Review

„Man kann also sagen, dass diese Band auf jeden Fall Potenzial […] besitzt.“ Potenzial genutzt, denn nach ihrer EP „The Call of Extinction“ haben Running Death mit dem Debütalbum „Overdrive“ ihre Stärken weiter ausgearbeitet. Natürlich auch wieder mit von der Partie: eine gehörige Dosis Thrash Metal. Dennoch wählen die Jungs, um der Monotonie ein wenig entgegenzuwirken, in den zwölf Songs immer wieder einen technischen Ansatz.

Und das Prinzip geht durchaus auf. Wobei man ganz klar sagen muss, dass der Old School seinen Anteil in dem Sound stets wiederfindet. Und so darf man sich über zackige und groovige Riffs freuen, die nur gelegentlich stillstehen; alles über den klassischen Drum-Strukturen und variierendem Gesang, welcher auch auf „Overdrive“ wieder sehr gut gelungen ist.

Die Stimme klingt nicht zu abgedroschen nach dreckigem Rumgebrülle, sondern hält für den Hörer auch ein paar Überraschungen parat. Obwohl sie stellenweise etwas dünn rüberkommen und manchmal hinter dem ganzen akustischen Rest zu verschwinden drohen, zeugen die Vocals doch von einer gewissen Zugänglichkeit.

Was man „Overdrive“ ebenfalls zugutehalten muss, ist, dass sie sich nicht nach einer weiteren Thrash Metal Platte klingt, von der es in letzter Zeit eine Menge gab. Zurückzuführen ist das auf den innovativen Charakter, den die Band hier einfließen lässt. Mit einer Menge catchiger, aber auch manchmal abgehakter Riffs werden die Titel frisch gehalten. Das nimmt teilweise schon solche Ausmaße an, dass man fast von experimentellen Ansätzen sprechen könnte. Während man bei „Deludium“ zu Beginn denkt, hier einem akustischen Interlude nach Standard gegenüberzustehen, wird man mit viel progressivem Fingerpicking und Flageoletts eines Besseren belehrt.

Running Death (Copyright: Påul Perlberg)

Running Death (Copyright: Påul Perlberg)

Natürlich läuft auf dem Album nicht immer alles glatt. Im Chorus von „Mercenary“ driften Running Death irgendwie in ein anderes Genre ab und das Ganze entspricht so gar nicht mehr dem zunächst aggressiven Aufbau des Songs. Zum Glück bleiben solche Dinge die Ausnahme. Zu der permanenten Energie gesellen sich auch melodische Passagen.

Außerdem halten sich die verschiedenen Einflüsse immer die Waage. Nach so viel technischer Frickelei auf dem Griffbrett, freut man sich dann auch mal, der alten Schule abermals einen Besuch abstatten zu dürfen. Seien es nun das dynamische Tapping oder die obligatorischen Humpa-Beats der Drums – alles bleibt im Rahmen.

Es ist wirklich angenehm zu hören, dass eine Band auch mal über den eigenen Tellerrand hinaus schaut, während sie im Kern dem eigentlichen Sound treu bleibt. Daher ist „Overdrive“ auch jenen zu empfehlen, die dem Thrash bis jetzt nur den Rücken zugewandt haben. Running Death bringen Abwechslung, Power und einen modernen Anstrich. Ein Album, das definitiv Lust auf mehr macht.

Anspieltipps:
Psycho / Deludium / Pray For Death / Overdrive / Hell On Earth

Video

Trackliste

01 It Begins
02 Hell On Earth
03 Psycho
04 Remote Controlled
05 Close Minded
06 Raging Nightmare
07 Deludium
08 Mercenary
09 Pray For Death
10 Reduced
11 Overdrive
12 I See A Fire

Details

Running Death – Facebook

Label: Punishment 18 Records
Vö-Termin: 23.03.2015
Spielzeit: 53:30

Copyright Cover: Punishment 18 Records 



Über den Autor

Christopher