Review

Beschränkt auf eine Saz (eine türkische Gitarre), elektronische Drums und psychedelische Synthis – so tritt Sathönay mit seiner EP „Gaziosmanpasa“, dessen Namen man sich auf der Zunge zergehen lassen muss, auf.
Der komplette Sound geht wie zu erwarten in eine stark experimentelle Richtung, die doch einen poppigen Eindruck erwecken möchte.

Die vier Songs fallen sofort mit einem sehr orientalischen Touch auf, geschaffen durch erwähnte Saz. Sogar in verzerrter Form unterstreicht dies den exotischen Charakter von „Gaziosmanpasa“ zunehmend.
Darüber hinaus bietet die EP ein paar interessante Ansätze. „Reach Out“ profitiert von einem starken elektronisch beeinflussten Anfang und geht danach verstärkt in „Bauchtanz-Musik“ über. Im Titeltrack „Gaziosmanpasa“ kommen zudem einige harmonische Riffs zustande.

Allerdings werden diese netten Ideen viel zu oft wiederholt und verlieren dadurch an Besonderheit. Ein gutes Beispiel dafür ist „Hey Ma, I’m Your Dad“, in dem die ersten vier Minuten mit Geklimper über einem Sample als Intro echt gut gekommen wären, aber hier viel zu sehr in die Länge gezogen wurden. Einfach das Sample auf den Punkt schneiden und die Atmosphäre wirken lassen. Danach bleibt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Drums eintreten, kaum noch etwas Nennenswertes vom Titel übrig.

Stimmlich wird dem Hörer auch etwas geboten, allerdings hält sich die Begeisterung erneut in Grenzen. Grundsätzlich kein schlechtes Organ, aber das dauerhafte Langziehen von Wörtern bzw. Geleier wird dann doch zunehmend anstrengend, zumal sich die EP selbst stark ausweitet.

Ohne Gesang kommt hingegen „Aventure 3“ aus, welcher den experimentellsten Teil zur Platte beisteuert. Hier wurden die Elektronik und die psychedelische Gitarre schon fast einwandfrei zusammengebracht. Leider fehlt es abermals – wie so oft – an einem gewissen Höhepunkt, der den Sound vollends zünden lässt.

Sathönay (Copyright: Sathönay)

Sathönay (Copyright: Sathönay)

Man erahnt die Intentionen von „Gaziosmanpasa“, da der Sound gleichermaßen anders, aber auch zugänglich klingen möchte. Leider hapert es an der Umsetzung. Die Songs sind hauptsächlich viel zu sehr in die Länge gezogen, als dass man den Fokus auf ein gewisses Maß legt. Die Musik geht am Hörer vorbei und fesselt nicht wirklich an das Geschehen.

Sathönay bringt die Einflüsse aus dem Orient über atmosphärische Synthis oft gut rüber, verläuft sich dann aber in uninteressanten Strukturen. Keine übermäßig schlechte EP und es gibt sicherlich Leute, die dem mehr abgewinnen können. Daher ein gut gemeinter Rat: Vorher reinhören und dann entscheiden.
Für Sathönay gilt es, gute Ansätze zukünftig auszuarbeiten, ein wenig mehr auf Zugänglichkeit der Songs zu achten und die Instrumente weniger abgedroschen klingen zu lassen, dann ist der Künstler auf einem guten Weg zu einem soliden und vor allem interessanteren Sound.

Video

Trackliste

01 Reach Out
02 Gaziosmanpasa
03 Hey Ma, I´m Your Dad
04 Aventure 3

Details

Sathönay – Homepage
Sathönay – Facebook

Label: Atypeek Music
Vö-Termin: 30.04.2015
Spielzeit: 28:09

Copyright Cover: Atypeek Music



Über den Autor

Christopher