Review

Neun Jahre nach „Death Of A Dead Day“ beglücken die Urgesteine des Mathcore, SikTh, ihre Hörer mit neuem Material. Das Mini-Album „Opacities“ bringt trotz einer doch geringen Anzahl an Songs wieder den gewohnt groovigen und durchgeknallten Stil der Engländer mit sich. SikTh machen, so sei gesagt, dort weiter, wo „Death Of A Dead Day“ aufgehört hat.

Wer die Band kennt, wird auch auf „Opacities“ die übliche Riffgewalt sowie die schizophrenen Rhythmen und Stile wiedererkennen. Und auch nach so langer Zeit des Wartens klingt das Album immer noch erstaunlich aktuell. Was wohl insbesondere daran liegt, dass SikTh schon immer mit einer vorausschauenden Art daherkamen.

Mit „Behind Doors“ geht es los und hört mit „Walking Shadows“ noch lange nicht auf. Neben der rohen Energie, die hier an den Tag gelegt wird, sticht vor allem eine Leichtigkeit im Sound heraus. Für den fesselnden Groove sorgt der Anteil an Djent auf „Opacities“, während der progressive Teil immer noch in dem Maße dagegen hält, dass SikTh nicht ausschließlich nach eben einer solchen Djent-Band klingen.

Aber wie könnten sie auch, wenn SikTh doch so viel eigenen Charakter mit in ihre Titel bringen. Für eine Band, die auf zwei Gesangsorgane setzt, bietet sich schließlich auch eine Menge Spielraum an. Mal abgesehen von dem tiefen Gebrüll oder dem Geschrei, stechen wohl am meisten die hysterische Keiferei und der saubere Gesang hervor. Kontrastreicher kann man seine Musik manchmal nicht gestalten. Es scheint, als würde man sich die Platte hindurch ständig prägenden Einflüssen gegenübersehen. Es gibt sowohl diesen typisch epischen Gesang, der die Hooks ausschmückt, als auch das aggressive Organ, das schon fast an Jonathan Davis (Korn) erinnert. Nicht zu vergessen die verrückte Punk-Attitüde.

Genau deshalb muss man SikTh eben mögen. Nicht nur Fans dürfen sich an der neuen Musik erfreuen, sondern auch Neuzugänge wird „Opacities“ direkt ansprechen. Natürlich, hier mischt eine Menge Chaos mit, schließlich repräsentieren die Jungs immer noch den Mathcore. Aber die Kompositionen und das Arrangement der Instrumente lassen einem nicht in einem Loch aus hackenden Gitarren und zu Tode gespielten Tonleitern zurück. Vielleicht ist es der etwas modernere Touch, den SikTh hier haben einfließen lassen, der dafür sorgt, dass man von den Titeln nicht gleich erschlagen wird.

SikTh (Copyright: SikTh)

SikTh (Copyright: SikTh)

Einen Grund zum Nörgeln gibt es dann aber doch noch. „Tokyo Lights“ besteht buchstäblich nur aus einem erzählerischen Vortrag aus allen Stimmen von SikTh. Hauptsächlich spricht die gedrückt und kratzig tiefe Stimme. An sich nichts Unerwartetes, da so etwas schon auf „Death Of A Dead Day“ praktiziert wurde. Dort allerdings nur als Intro und nicht – wie auf diesem Album – als kompletter Song ohne jeglichen instrumentalen Einfluss.

Besonders bei einem so kurzen Ausflug von sechs Songs, trotz Unterhaltungsfaktor, immer noch sehr schade. Aber für den Rest darf man wieder qualitativ und technisch einwandfreie Kreativität erwarten.
Sie kamen, sahen und bewiesen, dass sie immer noch den Platz für aggressive und ausschweifende Sounds halten können.

Video

Trackliste

01 Behind The Doors
02 Philistine Philosophies
03 Under The Weeping Moon
04 Tokyo Lights
05 Walking Shadows
06 Days Are Dreamed

Details

SikTh – Homepage
SikTh – Facebook
SikTh – Twitter

Label: Peaceville Records
Vö-Termin: 22.01.2016
Spielzeit: 27:42

Copyright Cover: Peaceville Records



Über den Autor

Christopher