Review

Die Geschichte der amerikanischen Metal Band Sanctuary geht in das Jahr 1985 zurück und ist mit einigen Höhen und Tiefen verbunden.
So trennte man sich 1991, gründete ein Jahr später Nevermore und kündigte 2010 eine geplante Sanctuary-Reunion an.

An dieser kann der interessierte Hörer nun partizipieren, denn Sanctuary veröffentlichen ihr „Comeback“-Album. Und dieses nehme ich mir mal ganz unvoreingenommen und ohne wertend auf die vergangenen Werke der Band zu schielen, vor, schließlich sind Jahre vergangen, man hat sich (weiter)entwickelt und so betrachte ich die CD vorrangig mal als Neustart.

„The Year The Sun Died“ heißt der elf Songs umfassende Rundling, der mit Ausnahme von Sean Blosl an der Gitarre (für ihn springt Brad Hull ein) in Originalbesetzung eingespielt wurde.

Diese Tatsache und die Top-Form, in der sich Sanctuary auf „The Year The Sun Died“ präsentieren, sollten das Fan-Herz höher schlagen lassen.
Die Instrumentalfront zeigt gleich im Intro zum Opener „Arise And Purify“, dass sie ihr Handwerk noch verstehen. Dazu gibt es King Diamond-artige Kopfstimmpassagen im Background des Refrains. Das Ganze verpackt in einen satten, druckvollen Sound, der alle Instrumente und den Gesang ausgewogen nebeneinanderstellt. Ruppig und mit einer leicht aggressiven Note prügelte man „Arise And Purify“ ein, der dadurch einlädt, die Lautsprecher ‚gen Anschlag zu drehen.

Die Stimmung betreffend bleibt es auch im folgenden Song „Let The Serpent Follow Me“ laut, heavy und metallisch. Allerdings integrieren Sanctuary hier immer mal wieder Parts, die das Tempo, die Härte und die Aggressivität etwas drosseln. Gerade diese dicht arrangierten Sequenzen erzeugen eine großartige Atmosphäre, die dem Titel – ebenso wie die knappen Gitarrenintermezzi – gut steht.

Hatte man bis jetzt schon viel Spaß, wird es auch mit dem anschließenden Titel „Exitium (Anthem Of The Living)“ nicht minder interessant.
Durch die tragenden, schleppenden Drums, der recht düsteren Stimmung, die in diesem Lied vorherrscht, sowie der melodischen Seite von „Exitium (Anthmen Of The Living)“ fühlt man sich des Öfteren an ältere Amorphis (ungefähr zu „Elegy“-Zeiten) erinnert. Durchbrochen wird dieses Grundgerüst wiederkehrend von flotteren Metal-Riffs, die den Song nicht stören, sondern bereichern.

In „Question Existence Fading“ kombinieren Sanctuary auf ein Neues ihre Härte (in den Strophen) mit eingängigem, warmem Refraingesang. Gitarrensoli und gesangliche Variationen bringen Abwechslung in den Titel.

Mit „I Am Low“ präsentiert das Quintett ihre sanfte Seite. Lethargisch eröffnet sich der Song, in dem Sänger Warrel Dane die meiste Zeit weder krächzt, noch wütend klingt und auch auf Falsetteinlagen nahezu verzichtet. Vielmehr vernimmt der Hörer – einer Ballade entsprechend – gefühlvollen, klaren Gesang, der in diesem Song insbesondere unter Kopfhörern richtig zu berühren weiß.

Die Kopfhörer sollte man aber für „Frozen“ wieder abnehmen, denn mit schnell gespielten Drums und Gitarren kracht der Titel – abermals merkbar „grimmiger“ – aus den Boxen.

Sanctuary (Copyright: Patrick Haeberli)

Sanctuary (Copyright: Patrick Haeberli)

„Ad Vitam Aeternam“ ist für viele womöglich nur ein Lückenfüller, einige werden darin aber eine gelungene instrumentale Vorbereitung für den darauf folgenden Titeltrack sehen. Dieser ist für Käufer der „herkömmlichen“ CD gleichzeitig der Rausschmiss aus dem Album. Dafür hält er aber noch einmal alles parat, was Sanctuary 2014 zu bieten haben. Dies wird bestimmt nicht jedem gleich gut gefallen; Fans der Band werden sich stets dabei erwischen, wie sie „The Year The Sun Died“ mit älteren Veröffentlichungen oder auch aktuellen Genre-Scheiben vergleichen und feststellen, dass man daran nicht mit jedem Song gleichermaßen anknüpfen kann. Lässt man sich hingegen auf das Wechselspiel von Härte, Gefühl und dunkler Atmosphäre ein, dann kann man nur begeistert sein.

Besitzer der Limited Mediabook Edition können sich übrigens zusätzlich an der Coverversion des The Doors Songs „Waiting for the Sun“ erfreuen, der als Bonustrack das Album in der Mediabook-Variante abschließt.

Sanctuary sind zurück und lassen den Hörer das deutlich mit jedem Song auf „The Year The Sun Died“ spüren. Ihre Mischung aus harten aber melodischen und warmen, gefühlvollen Songs überzeugt und bestätigt, dass es an der Zeit war, die Band wieder aufleben zu lassen. Zeit scheint auch das Stichwort bei Sanctuary gewesen zu sein, denn von kurzlebigen Tracks fehlt auf ihrem neuen Album jede Spur. Vielmehr gesteht die aus Seattle stammende Band den einzelnen Liedern Raum für ihre Entwicklung zu. Es entstehen dadurch interessante Tracks, die selbst nach mehrmaligem Hören nichts an Reiz verlieren. Mehr als großartig und abwechslungsreich obendrein! Für Hörer, die ihre Songs gerne auch mal atmosphärisch mögen.

Tracklist

01 Arise And Purify
02 Let The Serpent Follow Me
03 Exitium (Anthem Of The Living)
04 Questions Existence Fading
05 I Am Low
06 Frozen
07 One Final Day (Sworn To Believe)
08 The World Is Wired
09 The Dying Age
10 Ad Vitam Aeternam
11 The Year The Sun Died

Details

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Label: Century Media
Vö-Termin: 06.10.2014
Spielzeit: 49:52

Copyright Cover: Century Media



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde