Review

Mit „The Last Stand“ steht ein weiteres Mal musikalischer Geschichtsunterricht von Sabaton auf dem Plan.
Mittels elf Songs im powermetallischen Gewand wagen die Schweden auf ein Neues einen Blick in die Historie und widmen sich vorrangig und titelgemäß dem Konzept eines letzten Gefechts auf Schlachtfeldern oder anderen historischen Plätzen.

Ein Blick auf die Spielzeit von „The Last Stand“ lässt allerdings schon vermuten, statt einer Doppelstunde vielmehr einen Crashkurs vorliegen zu haben. Mit einer kompakten Laufzeit von 37 Minuten bietet jede spontane Vertretungsstunde mehr Tiefgang.

Dies macht sich auch in den Texten bemerkbar. Durch die schnelle Abhandlung, die selten bis gar nicht an der 4-Minuten-Marke kratzt, bleiben nicht nur musikalische Schnörkel, sondern auch Gänsehautmomente aus, welche die Band bislang immer der Thematik entsprechend erzeugen konnte. Es wäre falsch und würde zu weit gehen, zu behaupten, dass der Band mittlerweile der nötige Respekt vor ihren gewaltigen Inhalten fehlt, indem sie aber ihre Komfortzone nicht verlassen und sich auf eingängige, schnell konsumierbare Titel fokussieren, bleiben Emotionen und eine gewisse Ernsthaftigkeit zu sehr auf der Strecke. Einstige ergreifende Balladen wie „Inmate 4859“ oder treibende, aber dabei stets die nötige Dramatik aufweisende Nummern wie „40:1“ sucht man auf „The Last Stand“ vergebens.

Kurzweilig, simpel angelegt und ohne musikalische Weiterentwicklungen gehen Sabaton mit jedem einzelnen Track auf Nummer sicher. Für eine Überraschung sorgt das Quintett schon zu Beginn, denn – für ihre Verhältnisse – äußerst verhalten ertönt Opener „Sparta“ aus den Boxen. Fanfaren-Keys, martialische Schreie, ein insgesamt düsterer Touch und nicht zuletzt der Name des Songs selbst bieten das Potenzial, als Soundtrack zum Film „300“ zu dienen, insgesamt stellt der Titel aber im Vergleich zu den bisherigen Hits der Band und den auf „The Last Stand“ noch folgenden überzeugenderen Titeln eine schwache Einleitung dar.

Das Interesse des Hörers will auch „Last Dying Breath“ mit seinen allzu süßlichen Keys noch nicht richtig wecken. Unspektakulär und ohne Highlight-Refrain läuft der Song eher belanglos vor sich hin, um schließlich „Blood Of Bannockburn“ folgen zu lassen. Dudelsäcke und Hammond-Orgelsound stehen in dem schnellen Titel anfangs im Mittelpunkt, und ehe man sich an seine poppig-retroeske Mischung gewöhnt hat, ist auch schon Schluss, denn besagter Song erreicht keine drei Minuten.

Mit dem gesprochenen Intermezzo „Diary Of An Unknown Soldier“ kehrt erstmals spürbar eine Epik in das Album ein, die man angesichts der Thematik schon vom ersten Ton an erwartet hätte. Ab sofort nimmt „The Last Stand“ zusätzlich mehr an Fahrt auf und liefert – nicht unbedingt ideenreich, aber verlässlich – die bewährten und bekannten Trademarks der Band. Es wundert daher nicht, dass dem Hörer auch hier Assoziationen zu älteren Titeln der Schweden in den Sinn kommen. „The Last Battle“ könnte damit u.a. als schnellere Variante von „The Art of War“ durchgehen, während „Hill 3234“ als eine temporeiche Version des Songs „Wehrmacht“ angesehen werden könnte.

Sabaton (Copyright: Severin Schweiger)

Sabaton (Copyright: Severin Schweiger)

„The Last Stand“ ist keinesfalls ein schlechtes Album. Sabaton konzentrieren sich auf ihre Stärken und liefern das ab, was Hörer und Fans von ihnen erwarten. Gleichzeitig wirkt der neue Streich dadurch jedoch zuweilen sehr uninspiriert und kreativlos. Man trifft auf viele Melodien, die durchaus umgehend ins Ohr gehen, jene hat man aber so oder zum Verwechseln ähnlich bereits auf vergangenen Outputs der Band gehört, sodass die meisten Songs äußerst vorhersehbar sind. Hier und da mal ein längeres, ideenreicheres Gitarrensolo hätte diesbezüglich etwas Abhilfe geschaffen. Immerhin, im Albumverlauf und vor allem in seiner zweiten Hälfte gibt sich „The Last Stand“ deutlich stärker und auch ein mehrmaliges Hören schadet nicht, um dem Silberling etwas abgewinnen zu können.

Eventuell sollte man den Mannen um Joakim Brodén einfach mal eine kleine kreative Pause zwischen Studioaufnahmen und unzähligen Liveauftritten gönnen, um aufzutanken und die Kreativität anzukurbeln. Nach vier (bzw. sechs – Fans werden über die genaue Anzahl streiten) Top-Alben auf sehr hohem Niveau scheint einfach die Luft etwas raus zu sein, sodass „The Last Stand“ – wie eingangs erwähnt – nicht mehr als ein Crashkurs darstellt.

Video

Tracklist

01 Sparta
02 Last Dying Breath
03 Blood Of Bannockburn
04 Diary Of An Unknown Soldier
05 The Lost Battalion
06 Rorke’s Drift
07 The Last Stand
08 Hill 3234
09 Shiroyama
10 Winged Hussars
11 The Last Battle

Details

Sabaton – Homepage
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Sabaton – Twitter

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 19.08.2016
Spielzeit: 37:01

Copright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde