Review

Die Finnen haben Bands wie Uniklubi, die Norweger Seigmen – und das schon seit 1989.
Nach einer Bilanz von sieben Alben in sechs Jahren und einer 18 Jahre dauernden Pause, in denen einige Bandmitglieder unter dem Namen Zeromancer, hierzulande weitaus bekannter als Seigmen, mit jenen musikalisch aber nur äußerst bedingt vergleichbar, aktiv waren, melden sich die fünf Mannen nun mit ihrem melancholischen Pop-Rock zurück.
„Enola“ heißt das Album, das ein musikalisches Lebenszeichen von Seigmen gibt, und darauf enthalten sind insgesamt zehn Songs.

In ihnen nehmen sich Seigmen viel Zeit, um Atmosphäre aufzubauen und abwechslungsreiche Songarrangements wie ambiente Strukturen und dichte Synthis unterzubringen. Das spiegeln dann auch die Spielzeiten vieler Tracks wider, die sich über fünf, sechs oder auch sieben Minuten erstrecken.

Schon der Opener „Hva vi Elsker“ zieht den Hörer gekonnt in seinen Bann. Ein Anspieltipp und Song, der auf der gesamten Länge vom Können der Band überzeugt und Assoziationen zu den eingangs erwähnten Uniklubi rechtfertigt. Der weitere Verlauf des Albums „Enola“ zeigt allerdings, dass Seigmen weitaus ruhiger, besonnener und weniger rockig daherkommen als ihre finnischen Kollegen. Zudem setzen Seigmen verstärkt auf Stimmung und komplexere Strukturen als auf eingängige Melodien, was für den Hörfluss nicht immer förderlich ist.

Zwar erschweren die norwegischen Lyrics auf „Enola“ darüber hinaus einen tiefergehenden Zugang zum Material von Seigmen, sodass für deutsche Hörer ohne Norwegischkenntnisse die Musik zum alleinigen Sprachrohr wird. Umso wichtiger, dass diese das fehlende inhaltliche Verstehen kompensiert. Und das tut die Mehrheit der Songs auf „Enola“.
Nichtsdestotrotz passt die norwegische Sprache hervorragend zum Sound der Band und auch der gefühlvolle Gesang lässt die Sprachbarriere verblassen.

Seigmen (Copyright: Seigmen)

Seigmen (Copyright: Seigmen)

In dieser Hinsicht wissen die meisten Tracks zu gefallen; „Ten Alle Lys“ hingegen ist ein Beispiel dafür, dass die Musik zugunsten des Gesangs mehr in den Hintergrund hätte gerückt werden können, was letztlich die emotionale Ebene verstärkt hätte.

Dass sich ferner nicht alle Songs auf „Enola“ zum Nebenbeihören eignen, beweisen jene Titel, in denen die Instrumentierung dominiert, während die Stimme nur als zusätzlicher Akzent zum Einsatz gebracht wird. Das ist zum einen – angesichts der angenehmen Stimm- und Klangfarbe – bedauerlich, zum anderen – sofern instrumental sehr reduziert zu Werke gegangen wird – oftmals ein wenig langweilig.

Gesamt gesehen ist Seigmen mit „Enola“ jedoch ein empfehlenswertes Album gelungen, das sich jene Hörer näher anhören sollten, die sowohl auf der Suche nach Musik fern des Mainstreams sind als auch melancholisch angehauchte Pop-Rock-Songs zu ihrem Repertoire zählen, und für die eine Fremdsprache kein Hindernis darstellt.

Tracklist

01 Hva vi Elsker
02 Trøst
03 Forevig og Alltid
04 Utopia i Mine Armer
05 Til Verdens Ende
06 Tenn Alle Lys
07 Deus
08 Monokrom
09 I Mitt Hus
10 Hvit Stjerne Hvit Støy

Details

Seigmen – Homepage
Seigmen – Facebook
Seigmen – Twitter

Label: Indie Recordings / Soulfood
Vö-Termin: 15.04.2015
Spielzeit: 51:54

Copyright Cover: Indie Recordings



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde