Review

1996 gegründet, blicken Saliva nicht nur auf eine lange, sondern vor allem erfolgreiche Bandgeschichte zurück, die neben Platin Auszeichnungen und einer Grammy Nominierung mit „Love, Lies & Therapy“ nun inzwischen das neunte Studioalbum vorzuweisen hat. Und darauf gibt sich die Band aus Memphis rundum abwechslungsreich. Ihre insgesamt elf eigenen Songs (plus Coverversion des Michael Jackson-Hits „They Don’t Care About Us“) zeugen vor allem von Einflüssen aus den Bereichen Alternative Rock/Metal und Nu Metal, während Saliva unter Beweis stellen, dass sie sowohl hart als auch zart können, denn das Quartett bietet seinen Hörern krachende, energetische Nummern und gefühlvolle balladeske Titel im Wechsel an.

Irgendwo zwischen Nickelback und Linkin Park lassen sich die Titel verorten, die darüber hinaus jedoch mit einer gewaltigen Portion Eigenständigkeit auftrumpfen, an der nicht zuletzt Sänger Bobby Amaru schuld ist, der nach der 2014er Scheibe „Rise Up“ das zweite Mal auf einer Saliva-Veröffentlichung glänzt und stimmfarblich zum Sound der Truppe passt wie die berühmte Faust aufs Auge. Kraftvolle Vocals, rap-rockige Passagen, verzerrte Darbietungen, emotionale Momente oder inbrünstige und dezent gutturale Anleihen bewältigt er problemlos und trägt gravierend zum überzeugenden Hörgenuss bei.

Insgesamt lädt „Love, Lies & Therapy“ sowohl zum Aufdrehen der Lautstärke als auch zur Dauerrotation ein. Saliva selbst scheinen sich bereits gleich zu Beginn mit jedem folgenden Titel übertreffen zu wollen. Den Songs ist dabei einiges an Hitpotenzial zu bescheinigen, verursacht vorrangig durch ihre Eingängigkeit und die saubere, druckvolle Produktion. Viel passiert auch auf instrumentaler Ebene im Hintergrund, sodass auch nach mehrmaligem Hören noch einige Details erkennbar werden.
Weniger unauffällig platzieren Saliva hingegen beispielsweise Zusätze wie Streicher in „Breakdown“, die der Ballade ein Extra an Intensität verleihen.

Saliva (Copyright: Saliva)

Saliva (Copyright: Saliva)

Einzelne Songs als Anspieltipps hervorzuheben fällt schwer, denn Saliva müssen auf „Love, Lies & Therapy“ kaum musikalische Überzeugungsarbeit leisten. Die Titel sitzen auf den Punkt und ließen sich – jeder für sich – als erfolgversprechende Singles auskoppeln.

Besser als mit „Love, Lies & Therapy“ hätte sich die Band daher nicht zum 20-jährigen Jubiläum selbst gratulieren können. Dabei markiert das Album gewiss keinen Schlusspunkt ihrer musikalischen Laufbahn, sondern unterstreicht, dass Saliva scheinbar energiegeladener und stärker als je zuvor zurück sind. Hier darf man auf noch sehr viel mehr gutes Material hoffen, vor allem da die songwriterische Mitarbeit Bobby Amarus hervorragende Früchte zu tragen scheint und das aktuelle Release mehr als bereichert. Da verzeiht man auch gerne den sehr ruhigen Rauswurf „Hand In Hand“, der – rein subjektiv betrachtet – durch einen härteren Song ersetzt sicher noch mehr Eindruck hinterlassen hätte.

Tracklist

01 Trust
02 Tragic Kind Of Love
03 Bitch Like You
04 Unshatter Me
05 Broken Wings
06 Rx
07 Breakdown
08 Go Big Or Go Home
09 Loneliest Know
10 Refuse To Lose
11 They Don’t Care About Us
12 Hand In Hand

Details

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Label: Universal Music
Vö-Termin: 10.06.2016
Spielzeit: 42:30

Copyright Cover: Universal Music



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde