Review

Bei den momentan unzumutbaren heißen Temperaturen kann man sich zur Entlastung ruhig mal etwas Besinnlicheres gönnen. Vorschlag dazu „O Camiño das Mans Valeiras“ der akustischen Folk-Formatierung Sangre de Muerdago. Aber anstatt wilder, südländischer Musik werden hier ruhigere Klänge angeschlagen.

Angeschlagen werden auch die Saiten der Gitarren, die den Hauptteil des Sounds beisteuern. Dazu gesellen sich Blas- und Streichinstrumente. Sangre de Muerdago lassen ihre Musik durch die gleitenden Arrangements der Instrumente an vielen Punkten schon fast märchenhaft und unwirklich erscheinen. Immer wieder gibt es zudem Titel, die ohne Gesang auskommen.

Dieser erklingt in Form einer männlichen und einer weiblichen Stimme. Besonders im Duett kommen die beiden Organe gut zur Geltung, da beide akustisch eine solide Basis bieten. Viel experimentiert wird hier nicht, alles andere wäre bei diesem Album fehl am Platz gewesen. Die Instrumente stehen nun mal deutlich im Vordergrund. Allerdings bewirkt der Gesang für den Zuhörer die gewisse Zugänglichkeit, die bei einer solch immensen Flut an musikalischen Reizen auch benötigt wird.

Das Fingerpicking der Gitarren gestaltet sich ebenfalls äußerst dezent und drängt sich nie allzu sehr ins Rampenlicht. Die Band erschafft sich mehr Raum mit den Geigen, die den typischen melancholischen Klang erzeugen. Um den Folk-Faktor dann noch mal in eine mehr nördliche Richtung zu treiben, setzen an bestimmten Stellen für die Melodie die Flöten ein. Das Ganze zergeht einem übrigens auf den Gehörgängen. Der Sound drängt sich dem Hörer nicht so stark auf, sondern scheint ihn schon fast zu betören. Aber immer noch mit genug Distanz, sodass die Strukturen weich ineinander übergehen.

„O Camiño das Mans Valeiras“ richtet sich ausschließlich an die Liebhaber des Folk. Wer Geschwindigkeit oder Genre übergreifende Überraschungen erwartet, ist hier falsch. Jenen, die solcher Musik nicht abgeneigt sind, wird das spanische Flair der Platte durchaus zusagen. Genauso wie die Handhabung an Gitarre und Stimme. Die Band nimmt sich so viel Zeit, wie sie benötigt, ihre Musik an den Mann bzw. die Frau zu bringen.

Sangre de Muerdago überzeugen in jeder Hinsicht mit ihrer Atmosphäre. Diese scheint sich mit jedem Song in die nächste Hemisphäre zu begeben, während die Band selbst fortlaufend ihrem Ziel entgegensteuert. Zuweilen weist die Platte einen sehr monotonen Charakter auf, da sie in den eigenen Klängen abdriftet und sich eine Menge wiederholt. Und wie erwähnt, ist das Album ausschließlich für Freunde des Folk sowie Anhänger der Band eine Erfüllung.

Musikalisch ein einwandfreier Sound, der einem mit „O Camiño das Mans Valeiras“ geboten wird. Wer Musik bevorzugt, in die man sich hauptsächlich nur hineinfallen lassen kann, ist hier an der richtigen Stelle.

Anspieltipps:
O Conxuro / De Terra e Madeira / Noites de Treboada e Ollos Abertos / Xordas

Trackliste

01 De Terra e Madeira
02 Xordas
03 O Camiño das Mans Valeiras
04 Mensaxeiros do Pasado
05 De Musgo e Pedra
06 O Conxuro
07 Noites de Treboada e Ollos Abertos
08 Voar máis Aló das Montañas

Details

Sangre de Muerdago – Facebook

Label: SickManGettingSick Records
Vö-Termin: 21.07.2015
Spielzeit: 44:01

Copyright Cover: SickManGettingSick Records



Über den Autor

Christopher