Review

Nachdem Schandmaul mit ihren letzten Alben den Gold-Status erreicht haben, sind die Erwartungshaltungen an das neue Album „Artus“ dementsprechend hoch. Der Vorgänger „Leuchtfeuer“ ist inzwischen auch schon drei Jahre alt und die Fans mussten eine gefühlte Ewigkeit auf die neue Scheibe warten.

Jetzt ist sie da – und inhaltlich lassen Titel und Tracklist bereits erahnen, dass es auf „Artus“ märchen- und sagenhaft zugehen wird. Mit einer Fülle an Material kommt die dem Review zugrunde liegende limitierte Spezial Edition des neuen Werks daher, die zwei CDs umfasst. Neben zwölf Songs auf der ersten CD, darunter die Vertonung der Artus-Trilogie, in der die Band ihrem Helden Artus Platz einräumt, liegt die Bonus-CD „Camelot“ bei, die jene Artus-Trilogie in orchestralem Gewand präsentiert.

Ein neues Klanguniversum

Musikalisch beschreibt Sänger Thomas Lindner das Album wie folgt:

Musikalisch bekommt der Zuhörer grundsätzlich das, was er von uns erwartet, nämlich „Schandmaul“ […] Das heißt: handgemachten Rock, der mit folkigen und mittelalterlichen Klangfarben unterschiedlichster Couleur versehen ist.

Es gibt Dudelsäcke, allerlei Flöten, Drehleier und Geigen und vieles mehr zu hören. Des Weiteren bereitet es uns allerdings auch eine diebische Freude, unseren Horizont in Sachen Instrumentierung stetig zu erweitern. So lassen sich auch neue Saiten-, Blas-, Tasten- und Schlaginstrumente wie Cister, Laute, Oboe, Spinett und viele andere mehr auf unserem neuen Album entdecken.

Unser Klanguniversum expandiert.

Die Songs

Nun wollen wir uns in das neue Klanguniversum begeben.

Mit dem Opener „Der Meisterdieb“ laden Schandmaul zu einer Reise in vergangene Zeiten ein. Zunächst steht im Vorspiel der Dudelsack stark im Vordergrund. Dieser nimmt sich jedoch in der Strophe zurück, um dem anschließend dominierenden Bass Platz zu machen. Die Gitarre ist hingegen zurückhaltender. Nichtsdestotrotz baut der Melodieverlauf gekonnt eine gewisse Spannung auf. Im Refrain wird dann das volle Instrumentarium aufgefahren. So hat der Dudelsack in den Zwischenspielen seinen festen Platz. Frontmann Thomas versteht sich aufs Beste als Geschichtenerzähler und so wartet man gespannt darauf, was als nächstes passieren wird.

Bei „Vagabunden“ dominieren in der Einleitung sowie im Refrain Drehleier und Akustikgitarre. In den Strophen ist der Bass als herausragendes Instrument erneut zu hören. So kommt der Gesang von Thomas dank der minimalen Instrumentierung gut zur Geltung.

Lustig und beschwingt ertönt sodann „Der Totengräber“. Dies ist wohl dem neckischen Flötenspiel geschuldet. Die Streicher bilden mit fast schon traurigen Klängen das passende Pendant dazu. Im zweiten Teil des Refrains wird richtig gerockt. Hier gesellt sich zu Flöte und Streichern die E-Gitarre dazu.

Flöte und Gitarre leiten auch den Song „Froschkönig“ ein. In den Strophen wird die Instrumentierung zurückgefahren und es sind nur Violine und Akustikgitarre zu hören. Der Song lädt vor allem im Refrain zum Tanzen ein.

Mit „Der Kapitän“ schließt sich ein trauriger Song an. Die Instrumentierung in den Strophen ist ruhig und die Violine verleiht dem Ganzen eine gewisse Tragik. Im Refrain gibt es ein kurzes Aufbäumen durch Schlagzeug und Gitarre.

Wie aus einem fernen Land klingt „Auf und davon“. Eine Cister und Bongos verleihen diesem Track den orientalischen Sound. Der Song wirkt etwas ruhiger als die vorherigen Titel – trotz des fast schon rockigen Sounds. Musikalisch wie auch textlich klingt der Song nach einem Neuanfang.

