Review

Mit ihrem neuen Longplayer „Dim Days of Dolor“ wollen Sirenia an die in jeder Hinsicht überzeugenden Vorgängeralben „Perils of the Deep Blue“ und „The Seventh Life Path“ anknüpfen. Dass dies nicht ganz nahtlos geschehen wird, ist nach der überraschenden Trennung von Sängerin Ailyn, die immerhin die letzten acht Jahre die weibliche Gesangsstimme von Sirenia war, zu erwarten. Doch in welche musikalischen Gefilde entführen die Norweger diesmal ihre Hörer?

Mit Emmanuelle Zoldan wurde schnell eine neue Frontdame präsentiert, die eingefleischten Sirenia-Fans nicht ganz unbekannt sein dürfte. Frau Zoldan war seit 2004 auf bisher allen Sirenia-Veröffentlichungen im Background zu hören; auf der EP „Sirenian Shores“ übernahm sie sogar die Leadvocals („First We Take Manhatten“).

Bereits die ersten beiden Songs zeigen, dass Zoldans kräftige Mezzo-Sopran-Stimme hervorragend mit dem Sound der Skandinavier harmoniert. In „Goddess of the Sea“ weiß das Wechselspiel im Gesang mit den Chören zu gefallen. Der Song ist relativ schlicht gehalten, kann aber durch Melodie und seine symphonischen Arrangements überzeugen. Das anschließende Titellied „Dim Days of Dolor“ forciert dann das Tempo, verzichtet aber auf sämtliche Gothic Metal-Zutaten und entpuppt sich als astreiner Vertreter des Female-Fronted-Metal.

Wem es in allen Belangen wieder mehr sein darf, wird mit „The 12th Hour“ auf seine Kosten kommen. Hier fahren Sirenia wirklich alles auf, was sie im Repertoire haben. Der Titel ist deutlich härter und schneller. Die bisher vielleicht von einigen vermissten Growls von Mastermind Morten Veland kommen endlich zum Einsatz und auch Emmanuelle Zoldan gibt sich gesangstechnisch etwas klassischer. Ein ruhiger Zwischenpart und die sirenia-typischen sakralen Chöre runden den Titel gelungen ab und machen „The 12th Hour“ damit wohl zum komplexesten Song des Albums.

Im weiteren Verlauf changiert man zwischen den genannten musikalischen Stilen. Das flotte „Treasure n‘ Treason“ punktet zweifelsfrei durch seine Melodik und den opulenten Chor im Zwischenpart und „Fifth Column“ durch seine Atmosphäre und die integrierten Samples.

Allerdings befinden sich auch einige durchschnittliche Nummern auf dem Album. Titeln wie „Elusive Sun“ und „Playing with Fire“ fehlt es leider an musikalischen Highlights, um eine Nachhaltigkeit bei den Hörern zu erreichen. Ein „Cloud Nine“ beweist hingegen beispielhaft, dass man mit dem gezielten Einsatz spezieller elektronischer Effekte und Zerrsounds einem Song eine zusätzliche interessante Note verpassen kann.

Die Album abschließende Ballade ist durch das Klavier sehr ruhig gehalten, transportiert die nordische Melancholie aber sehr intensiv an die Hörer.

Sirenia (Copyright: Andreas Kalvig Anderson)

Sirenia (Copyright: Andreas Kalvig Anderson)

Mit Emmanuelle Zoldan als Leadsängerin haben Sirenia keine schlechte Wahl getroffen. Man darf sicherlich behaupten, dass sie die bisher beste Sängerin in der Sirenia-Historie ist. Ihre Stimme steht zu Recht im Fokus des neuen Albums. Dadurch verschiebt sich der musikalische Schwerpunkt der meisten Songs allerdings in Richtung symphonischen Female-Fronted-Metal. Dass damit einhergehend der Einsatz der für Sirenia so typischen sakralen Chöre leicht reduziert wird, auf Morten Velands Growls dagegen fast komplett verzichtet wurde (nur noch in drei Liedern zu hören), dürfte nicht jedem langjährigen Fan gefallen. Songwriterisch wäre an einigen Stellen – gerade in der zweiten Albumhälfte – ebenfalls noch Luft nach oben. Hier erreicht „Dim Days of Dolor“ leider nicht die Qualität der beiden Vorgängeralben.

Nichtsdestotrotz wissen die meisten Songs auf „Dim Days of Dolor“ zu gefallen, da Sirenia nicht den Fehler begehen, mit dem Wechsel der Sängerin gleichzeitig zu sehr auf Mainstream zu setzen und in die Beliebigkeit abzudriften. „Dim Days of Dolor“ ist somit eine Empfehlung für alle Freunde des Female-Fronted-Metals. Alle anderen, die mehr Wert auf Gothic-Elemente und ausgefallenere Arrangements legen, sollten vielleicht vorab Probe hören.

Video

Tracklist

01 Goddess of the Sea
02 Dim Days of Dolor
03 The 12th Hour
04 Treasure n‘ Treason
05 Cloud Nine
06 Veil of Winter
07 Ashes to Ashes
08 Elusive Sun
09 Playing with Fire
10 Fifth Column
11 Aeon’s Embrace

Details

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Label: Napalm Records
Vö-Termin: 11.11.2016
Spielzeit: 56:40

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde