Review

Nicht allzu oft verirrt sich die Neue Deutsche Welle in die Musik deutscher Rockbands. Die Rechtschreibakrobaten Sie kamen Australien (ja, das Wortspiel ist aufgefallen) lassen jedenfalls eine Menge des prägnanten Elektropop aus den 80ern in ihre Songs einfließen.

Dabei wird all die akustische Nostalgie vom Indie-Charme ummantelt, während ein gewisser Anteil Punk das Album „Peter ist der Wolf“ energetisch abrundet. Man könnte auch sagen, dass sich das Trio von diversen Verfechtern der Neuen Deutschen Welle – inklusive der catchigen und manchmal knarzigen Synthie-Klänge – inspirieren lassen hat.

Zu Recht kann man „Peter ist der Wolf“ bescheinigen, dass hier mal etwas Neues aus den Lautsprechern schallt. Der Song „Die Basis unseres Systems“ mit seinen übergreifenden Stilen und der rockigen Attitüde ist nur das einleitende Beispiel dafür, dass sich die Jungs auf ihrer Platte äußerst flexibel zeigen. „Ewiges Geben und Nehmen“ hat wiederum bezüglich seiner elektronischen Exzentrik und monotonen Hook etwas von einer moderneren Version der Band Kraftwerk.

Das Schlusslicht „Wenn ich Du wär“ erinnert aufgrund des abgehackten Gesangstils an einen Falco Song. Zwar geben hier auch mal die harten Gitarren den Ton an, das wirkliche Highlight ist jedoch der Refrain. Das ist es eben, was „Peter ist der Wolf“ so ausmacht. Das ständige Überraschungsmoment, bei dem man als Hörer nie genau weiß, was einen als nächstes erwartet. Allein der Titeltrack „Peter ist der Wolf“ besticht durch seine Lounge-Elektronik über dezentem Gitarren- und Basseinsatz.

Der Song „Eigentlich für dich“, seines Zeichens elektronische Ballade, schreit hingegen nach viel mehr Indie-Einfluss. Abgesehen von dem einen oder anderen melodischen Highlight, schiebt sich das Ganze nur so voran. Ab da fällt auf, dass der Grat zwischen Tribut und Innovation doch recht schmal ausfällt. Oft erkennt man als Hörer viele musikalische Elemente wieder, auf denen sich Sie kamen Australien dann ausruhen und sie nicht weiter mit einer eigenen Note verzieren. Besonders durch den synthetischen Sound hat man regelmäßig den „Aha, das kenne ich doch irgendwoher“-Gedanken. Auch lyrisch schwankt man zwischen kurzen, witzigen Textzeilen und emotionaler Pseudo-Tiefe.

Sie kamen Australien (Copyright: Sie kamen Australien)

Sie kamen Australien (Copyright: Sie kamen Australien)

Aber warum ist das schlecht? So ein wenig Nostalgie dank des Retrofaktors ist doch eigentlich nie verkehrt? Generell stimmt das und es trägt zur unumstrittenen Zugänglichkeit des Albums sowie einer erhöhten Gefahr an Ohrwürmern bei. Dennoch beweist die Band zwischendurch, dass sie durch eigene, modernere Elemente die eigentliche Deutsche Welle zu überholen imstande sind. Immer noch catchy, aber trotzdem zeitgemäß. „Highway No. 1“ verbindet beispielsweise Punk mit eben diesen spacigen Tönen und mit viel Energie.

Versteift man sich allerdings nicht allzu sehr auf diese Faktoren, bleibt am Ende ein Album, das auch auf Dauer immer noch Unterhaltung bringt. Durch kreatives Arrangement und variierendes Auftreten klingt kein Song wie der andere. Hinzu kommt, dass jeder Titel auf „Peter ist der Wolf“ bereits nach dem ersten Durchlauf hängen bleibt. Eine Platte, die Spaß macht, weil sie einfach etwas Neues bietet.

Video

Trackliste

01 Die Basis unseres Systems
02 Ewiges Geben und Nehmen
03 Du bist der Superstar
04 Highway No. 1
05 Der Ruf der Ruinierten
06 Eigentlich für dich
07 Peter ist der Wolf
08 Komfort kommt vor Kollision
09 Gib mir deine Kraft
10 Wenn ich Du wär

Details

Sie kamen Australien – Homepage
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Label: BrillJant / Indigo
Vö-Termin: 26.02.2016
Spielzeit: 37:03

Copyright Cover: BrillJiant



Über den Autor

Christopher