Review

Auch mit dem fünften Album „Codex Atlanticus“ wollen Serenity mit Bombast, Sinfonik und der nötigen Portion Metal den Thron ihres Genres erklimmen. Symphonic Metal steht also abermals auf dem Programm und nicht weniger liefern die Mannen um Mastermind Georg Neuhauser mit ihren elf Titeln ab.

Bereits das Intro und gleichzeitig der Titeltrack „Codex Atlanticus“ baut durch soundtrackartige Arrangements eine dichte, mystische Atmosphäre auf, um die Hörer im Folgenden inhaltlich mit Leonardo Da Vinci nähere Bekanntschaft schließen zu lassen. Steigert sich hier schon die Intensität, steht dem auch Folgesong „Follow Me“ in nichts nach. Melodieorientiert entwickelt sich die Strophe des Songs, zu dem bereits ein Musikvideo veröffentlicht wurde, hin zum Refrain, der durch seine poppige Note das nötige Ohrwurmpotenzial mitbringt.

Spätestens jetzt dürfte jedem Fan des Genres klar sein, mit wem man es hier zu tun hat, denn Sänger Neuhauser besitzt durch seine deutliche Artikulation und der gesanglichen Versiertheit einen Wiedererkennungswert, der Serenity als Urheber von „Codex Atlanticus“ umgehend erkennen lässt. Zwar wirkt sein Gesang stellenweise sehr „technisch“, doch auf Emotionen und Wärme muss, wenn sie nötig sind, dennoch nicht verzichtet werden.

Von poppigen Nuancen hin zu metallischeren Klängen führen Serenity ihre Hörer mit „Sprouts of Terror“, indem dem Track gleich zu Beginn harte Gitarren verpasst werden. Ebenso geht man gesanglich phasenweise aggressiver vor. Die orchestralen Zugaben erscheinen von Anfang an sehr vordergründig, während immer wieder ein hohes Maß an Doublebass den Ton angibt. Lediglich die Bridge bringt durch das etwas reduziertere Tempo ein wenig „Ruhe“ in den Song, wodurch man Eintönigkeit im doch recht schnellen Titel vermeidet. Auch ein kurzes, aber gutes Gitarrensolo lockert „Sprouts of Terror“ weiter auf. Ein vorwärts preschender Song, der aber mit 5:25 Minuten lange anhält und abwechslungsreiche Parts parathält.

Nicht nur nach den bisher erwähnten Tracks und mit Folgesong „Iniquity“ zeigen Serenity, wie facettenreich sie ihre Songeinstiege gestalten können; auf Albumlänge brilliert die Band immer wieder mit unterschiedlichen Eröffnungen. Mal ein gitarrenlastiges Intro, mal ein Opening mit Gesang, an anderer Stelle leiten sinfonische Elemente das musikalische Geschehen ein. „Iniquity“, aber mehr noch „Reason“ lassen darüber hinaus zudem Background-Chöre nicht missen, die vor allem die Balladenstrukturen des letztgenannten Titels verdichten.

Eine Ballade, beruhend auf gefühlvoller Klavierbegleitung, schließt sich außerdem mit „My final Chapter“ an, ehe es in „Caught in a Myth“ abermals „heavier“ zugeht. Drums bauen hier gelungen Spannung auf, das Tempo sowie die Härte nehmen schnell zu, nur der Gesang bricht das Ganze dann wieder gekonnt ein wenig runter.

Das schön melodische „Fate of Light“ erweckt schließlich noch den Eindruck, dass Serenity auch mit wenig Mitteln große Wirkung erzielen können. Obwohl es nicht an Tempo-, Tonhöhen-, Melodie- und Rhythmuswechseln mangelt, wirkt der Song sehr schlicht, weiß aber gerade dadurch zu überzeugen.

Mit „Spirit in the Flesh“ hat es letztlich noch den Anschein, es mit einem Duett zu tun zu haben, da variierender Gesang im Zentrum des Titels steht.

Serenity (Copyright: Manuel Mair)

Serenity (Copyright: Manuel Mair)

Trotz all dieser positiven Eindrücke zögert man jedoch, die Höchstpunktzahl vergeben zu wollen, denn nach dem ersten Hördurchlauf scheinen Dauerbrenner wie „Legacy of Tudors“ zu fehlen bzw. aufgrund des nicht ausgereizten Potenzials der entsprechenden Titel zu rar gesät zu sein, während sich einige Tracks erst nach mehrmaligem Konsum so wirklich in die Gehörgänge fräsen. Bei einer Newcomerband drückt man diesbezüglich schon mal eher ein Auge zu, doch im Falle von Serenity wären noch markantere Hooks, Highlights setzende Breaks oder Songs mit dominanteren, aufpeppenden Einsprengseln eigentlich zu erwarten gewesen. So führt erst ein mehrmaliges Hören zum gewünschten Ziel. Dann aber begeistert „Codex Atlanticus“ mehr und mehr mit seinen Stärken, allen voran die gekonnte Umsetzung der Trademarks des Genres und Neuhausers Stimme.

Da verzeiht man Serenity auch gerne den Meat Loaf-Abklatsch „The perfect Woman“, der in allen Belangen den Ergüssen des US-amerikanischen Fleischlops gerecht wird, indem musical-artig arrangiert, Frauengesang integriert und insgesamt zu wenig eigenständig agiert wird. Zwar sticht „The perfect Woman“ auf jeden Fall auf „Codex Atlanticus“ heraus, doch ob positiv oder negativ ist hier dem persönlichen Geschmack des Hörers überlassen. Eine Ausnahme im ansonsten epischen Hörerlebnis.

Video

Tracklist

01 Codex Atlanticus
02 Follow Me
03 Sprouts of Terror
04 Iniquity
05 Reason
06 My final Chapter
07 Caught in a Myth
08 Fate of Light
09 The perfect Woman
10 Spirit in the Flesh
11 The Order

Details

Serenity – Homepage
Serenity – Facebook

Label: Napalm Records
Vö-Termin: 29.01.2016
Spielzeit: 52:18

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde