Review

„State Of Desolation“ lautet der Titel des Debütalbums von der Band Shotgun Justice, die auf ihrem Cover zahlreiche Knarren zückt und laut Songtiteln, zehn an der Zahl, scheinbar für reichlich Zunder im Gewand traditionellen Old School Heavy Metals sorgen möchte.
Statt für eine „Proclamation Of War“, wie der Opener verspricht, steht „State Of Desolation“ jedoch eher für einen geflüsterten Hilferuf. Ein erhofftes Metal-Feuerwerk mit Retro-Charme bleibt aus, einzig ein kleiner Funke glüht stellenweise auf, doch nicht einmal jener will so richtig auf den Hörer überspringen.

Warum ist das so? Immerhin bringen Shotgun Justice verschiedene zusätzliche Stilelemente in ihre Musik mit ein, die sich dadurch weder zu starr auf Altbekanntes oder allzu Eingeschränktes konzentriert, und der es deshalb noch an Abwechslung mangeln sollte. Trotzdem geht diese Vielschichtigkeit bei der Mehrheit der Songs verloren; oder wie „Blessed With Fire“ und „Nemesis (A Global Killer)“ zeigen, komplett nach hinten los, denn während man diese Titel mit Frauengesang auf Nightwish-eske Klänge drillt, sticht man – nicht unbedingt auf positive Art und Weise – zwar mit jenen Titeln aus der recht monotonen Abfolge des Albums heraus, wirkt gleichzeitig aber mehr nach gewollt anstatt gekonnt. Im musikalischen Kontext des Silberlings will die female fronted Variante einfach nicht zünden und scheint gänzlich deplatziert.

Es ist allerdings nicht so, dass Shotgun Justice ihr Handwerk nicht grundsätzlich verstehen würden, auch wenn sie sich auf „State Of Desolation“ nicht gerade von einer innovativen Seite präsentieren, ist die Instrumentierung doch zumeist wenig mutig, beinahe schon uninspiriert. Es liegt also nicht am mangelnden Können der Band. Vielmehr und vor allem krankt das Album an seiner fehlenden Durchschlagskraft.

Shotgun Justice (Copyright: Shotgun Justice)

Shotgun Justice (Copyright: Shotgun Justice)

Müsste man den Höreindruck auf ein Wort reduzieren, wäre „leidenschaftslos“ wohl die erste Wahl, denn alles scheint hier Arbeit, K(r)ampf und Pflicht anstatt Freude oder gar Kür zu sein. Dies spiegelt sich sowohl im laschen und schlechten Sound als auch im oftmals disharmonischen und gelangweilten Gesang wider. Wenn dann das Tempo noch zurückgeschraubt oder sich auf reine Instrumentalstücke wie „The Scales Of Justice“ konzentriert wird, sind besagte Titel nicht weit davon entfernt, zu einschläfernd zu wirken.

Hätte man hier nicht am falschen Ende gespart, nämlich an der Produktion, würde wenigstens ein entscheidender Kritikpunkt ausbleiben und bei einigen sicherlich ein ausschlaggebendes Kaufargument vorhanden sein. So aber muss man lediglich mit wenigen Lichtblicken, die sich besonders im melodischen Sektor bemerkbar machen, vorliebnehmen und mit der Erkenntnis leben, dass eindeutig mehr in der Band steckt, als „State Of Desolation“ zeigt.

Video

Tracklist

01 Proclamation Of War
02 Blood For Blood
03 Blessed With Fire
04 Nothing Left To Fear
05 Nemesis (A Global Killer)
06 The Scales Of Justice
07 Head Full Of Bullets
08 Forsaken
09 Harvest The Storm
10 State Of Desolation

Details

Shotgun Justice – Homepage
Shotgun Justice – Facebook
Shotgun Justice – Twitter

Label: Kernkraftritter Records / Al!ve
Vö-Termin: 08.01.2016
Spielzeit: 52:28

Copright Cover: Kernkraftritter Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde