Review

2012 traten Shadow Reborn mit dem Song „Lust Prey“ ins Scheinwerferlicht, 2015 legen sie mit der EP „Intricacies“ nach. Ansprechen möchte man mit den darauf befindlichen sechs Tracks Dark bzw. Gothic Rock Fans, die sich für Bands wie The 69 Eyes, H.I.M. oder Type O Negative erwärmen können.

Ihre Vision, „barocken“ Deathrock abzuliefern, insofern, als dass er an klassischen Vampirmotiven im Stile von Anne Rice-Romanen festhält, verfolgen Shadow Reborn dabei sowohl optisch als auch inhaltlich. Wie sich das Ganze jedoch musikalisch anhört, nehmen wir im Folgenden unter die Lupe.

Eine EP mit sechs Titeln – das klingt schon mal solide und lässt vermuten, dass der Hörer einen ausreichenden Eindruck des aktuellen Schaffens von Shadow Reborn erhält. Wenn man davon jedoch die sehr leise aufgenommene, geheimen Botschaften gleichende Einleitung „Connaissance“, welche ob der Kürze beinahe schon verpasst werden kann, sodass sie eher geringfügig dem Aufbau der Atmosphäre dient, und das als Zwischenstück in der Mitte des Silberlings platzierte „Descendence“ getrost streichen könnte, bleiben nur noch vier „richtige“ Songs. Und jene überzeugen lediglich mäßig.

Shadow Reborn geben auf „Intricacies“ ihre ganz eigene Interpretation vom Dark/Gothic Rock zum Besten. Doch hoffen wir, dass dies nicht schon das „Beste“ ist, was die Band aus Fort Lauderdale, Florida zustande bringt, denn ihre EP weiß nur stellenweise zu begeistern.
In Bezug auf Interpretationen gibt es natürlich kein klares Richtig oder Falsch, sie gehen aber dennoch mit einer gewissen Erwartungshaltung einher, insbesondere dann, wenn oben genannte Bands als Parallelen und Einflüsse genannt werden.

Tatsächlich hört man die Melancholie einer Band wie The 69 Eyes oder Type O Negative auch sporadisch heraus, vor allem durch den Gesang, weit entfernt sind die vier Musiker von Shadow Reborn jedoch von deren Hitdichte und ihrer Melodiestärke. Somit befindet sich kein einziger richtiger Ohrwurm auf „Intricacies“. Nicht schlimm, wenn die Songs dafür mit anderen Stärken brillieren würden, doch leider dominieren zu häufig wirre, chaotische Songstrukturen, die den Eindruck erwecken, als spiele man zwei Songs derselben Band parallel ab.

„Radiance“ ist so ein Beispiel. Nach einem guten Beginn, der zügig gothrockige Gitarren erklingen lässt, läuft der Hörer an schlechten Tagen Gefahr, durch die bunt durcheinander gewürfelten Tempo- und Rhythmuswechsel Kopfschmerzen zu bekommen. Phasenweise gleichen genau diese Parts mehr einem unstrukturierten Krach als einem eigentlichen Song. Selbst die schön eingearbeiteten Klaviereinsprengsel am Ende des Titels lenken den Hörer nicht ausreichend davon ab.

Shadow Reborn (Copyright: Shadow Reborn)

Shadow Reborn (Copyright: Shadow Reborn)

Nichtsdestotrotz blitzen immer mal wieder klare Strukturen in den Songs hervor, die den Zuhörer versöhnlicher stimmen. Diesbezüglicher Anspieltipp und Highlight der EP ist „The Purge“.
Wären Shadow Reborn verstärkt bei diesen „Klarheiten“ geblieben, hätte die Band – sowohl was Produktion als auch handwerkliches Geschick angeht – würdig in die Fußstapfen von genannten Gothic Rock Vorreitern treten können.

„Intricacies“ ist aufgrund der genannten Kritikpunkte allerdings bis dato ein Album, das durch die außergewöhnlichen Songaufbauten durchaus Wiedererkennungswert und Alleinstellungsmerkmale besitzt, gleichzeitig aber die üblichen aus dem Genre bekannten Hörgewohnheiten auf die Probe stellen wird. Definitiv braucht man mehrere Durchgänge, um Zugang zu dem eigentlich melodischen und eingängigen Stil zu finden.

Video

Tracklist

01 Connaissance
02 Radiance
03 Breeze of Dawn
04 Descendence
05 Beyond Darkness
06 The Purge

Details

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Label: Danse Macabre Records
Vö-Termin: 13.03.2015
Spielzeit: 24:11

Copyright Cover: Danse Macabre Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde