Review

Sobald die dreißig Sekunden des Grind-Vertreters „Die Galerie zerstörter Seelen“ mit melodischer Riffgewalt durchgelaufen sind, kann man auf die restlichen Songs von „Mahnmal“ nur gespannt sein, zumal Schlachtung! nicht nur für Grindcore, sondern auch für Black und Death Metal Platz in ihren elf Titeln finden.

Mit „Durch die Augen der Schönheit“ schiebt die Band aber erst noch ein kurzes Hackbrett hinterher, bevor es dann tiefer in die Materie geht. Aber eins ist jetzt schon sicher: An Abwechslung mangelt es dem Album des Quartetts aus Paderborn nicht. Regelmäßig fließen brachiale und eingängige Rhythmen ineinander über. So werden dem Zuhörer an einer Ecke die Trommelfelle zusammengeschlagen, während man in anderen Hinterhöfen des Albums in die dunkle Atmosphäre abtauchen kann.

Es ist vor allem die Art, wie Schlachtung! die Hörer zu überraschen wissen, die überzeugt. Sobald die Saiteninstrumente ihre letzten Salven in „Verblendung“ abgegeben haben, wartet „Ohne Würde“ mit einer überschaubaren, aber dennoch düsteren Melodie auf die Hörer.
Am besten erkennt man das Ineinanderfließen der Genres in „Eli, Eli, Lama Sabachtani“ und „…und Mammon lacht“. Besonders „…und Mammon lacht“ bringt den Zwiespalt aus schnellen Passagen und misanthropischen Melodien über schweren Drums zum Ausdruck. Dabei werden diese beiden „Stile“ innerhalb des Songs streng voneinander getrennt.

Auch gesanglich kann man sich auf viele verschiedene Muster gefasst machen. Sowohl tiefes als auch höheres Gebrüll dominieren einzeln die Titel, teilen sich aber des Öfteren eine Tonspur, während Schlachtung! alles andere als monoton die Texte von sich geben – wie „Am Abgrund“ beweist, in dem die Akzente auf etwas rhythmischeren Gesang gelegt werden, auch wenn dieser dabei alles andere als nach klarem Verstand klingt.

Leider lassen Schlachtung! immer mal wieder nach, wenn es darum geht, die Strukturen voneinander abzuheben. Oft verkehrt man diesbezüglich einfach nach dem Hau-drauf-Prinzip. Im Grunde natürlich von geneigten Zuhörern genau so gewollt, allerdings zeigt die Band, dass sie sich auch die eine oder andere catchige Passage aus dem Ärmel schütteln kann; erstaunlicherweise immer in den grindlastigen Songs, in denen sowieso kaum Zeit für große Experimente bleibt.

Schlachtung! (Copyright: Schlachtung!)

Schlachtung! (Copyright: Schlachtung!)

Erwartet man dann nach dem wohl für sich selbst sprechenden Titel „Gott ist abwesend“ als Abschluss einen alles abrundenden Track, bringt „269 / Aletheia“ als Outro leider nicht den Durchbruch. Hauptsächlich sehr einseitig und viel zu eintönig gehalten beenden Schlachtung! ihr Album.

Diese Kritik kann „Mahnmal“ aber durchaus verkraften, da der überwiegende Teil der Platte auf ganzer Linie überzeugen kann. Die Riffs gehen gut ins Ohr, die Band macht sich um eine abwechslungsreiche Gestaltung der Songs Gedanken und hinter allem steckt eine ordentliche Energie. Insbesondere die verschiedenen Einflüsse hinterlassen hier ein Bild der Zerstörung und des Verfalls, genau so wie man es am liebsten hat.

Video

Trackliste

01 Die Galerie zerstörter Seelen
02 Durch die Augen der Schönheit
03 Eli, Eli, Lama Sabachtani
04 Verblendung
05 Ohne Würde
06 …und Mammon lacht
07  Am Abgrund
08 Das Gift alter Fackeln
09 Das letzte Gebet
10 Gott ist abwesend
11 269/ Aletheia

Details

Schlachtung! – Facebook

Label: Serpentes Records / Cargo Records
Vö-Termin: 27.05.2016
Spielzeit: 24:01

Copyright Cover: Serpentes Records



Über den Autor

Christopher