Review

Der Erfolg einer Band wird von einigen gerne auch mal mit kommerzieller Ausschlachtung oder dem Weg in die Massenkompatibilität verwechselt. Diesem Fehlurteil werden sich wohl auch die Mittelalterrock-Barden Saltatio Mortis gestellt haben müssen, als ihr letztes Album „Das Schwarze 1×1“ auf Platz 1 der deutschen Albumcharts einstieg. Unbeirrt ging und geht das Oktett jedoch seinen Weg weiter. Und das ist gut so, denn 2015 kommen sie dadurch im „Zirkus Zeitgeist“ an, eine Veröffentlichung, die gewohnt ehrlich und dabei abermals äußerst melodisch das auf den Punkt bringt, was viele sich nicht zu sagen wagen – und damit beste Chancen hat, es dem Vorgängerwerk gleich zu tun.

Saltatio Mortis sind dafür bekannt, dass sie lyrisch kein Blatt vor den Mund nehmen und schonungslos wie wirkungsvoll der Gesellschaft und insbesondere den Obrigkeiten einen Spiegel vorhalten. Ihre Texte kommen jedoch nie besserwisserisch, altklug, belehrend oder allzu ermahnend daher. Vielmehr regen sie zum Nachdenken und sehr oft zum Zustimmen an.
Daran hat sich auch auf dem aktuellen Album nichts geändert, im Gegenteil, gehen Saltatio Mortis mit der Anzahl von insgesamt 14 Tracks zugleich nicht gerade sparsam mit ihren Gedanken und Liedgut um.

Im ausgewogenen Verhältnis präsentieren die Musiker abwechslungsreich angeordnete Balladen und tempolastige Tracks. Und neben all den bewegenden Inhalten kommt natürlich auch die Spielfreude nicht zu kurz.
Dies drückt sich vor allem in der Musik der acht Spielleute aus. Meist temporeich, energetisch nach vorne gespielt und mit ordentlicher Portion Rock schalmeien sich Saltatio Mortis verlässlich eingängig durch das Album „Zirkus Zeitgeist“ und transportieren ihren Spaß an und ihre Leidenschaft zu ihrer Arbeit gut an die Hörer.

Rockig-eingängig oder gefühlvoll in den balladeskeren Titeln holt die Band mit „Zirkus Zeitgeist“ eine breite Hörerschaft ab – und das ist gut so, denn abseits des teils vorhandenen Mittelalter-Klamauks manch anderer Kapellen haben Saltatio Mortis etwas zu sagen, das gehört werden sollte und noch dazu qualitativ hochwertig aus den Boxen schallt.

Zugegeben, der Song „Weihnachtszeit“ kommt dem Hörer seiner Intention gemäß im Hochsommer ebenso befremdlich vor wie die hier besungenen bald in den Supermärkten anzutreffenden Weihnachtssachen. Doch selbst die integrierten Weihnachtsmelodien im treibenden Rockgewand gehen nach erstem Überraschungsmoment ins Ohr.

Saltatio Mortis (Copyright: Saltatio Mortis)

Saltatio Mortis (Copyright: Saltatio Mortis)

Abseits der gesellschaftskritischen Aspekte sorgen u.a. die Balladen „Nachts weinen die Soldaten“ und „Erinnerung“ für traurig-schöne Stimmung.
Getragen werden insbesondere diese emotionalen Titel vorrangig durch die markante und mit viel Wiedererkennungswert gesegneten Stimme von Sänger Alea der Bescheidene. Gänsehaut beim Hörer ist die Folge.
Doch auch auf instrumentaler Ebene baut man die Songs sehr gut auf. So werden beispielsweise moll-durchtränkte Klaviermelodien von dominanten Dudelsäcken abgelöst, die wiederum von prägnantem, schnörkellosem Rock-Riffing (in „Todesengel“ dann auch mal galoppierend) durchbrochen oder ergänzt werden, während das Schlagzeug den gefälligen Rhythmus vorgibt. Die Tracks gewinnen dadurch mehr und mehr an Dichte und Intensität, die unweigerlich vom Hörer wahrgenommen werden.

Alle Titel auf „Zirkus Zeitgeist“ besitzen zudem viel Livepotenzial; Balladen werden zu Lichtermeeren aus Feuerzeugen verleiten, die schnelleren Tracks für Bewegung in den Reihen der Zuschauer sorgen, während die Mehrzahl der Songs durch ihren jeweiligen hymnenhaften Charakter dazu animiert, lauthals mitgesungen zu werden.

Ohrwürmer treffen auf emotionale Momente – mit „Zirkus Zeitgeist“ zeigen sich Saltatio Mortis auf ein Neues von ihrer besten Seite. Zugreifen lohnt sich!

Video

Tracklist

01 Wo sind die Clowns
02 Weihnachtszeit
03 Nachts weinen die Soldaten
04 Des Bänkers neue Kleider
05 Maria
06 Wir sind Papst
07 Augen zu
08 Geradeaus
09 Erinnerung
10 Trinklied
11 Rattenfänger
12 Todesengel
13 Vermessung des Glücks
14 Abschiedsmelodie

Details

Saltatio Mortis – Homepage
Saltatio Mortis – Facebook
Saltatio Mortis – Twitter

Label: Universal Music
Vö-Termin: 14.08.2015
Spielzeit: 54:37

Copyright Cover: Universal Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde