Review

Das Gothic-Label Danse Macabre goes Metal – und zwar unter dem Banner Edelstahl Records. Während dort zukünftig der härteren musikalischen Gangart ein Zuhause geboten werden soll, läutet die Band Saint Astray den Veröffentlichungsreigen mit ihrem Album „Abyss“ ein.

Auch auf ihrem zweiten Werk verschreibt sich das Sextett dem Dark Melodic Metal – und nach einem ersten Hördurchgang wird klar: Alle drei Elemente sind definitiv vorhanden und werden durch progressive Strukturen komplettiert.

Vor allem in der Gitarrenarbeit bringen Saint Astray jene immer wieder gelungen zum Ausdruck und changieren damit zwischen meist kernigen und teils progressiven Spielphasen.

Des Weiteren macht sich die Progressivität auch gesanglich bemerkbar; oftmals besitzt ein Titel somit einen deutlichen Erzählcharakter.
Dass dies dem Album „Abyss“ nicht dringend zum Nachteil gereichen muss, beweist insbesondere der Track „Candle On My Grave“. Als unbedingter Anspieltipp und in jeder Hinsicht überzeugender Song zeigt der Titel nicht nur die melodische Seite von Saint Astray hervorragend auf, sondern betont zudem die „Dark“-Komponente der Band. Assoziationen zu Größen wie Sentenced kommen dem Hörer dabei unweigerlich in den Sinn, auch wenn Saint Astray an die Melancholie der Finnen (noch) nicht heranreichen können.

Gleichsam wird in den weiteren neun von insgesamt zehn Tracks deutlich, dass jeder Bereich (Dark, Melodic und Metal) für sich genommen auf „Abyss“ zu wenig ausgeprägt erscheint und die erwähnte Progressivität das eine oder andere Mal zu sehr von den melodischen Aspekten des Albums ablenkt, sodass gerade hinsichtlich der „Dark Melodic Metal“-Ausrichtung die Fokussierung auf die Melodien vermisst wird. Das Ergebnis sind gut hörbare Songs, deren Hooks aber häufig wirkungslos und somit zu selten im Ohr bleiben.

Saint Astray (Copyright: Saint Astray)

Indem der Gesang sehr prägnant über dem restlichen Sound liegt, ist es an der stimmlichen Darbietung, ins Ohr zu gehen. Diese fällt sehr abwechslungsreich aus, ist allerdings nicht in allen Phasen des Albums angenehm anzuhören. Fallen die selten platzierten Growls (von denen es ruhig noch mehr hätte geben können) noch sehr ausdrucksstark aus, klingt der Leadgesang oft gepresst und angestrengt. Auch die Erwartungen an ein Dark Melodic Metal Album werden ein wenig enttäuscht, da es der Stimme partiell an erhofften dunklen Nuancen und Wärme fehlt. Erneut ist es besonders der Song „Candle On My Grave“, der dies betreffend alles richtig macht.

Bevor man nun aber „Candle On My Grave“ auf Repeat stellt, sei gesagt, dass Saint Astray auf „Abyss“ durchaus auch weitere feine Songs platziert haben, sodass das Album für Genre-Fans empfehlenswert ist.

Video

Tracklist

01 Years of Masquerade
02 Abyss
03 Lucicry
04 Ever Ice
05 The Golden Cage
06 Candle On My Grave
07 Crossroads
08 Sorrow
09 Eschaton
10 27

Details

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Label: Edelstahl Records (Danse Macabre Records) / Al!ve
Vö-Termin: 31.03.2017
Spielzeit: 53:08

Copyright Cover: Edelstahl Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde