Review

Dass man das generelle Pop-Genre mit ein paar Feinheiten durchaus in eine andere Richtung lenken kann, beweist die deutsche Band Safran auf ihrer aktuellen Platte „Machinery“.

Mal abgesehen von Saiteninstrumenten und Drums fließen in Safrans Musik dazu noch Saxofon, Streichinstrumente sowie diverse Synthie-Sounds ein. Dabei wirkt sich vor allem der experimentelle Faktor auf die zehn Songs aus, deren Strukturen sich eigentlich durchgehend simpel gestalten.

Zwar musste ich erst ein paar Mal gegen meine Lautsprecher klopfen, bevor ich gemerkt habe, dass die rauschenden Störgeräusche beabsichtig von „Soulmachine“ kamen, allerdings kann man daran schon die Stärke von „Machinery“ ausmachen. Safran lassen einem mit beispielsweise simpler Nutzung von entzerrten Gitarren in dem Glauben, man würde sich normalem Pop-Rock hingeben, bis die Jungs dann Elemente einschieben, die sich stilistisch vom Rest unterscheiden.

Auf dem Album gibt es in dieser Hinsicht kaum einen Song, der nicht an irgendeiner Stelle überrascht. Um auf „Soulmachine“ zurückzukommen: Verzerrte Vocals, die simultan mit dem eigentlichen Gesang Hand in Hand gehen, und ein Sound, der von hyperaktiven Klängen in einen jazzigen Saxofon-Part übergeht.
Es ist auch immer wieder interessant zu hören, wie sich die Riffs von harmonischer Begleitung in melancholische Untermalung verwandeln (wie in „Stanley II“).

Akustisch gibt es noch weitaus mehr zu entdecken, und auch wenn Safran schon mal ganze Teile eines Titels für ihre extravaganten Aussschweifungen nutzen, hält sich alles dennoch in einem angenehm verfolgbaren Rahmen. Außerdem überkommt einem im Laufe der Platte ein unangenehmes Gefühl, dass nichts gerade so ist, wie es sein sollte. Safran spielen mit den üblichen Erwartungen an das Genre und kehren die Stimmung mit monotonen Chören, komischen Geräuschen und unpassenden Texten ins Gegenteil um. Dazu trägt auch der teils kraftvolle, teils exzentrische Gesang bei, der eine Ausstrahlung à la Joy Division überträgt und sich ein wenig so anhört, als hätte Jello Biafra von den Dead Kennedys ein Pop-Nebenprojekt.

Safran (Copyright: Safran)

Safran (Copyright: Safran)

Geschlossen wird das Album mit einem Song, bei dessen Titel man angesichts des eben Gehörten misstrauisch werden sollte: „First Popsong“. Was wird da wieder ausgepackt? Noise-Rock über klassischem Piano? Nein, eigentlich ist es nur ein Popsong. Und nicht einmal ein schlechter, obwohl er wohl auch von dem Überraschungsfaktor profitiert.

Es wäre wünschenswert gewesen, „Machinery“ etwas catchiger zu gestalten, um die perfekte Balance zwischen Experiment und ansprechendem Pop zu erhalten. Ohrwürmer kommen aber bei mehreren Durchgängen schon zum Vorschein. Diese sind auch nötig, da die Platte zu Beginn nur gemächlich in die Gänge kommt.

Aber warum soll man sich nicht auch mal so etwas hingeben. Schließlich gestalten sich die Songs, wenn auch durchgehend langsamer Natur, abwechslungsreich und im Verlauf von „Machinery“ immer facettenreicher.
Düsterer Pop, der gerne mal für künstliches Licht sorgt, das besonders den Ideenreichtum der Band in ebenjenem gut aussehen lässt.

Anspieltipps:
Soulmachine / Olimpia / First Popsong / Future Perfect

Video

Trackliste

01 Toys
02 Stanley
03 Olimpia
04 Gretchen
05 Soulmachine
06 Addicted
07 Stanley II
08 Heimat
09 Future Perfect
10 First Popsong

Details

Safran – Homepage
Safran – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 18.09.2015
Spielzeit: 40:16

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher