Review

Mit ihrem elften Studioalbum „Knüppel aus dem Sack“ entführen uns Schandmaul einmal mehr in eine Welt voller fantastischer Geschichten.

Für zwei Tracks konnten darüber hinaus Gastkünstler gewonnen werden: Saltatio Mortis und Ben Metzner liefern sich beim Titel „Königsgarde“ ein Gesangsbattle und Fiddler’s Green bringen einen Touch Irish Folk Rock bei „Glück auf!“ mit ein.

Die Tracks

Spielkunst vergangener Tage trifft auf hämmernde Moderne und verwebt sich spätestens im impulsiven Refrain mit Ohrwurm-Charakter zur unschlagbaren Symbiose, wie nur Schandmaul sie kreieren können.

So wird der Opener „Knüppel aus dem Sack“ beschrieben, der von einem fetten Gitarrensolo eingeleitet wird. Dieses sowie die weitere musikalische Begleitung, ein Mix aus fettem Rock-Sound und lieblichen Mittelalterklängen, laden prompt zum Headbangen ein.

Das Schlagen von Pferdehufe, Geschrei und sich kreuzende Klingen sind u.a. im Intro von „Königsgarde“ (feat. Saltatio Mortis und Ben Metzner) zu hören und versetzen einen akustisch quasi direkt an einen königlichen Hof. Die Strophen werden jeweils im Wechsel von Thomas, Alea und Ben gesungen. Im Refrain hört man dann den mehrstimmigen Gesang der drei Sänger, die den Titel zu einer Art Hymne erheben. Dieser Hymnen-Charakter ist auch der Instrumentierung geschuldet.

Flöte, Gitarre und Geige werden in den Strophen von „Das Gerücht“ partiell und fast schon minimalistisch eingesetzt. Frech und keck begleiten sie die Erzählungen. In den instrumentalen Zwischenparts und den Refrains lädt die Melodie zum Tanzen ein. Mehrstimmiger Gesang und eine volle umfangreiche Instrumentierung prägen den Refrain.

Bei der ersten Strophe von „Der Pfeifer“, welche zeitgleich als Intro fungiert, spielt die Trommel einen eingängigen Rhythmus, der zum Klatschen und Stampfen animiert. In der zweiten Strophe nimmt die Instrumentierung zu. Der Song wird dadurch voluminöser.

Beim Titel „Tatzelwurm“ wird die Geschichte des zum Tode verurteilten Mörders Heinrich von Winkelried erzählt, dem die Freiheit geschenkt wird, um den ungeheuerlichen Tatzelwurm zu besiegen. Die Strophen werden zunächst nur mit Trommel und Drehleier begleitet. In den Zwischenparts bauen die Instrumente durch ihre abwärts gespielten Läufe eine gewisse Spannung auf.

Im Intro von „Der Flug“ wartet man mit der vollen Instrumentierung auf. Dabei sticht der Dudelsack aber besonders heraus. In den Strophen spielen nur Bass, Drums und Akustikgitarre. Beim instrumentalen Zwischenpart spielt der Dudelsack eine tragende Rolle und verströmt eine gewisse Tragik.

Nachdem Thomas Lindner – begleitet von einer fröhlichen, beschwingten Melodie – seine magischen Waren als „Quacksalber“ angepriesen hat, wird es in „Luft und Liebe“ zunächst etwas chaotisch, indem eine Drehorgel-Melodie, die von einem Grammophon abgespielt wird, durch völlig schräg gespielte und mit falschem Takt einsetzende Instrumente wie Flöte und Schlagzeug komplettiert wird. Das alles mündet schließlich in einem ordentlichen Intro sowie in einem mit schnellen Tempo gespielten Refrain, der zum Mitsingen anregt.

Bei „Glück auf!“ bringen Fiddler’s Green – wie bereits erwähnt – ihre Prise Irish Folk Rock mit ein. Der Track ist dadurch extrem vorantreibend und das Akkordeon gibt der Instrumentierung noch einen besonderen Touch. Man wird feststellen, dass es durchaus gut klingt, wenn Ralf Albers mal auf Deutsch singt. Beim Instrumentalpart kann man das Tanzbein schwingen, um dann im Anschluss aus voller Brust den Text „Glück auf, Maul zu!“ mitzugrölen.

Schandmaul (Copyright: Heilemania)

Nur mit Basedrum und Gitarre wird „Irgendwann“ eingeleitet. Der Text erzählt von der Zeit vor der Pandemie und dass die Band sich darauf freut, die Fans endlich wiederzusehen. Entsprechend vorantreibend geht es hier zu. Zudem darf hier natürlich auch ein Part nicht fehlen, der mit mehrstimmigem Gesang dazu prädestiniert ist, um ihn bei einem Livekonzert mitzugrölen.

Nach dem tragisch-schönen Track „Niamh“ hat die Band noch zwei Bonustracks mit auf die Scheibe gepackt:
„Der elfseitige Würfel“ wird mit mittelalterlichen, mystischen Klängen eingeleitet. Textlich etwas langweilig, plätschert der Song auch musikalisch eher nur so vor sich hin. Insgesamt ruhig und langsam folgt auch der zweite Bonustrack, „Long John Silver“, sodass das Album eher gemütlich ausklingt.

Fazit

Frontmann Thomas Lindner entpuppt sich wieder einmal als vorzüglicher Geschichtenerzähler, der die Hörer:innen mit seiner warmen, tiefen Erzählstimme in seinen Bann zieht. Es ist so, als lese er aus einem großen Märchenbuch vor. Er führt uns von der alpenländischen Sage über den Tatzelwurm, über die Geschichte vom Mönch, der fliegen wollte, bis hin zum Märchen vom „Knüppel aus dem Sack“. Die Instrumentierung ist eine Mischung aus märchenhaften mittelalterlichen Klängen und handfestem Rocksound, welcher zum Headbangen einlädt. Einfach märchenhaft!


Schandmaul – Knüppel aus dem Sack

Video

Tracklist

01 Knüppel aus dem Sack
02 Königsgarde (feat. Saltatio Mortis, Ben Metzner)
03 Das Gerücht
04 Der Pfeifer
05 Tatzelwurm
06 Der Flug
07 Der Quacksalber
08 Luft und Liebe
09 Glück auf! (feat. Fiddler’s Green)
10 Irgendwann
11 Niamh
12 Der elfseitige Würfel (Bonustrack)
13 Long John Silver (Bonustrack)

Details

Homepage | Facebook | Twitter

Label: Napalm Records / Universal Music
VÖ-Termin: 10.06.2022
Spielzeit: 49:33

Copyright Cover: Napalm Records / Universal Music



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem