Review

Die norwegischen Prog-Rock-Jazzer Seven Impale machen auf ihrem Debütalbum „City Of The Sun“ nicht einfach nur Musik, sie machen Kunst – und dies gerne auch mal in nur einem Song über 14 Minuten lang.

Diese stolze Spielzeit weist beispielsweise der Rausschmeißer des Albums, „God Left Us For A Black-Dressed Woman“, auf.
Weil mich der Name des Tracks derart neugierig gemacht hat, denn auf eine ausführliche Erklärung und musikalische Umsetzung der im Titel implizierten Feststellung war ich sehr gespannt, beginne ich sogleich ganz unorthodox mit dem letzten Track des Albums.

Wie man schon vermuten kann, nehmen sich Seven Impale in diesem Lied viel Zeit, um über das „Geschehnis“ „God Left Us For A Black-Dressed Woman“ zu berichten. Gleichzeitig weist der Titel alles Können auf, was die Band zu bieten hat, denn das markante Saxofon als zusätzliches Element (und wie es aussieht als Markenzeichen der Band) kommt hier ebenso zur Geltung wie das smooth-chillige Drumming oder die akzentuiert gespielten Gitarren.
Alle instrumentalen Beigaben vermengt man im Laufe des Songs zu einem immer dichter werdenden Sound, zu dem sich schließlich, aber nach geraumer Zeit erst, der Gesang hinzugesellt. Dieser passt sich dem Tempo des Tracks an und bleibt sehr ruhig und entspannt. Fast schon hypnotisch nimmt die warme Stimme den Hörer gefangen und lädt zum intensiven Lauschen ein.
Es kommt zu keinem Zeitpunkt Hektik auf, auch wenn die Geschwindigkeit innerhalb von „God Left Us For A Black-Dressed Woman“ hin und wieder zunimmt. Die Elemente, die am Rhythmus, an der Melodie oder am Tempo Veränderungen hervorrufen, wobei es teils auch mal sehr disharmonisch zugeht, bringen Abwechslung und sorgen für einen interessanten Songaufbau.

Doch nicht nur „God Left Us For A Black-Dressed Woman“, sondern jeder einzelne der insgesamt „nur“ fünf Songs spiegelt das Talent der Musiker von Seven Impale wider.
Und so wechseln sich in den restlichen Titeln ruhige, unaufgeregte Sequenzen, die von langen reinen Instrumentalpassagen getragen werden, mit experimentierfreudigen Parts ab. Dabei setzen Seven Impale selten auf eingängige Melodien. Man sollte also Zeit mitbringen und ein Fanherz für progressiven Rock und Jazz gleichermaßen besitzen, denn diese beiden Genres verknüpft das Sextett auf „City Of The Sun“ konsequent miteinander. Dabei orientiert sich die Band den Rock-Anteil betreffend an old schooligen Spielarten, die jedoch modern produziert wurden, während sich der Jazz-Einfluss hauptsächlich durch das Saxofon (gerne auch mal in Soli) bemerkbar macht, aber auch im Songaufbau zu erkennen ist.

Seven Impale (Copyright: Magnus Skrede)

Seven Impale (Copyright: Magnus Skrede)

In den komplexen und vertrackten Songs spielen Seven Impale mit hörbaren Gegensätzen. Warme Töne stehen an anderer Stelle im Titel kalten gegenüber. Schrille, disharmonische Klänge lösen weiche, sanfte und harmonische ab. Repetitive Saxofonlinien wie etwa in „Eschaton Horo“ bilden einen Kontrast zu ausbrechenden, scheinbar keinem System folgenden Songpassagen.
Bei all dieser Verspieltheit und Vielschichtigkeit verlieren Seven Impale jedoch nicht ihren eigenen erdachten roten Faden, der sich ab und zu – sowie bei genauem Hinhören – auch dem Hörer offenbart.

Von der Anzahl der Tracks sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn obwohl nur fünf Titel auf „City Of The Sun“ platziert wurden, kommen diese insgesamt auf eine Spielzeit eines herkömmlichen Albums.

Wie eingangs schon erwähnt, ist „City Of The Sun“ mehr als nur Musik; es ist Kunst. Nun ist Kunst ja immer auch eine Frage des Geschmacks, nicht umsonst setzte sich der Ausspruch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ durch. Gleichzeitig lässt Kunst den Interessierten sehr viel Raum für eigene Interpretationen und Betrachtungsweisen.
Dies alles trifft auch auf „City Of The Sun“ zu, denn Seven Impale veröffentlichen damit kein einfaches Album. Hier heißt es, genau zuhören, sich Zeit nehmen und am besten die Kopfhörer aus dem Schrank geholt. Andernfalls wird man mit dem Debüt der Norweger nicht warm werden. Daher ist der Silberling auch ausschließlich jenen zu empfehlen, die mit genannten Stilrichtungen etwas anfangen können, denn Progressive-Rock- und Jazzliebhaber – am besten in Kombination! – sollte man definitiv sein, um Gefallen an „City Of The Sun“ zu finden. Bringt man diese Voraussetzungen allerdings mit, so belohnen Seven Impale einen mit komplexen, ungewöhnlichen und vielschichtigen Songs fern der bekannten Prog-Rock-Pfade.

Tracklist

01 Oh, My Gravity!
02 Windshears
03 Eschaton Horo
04 Extraction
05 God Left Us For A Black-Dressed Woman

Details

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Label: Karisma Records / Soulfood
Vö-Termin: 19.09.2014
Spielzeit: 45:38

Copyright Cover: Karisma Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde