Knudsen)

Sirenia (Copyright: Tom Knudsen)

Die aktuelle Scheibe „The Seventh Life Path“ ist bereits das vierte Album, das Sirenia in der gleichen Besetzung eingespielt hat. Diese Konstanz merkt man der Veröffentlichung auch an. Das Quartett hat inzwischen seine musikalische Richtung gefunden und ist eingespielt. Der Sirenia-typische Sound – melodischer Gothic Metal mit symphonischen Elementen – ist auch auf dem neuen Album allgegenwärtig. Nur ist dieser über die Jahre facettenreicher geworden. Die Songs sprühen vor Energie und Kreativität. Tempo- und Melodiewechsel sind inzwischen in jedem Song – bei Spielzeiten von überwiegend 6 bis 8 Minuten – vorhanden, ohne dass ein gewisser roter Faden innerhalb des jeweiligen Lieds verloren geht. Auffällig diesmal, dass sich Ailyn und Morten die Gesangparts über die gesamte Albumlänge teilen. Auch dadurch wirken die einzelnen Titel nochmals variabler.

Die Produktion ist auswogen und sehr druckvoll. Trotz der vielen Tonspuren ist der Klang jederzeit klar und differenziert.

Mit „The Seventh Life Path“ haben Sirenia ein unglaublich starkes Album am Start, das zwar „Perils of the Deep Blue“ nicht übertrifft – was auch nahezu unmöglich erscheint -, diesem aber auf jeden Fall ebenbürtig ist. Im direkten Vergleich zum Vorgänger sind die Songs insgesamt abwechslungsreicher, die Arrangements vielseitiger und damit für den Hörer noch einen Tick interessanter ausgefallen. Dies geht ein klein wenig zulasten der Eingängigkeit, vermindert aber letztendlich nicht die Freude an einem überragenden Album und an einem echten CD-Highlight des Jahres. „The Seventh Life Path“ ist in diesem Sinne wirklich bombastisch und wird mit Sicherheit noch lange im Player rotieren.

Preview

Video

Tracklist

01 Seti
02 Serpent
03 Once My Light
04 Elixir
05 Sons Of The North
06 Earendel
07 Concealed Disdain
08 Insania
09 Contemptuous Quitus
10 The Silver Eye
11 Tragedienne

Details

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Label: Napalm Records
Vö-Termin: 08.05.2015
Spielzeit: 69:53

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde