Review

Wenn dieser Tage mit „Rapid Foray“ das bereits 16. reguläre Studioalbum der Hamburger Metal-Ikone Running Wild erscheint, ist die Erwartungshaltung der Fangemeinde natürlich entsprechend hoch.

Und ja, Capt’n Rock’n’Rolf scheint es noch einmal wissen zu wollen, denn was in den nächsten 66 Minuten aus den Boxen prescht, ist wie eine Reise in die musikalische Vergangenheit der Band.
Die schnelleren Titel wie beispielsweise „Warmongers“, „Rapid Foray“ und vor allem „Black Bart“ oder „Into The West“ (live bereits letztes Jahre auf dem Wacken Open Air performed) lassen das Herz eines jeden langjährigen Fans höher schlagen. Diese Songs beinhalten nämlich alle typischen Trademarks, die den Running Wild-Sound so prägnant machten und es auch heute noch tun. Und so könnte jeder der genannten Tracks direkt aus einer Session aus den Hochzeiten der Band stammen.

Doch auch etwas modernere Klänge findet man auf dem neuen Silberling. Als Beispiel sei hier „Hellestrified“ genannt, welches in dieser Richtung überzeugt. Dem wirklich coolen Gitarrenspiel von Rhythmus- und Leadgitarre in den Strophen folgt man gerne und empfindet auch die verzerrten Vocals nach dem zweiten Refrain nicht als Fremdkörper, sondern als durchaus passend arrangiert.

Rockig-groovig geht es in „Stick To Your Guns“ zu, während das hymnenhafte „By The Blood In Your Heart“ dann wiederum sehr an „Heads Or Tails“ erinnert. In der Mitte des Albums sorgt das überaus gelungene Instrumentalstück „The Depth Of The Sea“ für vermeintliche Ruhe – ein Titel, der wohl zu den besten Non-Voice-Stücken der Band zu zählen ist.

Insgesamt scheint der zweite Teil des Albums sogar der stärkere zu sein. Dieser findet seine Krönung im epischen „Last Of The Mohicans“, welches durch Melodie und – passend zu den Lyrics – auch einer Brise Schwermut restlos begeistern kann.

Rock'n'Rolf / Running Wild (Copyright: Running Wild)

Rock’n’Rolf / Running Wild (Copyright: Rolf Kasparek)

„Rapid Foray“ setzt in allen Belangen zum Vorgänger „Resilent“ noch eine gehörige Schippe drauf. Die Songs sind zwingender, gleichzeitig auch eingängiger und durch und durch vom „alten“ Running Wild-Feeling durchsetzt. Das Tempo wird relativ hoch gehalten und die wenigen rockigeren Stücke fügen sich passend in das musikalische Gesamtkonzept ein. Das Album strahlt eine positive Energie aus und wirkt – salopp gesagt – locker und unbeschwert runtergezockt. Alles Attribute, die man bei den Running Wild-Alben der jüngeren Vergangenheit schmerzlich vermisst hatte.

Etwas unverständlich in diesem Kontext, warum man ausgerechnet das zahnlose „Black Skies, Red Flag“ als Opener gewählt hat. Auch wirkt der Sound des Albums relativ unausgewogen. Die Gesangsstimme ist in einigen Songs („Rapid Foray“ und „Into The West“) viel zu sehr in den Vordergrund gemixt als vergleichsweise bei „Black Bart“. An der einen oder anderen Stelle hätten auch die Gitarren durchaus mehr Volumen vertragen können. Hier ist noch Luft nach oben.

Ansonsten darf jeder, der mit den genannten Kritikpunkten leben kann und sich als Running Wild-Fan zählt, bei „Rapid Foray“ bedenkenlos zugreifen. Der Capt’n liefert denjenigen, die gerne in den „guten alten Zeiten“ schwelgen, mit dem aktuellen Album genau die passende Antwort.

Tracklist

01 Black Skies, Red Flag
02 Warmongers
03 Stick To Your Guns
04 Rapid Foray
05 By The Blood In Your Heart
06 The Depth Of The Sea
07 Black Bart
08 Hellestrified
09 Blood Moon Rising
10 Into The West
11 Last Of The Mohicans

Details

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Label: Steamhammer / SPV
Vö-Termin: 26.08.2016
Spielzeit: 66:02

Copyright Cover: Steamhammer / SPV



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde