Review

Die Band Scarlet Anger aus Luxemburg nimmt ihre Spielart, Thrash Metal, auf dem aktuellen Album „Freak Show“ wörtlich: Es wird an instrumentaler Front gedrischt und geprügelt, dass es kein Morgen für das Quintett zu geben scheint. Das schnelle, genretypische hohe Tempo ist dabei natürlich ebenfalls ein Muss. Und so brechen die zehn Songs ihrer „Freak Show“ direkt und unvermittelt über die Hörer hinein, selbst wenn des Öfteren der Songeinstieg mit melodischen Intros praktiziert wird.

Insgesamt gelingt Scarlet Anger die Mixtur aus Melodie und aggressiver Härte bei steter Schnelligkeit sehr gut; nicht zuletzt sorgt Jens Bogrens Mastering für den letzten Schliff, der diese Mischung druckvoll in Szene setzt.
Dabei orientiert sich Scarlet Angers „Freak Show“ hörbar an der alten Schule, ohne zu altbacken auf die Hörer zu wirken.

Allerdings will das Konzept des Albums, das sich Comics und Horrorgeschichten der 80er und 90er Jahre als Inspirationsquelle ausgesucht hat, nicht so ganz ersichtlich werden. Obwohl teilweise düstere Töne das Geschehen dominieren und auch gesanglich sehr rau und roh am Gutturalen gekratzt wird, stellt sich erst in den letzten beiden Songs „The Unbelievable Story Of A Stupid Boy“ und „Deadly Red Riding Hood“ eine entsprechende Atmosphäre ein, die diesem Ansatz gerecht wird. Zuvor beschränkt man sich auf die thrashmetallische Breitseite, die dafür jedoch sehr energisch vorgetragen wird. Vor allem die Gitarrensoli können hier in Sachen abwechslungsreicher Extras punkten, anders als das oftmals zwar präzise, aber eher solide und bewährte Riffing innerhalb der Songs, dem ein wenig mehr Innovation hier und da nicht geschadet hätte.

Scarlet Anger (Copyright: Scarlet Anger)

Scarlet Anger (Copyright: Scarlet Anger)

Mit Hinzukommen von Gangshouts und Backing Vocals wie beispielsweise in „Welcome To The Freak Show“ gelingt es Scarlet Anger, selbst die längeren Stücke des Albums auf ihrer Gesamtspielzeit interessant und spannend zu halten, während zusätzliche Dynamik ebenfalls die Folge ist. Der Leadgesang bleibt aber von jeglichem Facettenreichtum unberührt, sodass dies betreffend nicht mit viel Abwechslung gerechnet werden darf. Eine Ausnahme bildet in diesem Zusammenhang erneut das bereits erwähnte „The Unbelievable Story Of A Stupid Boy“, in dem Klargesangspassagen beweisen, dass hier noch deutlich mehr geht, um nicht vollkommen im gesanglichen Gleichklang zu münden.

„Freak Show“ heißt das Album von Scarlet Anger, doch eine solche liefert die Band nicht ab. Gut zum einen, da sich im Thrash Metal gelungen ausgetobt wird, schlecht insofern, dass das Konzept dahinter ein wenig auf der Strecke bleibt. Freunde des Genres tangiert dies eher weniger und jene werden daher auch mit dem Endergebnis sehr zufrieden sein.

Tracklist

01 Awakening Of The Elder God
02 Attack Of The Insidious Invader
03 The Haunted Place-House Of Lost Souls
04 Welcome To The Freak Show
05 The Abominable Master Gruesome
06 Through The Eyes Of The Sufferer
07 The Thing Without A Name
08 On The Road To Salvation
09 The Unbelievable Story Of A Stupid Boy
10 Deadly Red Riding Hood

Details

Scarlet Anger – Homepage
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Label: Hänsel & Gretel / MIG
Vö-Termin: 18.03.2016
Spielzeit: 49:42

Copyright Cover: MIG



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde