Review

Scarnival machen seit 2012 Musik und verfolgen dabei den Drang, skandinavischen Metal nach Deutschland zu holen. Die Hannoveraner zeigen auf ihrem Album „The Art Of Suffering“, wie das Trademark im eigenen Land klingt. Ebenfalls kann die Band schon viele gute Konzerte verbuchen, darunter mit Arch Enemy, Debauchery, Rage oder Vader. Beachtlich, die Band hat die Zeit genutzt und ist auf dem Vormarsch.
Großer Pluspunkt: Björn Strid von Soilwork ist auf „The Art Of Suffering“ zu hören. Reicht das allein, um sich einen Namen am internationalen Metal zu machen?

Mit der Kunst des Leidens wird begonnen. Worte werden geflüstert und eine Akustikgitarre spielt leise ein paar Töne. Viel passiert zunächst nicht, aber das kommt nach spätestens 31 Sekunden anders, als man denkt. In feinster Soilwork-Manier pflügen sich die Jungs durch den Song. Schnelle Skankbeats treffen auf Leads à la The Black Dahlia Murder – alles in Verbindung mit rockigem Gesang und Gesamtsound. Der Song kann was und ist ein perfekter Opener für die Scheibe.

Wo der Gesang noch punkten kann, flachen die Screams und Growls jedoch gewaltig ab. Fies klingen sie, doch wirklich kraftvoll und klar kann man sie nicht erwarten. Es überwiegt eher das Verwaschene und Reingebrabbel. Schade, denn das Gesamtbild der Band ist eigentlich positiv, allen voran die modernen Elemente wie Breakdowns oder metalcoreartiges Riffing. Spaß machen auch die gelegentlichen rockigen Einflüsse, die gerade live richtig bocken dürften.

In Songs wie „God Given“ lassen Scarnival ihre Muskeln spielen, denn guten Death Metal können sie auch. Das Schlagzeug hämmert, wenn auch etwas überproduziert. Manchmal ist weniger doch mehr. Dem Nacken schadet es dennoch nicht, denn hier finden sich ein paar ordentliche Ohrwürmer wie „Losing Identity“. Stellenweise fühlt man sich an Arch Enemy sowie an ganz alten Neaera Metal erinnert. Ja, die haben auch mal eher Melo Death gemacht.

Gerade die Brecher und langsamen Parts überzeugen die Hörer und sorgen für gute Laune.

Der absolute Hammer ist dann natürlich die Kollaboration mit Björn von Soilwork. Hier gibt es 100% Soilwork auf die Ohren, doch immer noch im Scarnival-Gewand. Björn ist einfach so charismatisch und gut klingend, dass der Song sofort zündet. Aber auch ohne ihn ist es eines der stärksten Stücke auf dem Album. Das Zusammenspiel zwischen Drum und den Gitarren ist so eingängig, dass der Gesang fast in den Hintergrund gerät.

Scarnival (Copyright: Scarnival)

Scarnival (Copyright: Scarnival)

Positiv ist festzuhalten: Knapp 50 Minuten lang gibt es voll auf die Mütze. Scarnival machen ordentlich Druck und bleiben dabei schön eingängig.
Viele Songs oder Passagen ähneln sich allerdings. So kommt es doch mal vor, dass man nur zu seinen Lieblingssongs skippt und so den Blick für das komplette Werk verliert.

Fazit: Scarnival wissen zu gefallen. Sie haben mit „The Art Of Suffering“ eine moderne Melodic Death Metal Platte mit viel Liebe zum Modernen geschaffen.
Arrangements und Gesamtsound sind auf einem guten Niveau.
Lasst mal noch ein paar Jahre ins Land gehen, dann sind Scarnival bald Headliner von Debauchery und nicht umgekehrt.

Video

Trackliste

01 The Art Of Suffering
02 God Given
03 The Easy Solution
04 Hindsight
05 Losing Identity
06 Watch Me
07 The Hunt
08 Rewind
09 Pathetic
10 Eternal Salvation
11 One Morning Left
12 Lies

Details

Scarnival – Homepage
Scarnival – Facebook

Label: Kernkraftritter Records
Vö-Termin: 07.08.2015
Spielzeit: 49:27

Copyright Cover: Kernkraftritter Records



Über den Autor

Marcus
Marcus