Ein Song, der nicht so ganz in das restliche Schema passt, ist „Die Oboe“. Dieser wartet gleich zu Beginn mit Rock-Sound auf. Die dabei erzeugte Härte wird plötzlich durch liebliche Geigenklänge abgelöst, was zu einer friedlichen und beruhigenden Stimmung führt. Der Friede währt jedoch nicht lange. So gibt es im Folgenden ein Wechselspiel zwischen Rocksound und lieblichen Klängen. Einen Refrain im klassischen Sinne gibt es bei diesem Song allerdings nicht.

Auch in „Der weiße Wal“ schafft es die Band, Weltliteratur in einen Song zu verpacken. Der Titel erzählt die Geschichte von Moby Dick. Mit Flöte und Akustikgitarre wird der Text untermalt. Sowohl vom Tempo als auch von der Instrumentierung her ist der Song ruhig.

„Chevaliers“ ist ebenfalls etwas ruhiger. Mit Sackpfeife und Drehleier wird das Lied eingeleitet. Hinzu kommen Schlagzeug und Gitarre. Es handelt sich um ein rein instrumentales Stück, bei dem jedes Instrument zum Einsatz kommt und die Band ihr spielerisches Können unter Beweis stellt. Dieser passt musikalisch zudem zu den restlichen instrumentalen Stücken auf der CD „Camelot“.

Eigener Block: Die >Artus-Trilogie<

Schandmaul (Copyright: Universal Music)

Einen eigenen Block auf dem Album bilden die drei Songs, die die Artus-Sage behandeln:

Eine erzählerische Einleitung bietet Thomas beim Song „Die Tafelrunde“. In den Strophen werden ausschließlich mittelalterliche Instrumente eingesetzt. Im Refrain kommen dann Schlagzeug und Gitarre dazu.

„Der Gral“ wird von Flöte, Gitarre und Schlagzeug begleitet. Die Instrumentierung ist hier eher zurückhaltend, um dem Gesang Raum zu lassen.

Lieblich und ein wenig mystisch wird „Die Insel – Ynys Yr Afallon“ instrumentiert. Thomas muss hier ganze Arbeit leisten, um den reichlich vorhandenen Text in der Strophe unterzubringen. Man muss sich daher ein wenig anstrengen, um mit dem Text mitzukommen.

Bonus-CD: >Camelot<

Auf der zweiten CD werden die Tracks „Die Tafelrunde“, „Der Gral“ und „Die Insel – Ynys Yr Afallon“ mit einem fulminant klingenden Orchester vertont. Es handelt sich bei allen drei Tracks um rein instrumentale Stücke und man könnte diese auch als Titeltracks für epische Filme verwenden. Die Band ehrt mit diesen Stücken ihren Helden Artus. Entsprechend fallen alle drei Tracks sehr ergreifend aus.

Fazit

Schandmaul haben mit ihrem aktuellen Album ein Meisterwerk geschaffen, welches sich bestimmt zum Fan-Liebling entwickeln wird. Sowohl musikalisch als auch textlich wird der Hörer in eine andere Welt mitgenommen. Die Band hat es geschafft, Mythen und Sagen perfekt zu vertonen und in ein neues Gewand zu kleiden.

Preview

Video

Tracklist

CD 01
01 Der Meisterdieb
02 Der Totengräber
03 Vagabunden
04 Froschkönig
05 Auf und davon
06 Der Kapitän
07 Die Oboe
08 Chevaliers
09 Die Tafelrunde
10 Der Gral
11 Die Insel – Ynys Yr Afallon
12 Der weiße Wal

CD 02 – Camelot
(Die Artus-Trilogie in orchestralem Gewand)
01 Die Tafelrunde
02 Der Gral
03 Die Insel–Ynys Yr Afallon

Details

Schandmaul – Homepage | Schandmaul – Facebook | Schandmaul – Twitter

Label: Universal Music
VÖ-Termin: 03.05.2019
Spielzeit: 50:48 + 24:23

Copyright Cover: Universal Music



Über den Autor

Selina
Selina
Carpe Noctem