Review

Manche Menschen haben so viele musikalische Talente, dass sie gar nicht wissen, wohin damit. So auch Frank Garcia, der dieses Jahr seine Soloplatte „Keep Your Hands Low“ an den Start bringt. Der einsame Wolf nennt sich selbst Sheik Anorak und lebt seinen experimentellen Rockstil mit selbst eingespielten Gitarren und Schlagzeug aus.

Dabei werden die acht Songs auf diesem Album mit oder ohne Gesang geschmückt. Der Fokus liegt deutlich auf dem Sound. Sheik Anoraks Stimme ist zwar nicht schlecht, aber auch wenig eindrucksvoll. Kann man sich eben gut anhören, ohne dass sich die Fußnägel aufrollen. Stellenweise hat aber auch dieser seine Momente.

Was die Drums angeht, bilden diese wohl das Highlight der Platte. Man merkt wirklich, wie sich hier vollkommen ausgelassen wurde. Sie sind groovig und die berühmten Drumrolls sorgen für eine Menge akustische Unterhaltung. Was Gitarre und Bass angeht, entstehen hier gemischte Eindrücke. Die Akkorde sind weniger spektakulär als die eigentlichen Leadriffs. Besonders dieses abgehackte Riff in „Blood…“ und das im darauf folgenden „…and what we’ve left behind“ bleiben am Ende deutlich hängen.

„Keep Your Hands Low“ beginnt mit dem gleichnamigen Song sogar recht vielversprechend. Hat ein wenig Indie in sich mit treibenden Rhythmen und guter Hook. Hinzu kommen noch die rockigen Passagen. Interessant bleibt es auch noch mit eben erwähnten „Blood“ und „…and what we’ve left behind“, die mit einem Noise-Teil verbunden sind. Aber ab da tut sich die große Schwäche der Platte auf.

Es fehlt nämlich an einem Konzept, an dem man sich als Hörer entlanghangeln kann. Auf „Keep Your Hands Low“ will man zu viele Ideen und Reize auf einmal verarbeiten, dass es sich auf Dauer wie eine Aneinanderreihung verschiedener Genres nach Schema F anhört. Auch dieser Wechsel zwischen mit Gesang unterlegten und durchgehend instrumentalen Songs ist nicht immer gelungen. Ohne Stimme fehlt es, bis auf das Schlagzeug, oft an Abwechslung, da die Klänge zu apathisch klingen, als dass sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Sheik Anorak (Copyrigh: Hazam Modoff)

Sheik Anorak (Copyrigh: Hazam Modoff)

Außerdem kommen Songs wie „Tomorrow never knows“ ziemlich taktlos daher. Die Gitarre und sogar der Gesang kommen dem Schlagzeug oft gar nicht hinterher. Und so wirkt es, als würde man einer Free Jazz Jam Session zuhören. Zudem wird das eigene Genre als „Noise is sexy“ beschrieben. Ja, mag sein, aber nicht, wenn der Noise die Gesamtatmosphäre der Platte in eine komplett entgegengesetzte Richtung lenkt.

„Keep Your Hands Low“ fing so begeisternd an, mit smoothen Songs, die ins Ohr gehen und netten Melodien. Aber nach einer halben Stunde verliert man als Hörer leider schnell das Interesse. Man hätte sich mehr auf eine Sache konzentrieren und der Platte einen gewissen Flow verleihen sollen. Sehr schade, da in Sheik Anorak eine Menge Potenzial steckt, das nicht vollkommen ausgenutzt wurde. Was bringen eine Menge Effektpedale für die Gitarre, wenn es sich am Ende wie ein Gemisch aus den verschiedensten Geräuschen anhört. Dennoch gibt es bestimmt durchaus Hörer, die mit „Keep Your Hands Low“ mehr anfangen können, aber generell ist es kein Muss, sich dem zu widmen.

Trackliste

01 Keep Your Hands Low
02 The Summit
03 Blood…
04 …and what we’ve left behind
05 Suck In There
06 MLMS
07 Tomorrow Never Knows
08 Outro

Details

Sheik Anorak – Homepage
Sheik Anorak – Facebook

Label: Atypeek Music
Vö-Termin: 00.02.2015
Spielzeit: 31:29

Copyright Cover: Atypeek Music



Über den Autor

Christopher