Review

Saltatio Mortis nutzen den Erfolg ihres jüngsten Albums „Zirkus Zeitgeist“ und legen mit dem Doppelalbum „Zirkus Zeitgeist. Ohne Strom und Stecker“ gleich eine Veröffentlichung nach. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich dabei um eine akustische Version des Chartstürmers, von dem sich Saltatio Mortis 13 Titel aussuchten, um jene in ein Akustikgewand zu kleiden.
Damit nicht genug, umfasst „Zirkus Zeitgeist. Ohne Strom und Stecker“ außerdem die Bonus-CD „Fest der Liebe“, mit der man sich ganz der Weihnachtszeit verschreibt.

Akustik und Weihnachten – das passt doch hervorragend zusammen; schwierig wird es nur, wenn die weihnachtliche Stimmung langsam abklingt und der Konsum von „Fest der Liebe“ einfach nicht mehr passend erscheinen will.
Denn da die Bonus-CD „Fest der Liebe“ doch sehr speziell ist, wäre es – entgegen aller Kommerzkritiker – eine Überlegung wert gewesen, jene beispielsweise als EP separat zu veröffentlichen. Denn zum einen ist das Thema (Weihnachten) nicht jedermanns Sache, dazu noch saisonal recht festgelegt, zum anderen besteht kein direkter Bezug zum „ohne Strom und Stecker“-Konzept, da bei den 7 Bonustracks auf ein rein akustisches Gewand verzichtet wurde.

So stößt man neben den Songs „Willkommen in der Weihnachtszeit“, „Maria“ und „Gaudete“, die bereits auf „Zirkus Zeitgeist“ vertreten und vielen damit schon bekannt sind, auf Saltatio Mortis‘ ganz eigene Interpretationen von „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ oder „Alle Jahre wieder“.
Auch das alljährliche Bestreben, dem Weihnachtsdauerbrenner „Last Christmas“ aus dem Weg zu gehen – ein Unterfangen, das sich früher oder später und aufgrund der Penetranz dieses Songs, auf den Radiomoderatoren, Supermärkte und sonstige Beschaller einfach nicht verzichten wollen, als hoffnungsloser Versuch entpuppt – wird zunichtegemacht, denn die Option auf eine Flucht vor „Last Christmas“ verhindern auch Saltatio Mortis, die sich genau diesen Titel als Coverversion für ihre Bonus-„Fest der Liebe“-Weihnachts-CD ausgesucht haben. Sei es drum, tun wir uns das gute Stück also an. Glücklicherweise wird man dann feststellen, dass die Mittelalterrocker hier nicht nur ihre Gitarren ausgepackt, sondern sie ebenso an den Strom angeschlossen haben, denn als temporeiche, rockige Variante wird „Last Christmas“ präsentiert. In dieser Fassung macht der totgespielte Weihnachtstrack schließlich doch wieder ein wenig Spaß.

Saltatio Mortis (Copyright: Saltatio Mortis)

Saltatio Mortis (Copyright: Saltatio Mortis)

Vom Weihnachtsspaß hin zur Akustik: Überraschenderweise wirken insbesondere die emotionalen Titel wie „Nachts weinen die Soldaten“ in akustischer und damit eigentlich „intimerer“ Fassung oftmals beschwingter als im Ursprungszustand. Durch diese subtil mitschwingende Dynamik, erzeugt vor allem durch die Percussions, bleiben Gefühle etwas auf der Strecke. Das kommt unerwartet und ist im ersten Moment ein wenig enttäuschend, Saltatio Mortis verstehen es aber, ihre Hörer zügig in den Sog der einzelnen Titel zu ziehen; und zwar besonders durch mitreißende Percussions, gelegentliche Klaviereinlagen, den Akustikgitarrenklang sowie den Gesang, der in den vorliegenden Versionen noch deutlicher im Vordergrund steht.

Nach „Zirkus Zeitgeist“ hat also auch die „Zirkus Zeitgeist. Ohne Strom und Stecker“-Variante das Potenzial, in Dauerschleife zu laufen, wenngleich sie noch emotionaler hätte ausfallen können und man sich über den Nutzen der „Fest der Liebe“-CD streiten kann.

Video

Tracklist

CD 01
01 Wo sind die Clowns
02 Willkommen in der Weihnachtszeit
03 Nachts weinen die Soldaten
04 Des Bänkers neue Kleider
05 Maria
06 Wir sind Papst
07 Geradeaus
08 Erinnerung
09 Trinklied
10 Rattenfänger
11 Todesengel
12 Vermessung des Glücks
13 Gossenpoet

CD 02 – Fest der Liebe (Bonus CD)
01 Willkommen in der Weihnachtszeit
02 Morgen, Kinder, wird’s nichts geben
03 Alle Jahre wieder
04 Als die Waffen schwiegen
05 Maria
06 Last Christmas
07 Gaudete

Details

Saltatio Mortis – Homepage
Saltatio Mortis – Facebook
Saltatio Mortis – Twitter

Label: Universal Music
Vö-Termin: 27.11.2015
Spielzeit: 44:05 + 22:05

Copyright Cover: Universal Music



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde