Review

Die Band Seer aus Vancouver hat etwas Animalisches und zugleich Mysteriöses an sich und ihrer Musik. Zu hören gab es dies bereits auf den beiden Erzeugnissen „Vol. 1“ und „Vol. 2“. Jene bringen Seer nun zusammen auf einer Scheibe heraus, mit der ihre musikalischen Eskapaden im Bereich des Doom, Stoner und schmutzigem Sludge in voller Gänze genossen werden können.

Mit den ersten beiden Songs macht „Vol. 1“ den Anfang und es steht fest: Haben die Hörer ein Faible für Atmosphäre und gleichzeitig zerschmetternde Härte, dann sind Seer auf jeden Fall die richtige Wahl, denn die Jungs können beides. Sie kombinieren auf ihrer Platte schweren Doom mit den groovigen Rhythmen des Stoner. Außerdem geht das Konzept der Finsternis durchweg auf, da der gesamte Sound einen kalten Eindruck macht.

Mit „Glimmervoid“ zeigen Seer zudem sofort, dass sie mehr können, als nur die Saiteninstrumente und Snare auf den Hörer einwirken zu lassen. Unter anderem gibt es hier einen Mundharmonika-Part, der sich perfekt in die schweren Passagen des Titels einfügt. Und auch der Gesang kann sich hören lassen. Kräftig und melodisch kommt er daher und variiert zwischendurch sogar die Stile.

„Hive Mind“ gestaltet sich im Vergleich zu „Glimmervoid“ etwas melodischer, aber nicht weniger hart.
Die Vocals erreichen hier ihren Höhepunkt, besonders durch die darin enthaltene Epik. Es ist jedoch so, dass der Gesang oft in den Hintergrund rückt, da die restlichen Instrumente eine Menge Platz einnehmen. Dazu kommt noch die übliche verzerrte Produktion und schon verlieren Seer hier oft einen starken Teil ihrer Musik.

Die folgenden vier Songs repräsentieren „Vol. 2“. Eingeleitet wird dieser Abschnitt durch „Cosmic Ghost“ und seinen akustischen Einlagen, die schon fast an Viking- oder Folk-Metal erinnern. Generell ist dieser Song sehr gut konstruiert, bringt dezente Atmosphäre und agiert fernab der aggressiveren Töne.

Seer (Copyright: Seer)

Seer (Copyright: Seer)

Ab diesem Punkt lassen Seer jedoch bezüglich Variation und Abwechslung stark nach. Tatsächlich ist der vorhergegangene Teil des Albums deutlich stärker als Songs wie „Haunter“ oder „Antibody“. Diese tröpfeln in gleicher Manier vor sich hin und bieten im Vergleich zu den ersten beiden Titeln keine neuen Überraschungen. Auch stilistisch orientiert man sich hier lieber an dem klassischen Doom- bzw. Stoner-Prinzip.
Hier und da gibt es zwar auch ein paar nennenswerte Momente, aber insgesamt wissen nur ein paar Songs zu überzeugen. Schade, dass man sich nicht weiter in Richtung „Glimmervoid“ oder „Hive Mind“ orientiert hat.

Im Großen und Ganzen liefern Seer aber dennoch genau das ab, was man von der Thematik des Albums erwartet. Die Messlatte wurde nur zu Beginn so hoch gesetzt, dass die zweite Hälfte damit nicht mithalten kann. Liebhaber dürfen sich jedoch davon nicht abschrecken lassen, da es an allen Ecken und Enden regelmäßig kracht.

Video

Trackliste

01 Glimmervoid
02 Hive Mind
03 Cosmic Ghost
04 Haunter
05 Antibody
06 Aeons

Details

Seer – Facebook

Label: Art Of Propaganda
Vö-Termin: 22.01.2016
Spielzeit: 38:08

Copyright Cover: Art Of Propaganda



Über den Autor

Christopher