Review

Die Osnabrücker Band Rozencrantz ist dafür bekannt, dass sie sich mit jeder Albumveröffentlichung neu erfindet, weiterentwickelt und/oder stilistisch verändert. So ist zum Release des aktuellen und inzwischen vierten Albums „Drunk on Revolution“ wenig übrig vom einstigen Gothic Rock Image à la H.I.M. und Konsorten. Bediente sich das Quintett zu Zeiten von Songs wie „Skin on Skin“ gerne an dem einen oder anderen Klischee, tendierten sie bereits mit Titeln wie „Tears Black Reign“ mehr in die rockige Richtung. Natürlich hielt man, wie „Chase the Dragon“ zeigte, stellenweise noch am melancholischen Gothic Rock Gefühl fest, was vor allem durch den Gesang zum Vorschein trat, Rozencrantz machten aber deutlich, dass sie musikalisch mehr können, als sich an bewährten Schubladen festzuhalten.

So wundert es nicht, dass der elf Songs umfassende Silberling „Drunk on Revolution“ abermals eine andere Seite der Band zeigt bzw. betont. Dies macht sich bereits beim Coverartwork bemerkbar. War „Tears Black Reign“ schon heller angelegt, vermutet man hinter dem Design der aktuellen Scheibe beinahe eine Alternative Band. Auch die aktuellen Bandfotos unterstreichen den rockigen, alternativen Stil der Truppe. Bleibt die Frage, ob man diesem „Look“ nun auch musikalisch gerecht wird.

Der Opener und gleichzeitige Titeltrack weiß darauf bereits eine Antwort zu geben, denn eindeutig verpflichtet sich dieser Song dem dreckigen, aber radiotauglichen Rock, der leicht angepunkt gleichzeitig ziemlich rotzig daherkommt, während die dichten Backingvocals für Stadiontauglichkeit sorgen. Allerdings ist nach nur zwei Minuten schon Schluss mit der alkoholgeschwängerten Revolte.

Gut, dass Folgesong „Blue Mountain River“ nicht minder gut ins Ohr geht und die Begeisterung der Hörer aufrechterhält. Ohrwurmtauglich melodeien sich Rozencrantz durch den Track, der vom Gesang getragen und durch eine helle Gitarrenbreitseite begleitet wird, während die Drums zusätzliche Dichte in den Titel bringen. Schnell lassen sich die simplen Lyrics mitsingen und auch nach mehrmaligem Hören verliert der Song nichts an seinem Reiz.

Geschwindigkeitstechnisch bleibt man auch mit „Son of a Prophet“ auf mitreißendem, abrockbarem Niveau, auch wenn es in Strophen und Refrain gefühlt gemäßigter zugeht. Erneut beweisen Rozencrantz ihr Händchen für schöne Melodien. So ganz neu wirken diese zwar nicht, sie wissen aber durchaus, sich im Oberstübchen des Hörers festzusetzen.

Erstmals interessant, da abwechslungsreich und anders als die bisherigen Titel, wird es mit „Firebreak“, mit dem man das Tempo ein wenig aus dem Album nimmt. Für die nötige Härte, die „Firebreak“ daran hindert, eine reine Ballade zu sein, sorgen der kraftvolle Gesang mit Ecken und Kanten sowie die härteren Gitarrenriffs.

Tatsächlich ruhiger und mit eher seichtem Gitarrenspiel begleitet, schließt sich „Into Silence“ an. Insbesondere die im Hintergrund platzierten Tremolo-artigen Klänge sorgen für das gewisse Etwas. Auf Dauer muss man dies jedoch mögen, andernfalls stört man sich daran, und der Song verliert für jene Hörer an Gefühl.

Rozencrantz (Copyright: Maik Reishaus)

Rozencrantz (Copyright: Maik Reishaus)

Den Wechsel zwischen schnelleren und bedächtigeren Rocknummern setzt man auch im Folgenden fort. Allerdings verliert das Album damit auch etwas an Spannung; Überraschungseffekte bleiben aus, sieht man von „Hellride“ einmal ab, denn dieser Song kriecht sehr schleppend aus den Boxen. Dunkler blues-rockiger Gesang, von dem man meinen könnte, der Sänger hätte die Whiskyflasche noch am Mund, gesellt sich zu akzentuiert gespielten Gitarren. Stilistisch ist der Titel nur schwer greifbar. Etwas Stoner Rock, ein wenig Grunge sogar und eine solide Portion Hardrock im 70er Jahre Gewand könnten einer Beschreibung vielleicht ansatzweise standhalten. Im Vergleich dazu wirkt der nächste Song „Hello and Goodbye“ schon fast poppig.

Rozencrantz machen auf „Drunk on Revolution“ vieles richtig und liefern ein Rockalbum ab, das lange Zeit begeistern kann. Sicherlich können nicht alle Songs gleichermaßen überzeugen, zudem hat es den Anschein, als dominieren die leiseren Klänge, alles in allem ist der Silberling aber mehr als empfehlenswert. Wer die Osnabrücker jedoch mit ihrem damaligen Gothic Rock in Verbindung bringt, der wird mit „Drunk on Revolution“ nicht glücklich werden und sollte zumindest vorab Probe hören.

Video

Tracklist

01 Drunk on Revolution
02 Blue Mountain River
03 Son Of A Prophet
04 Firebreak
05 Into Silence
06 Shadows
07 Die For You
08 Cinderella Of Files
09 Hellride
10 Hello And Goodbye
11 The Other Side Of Town

Details

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Label: Timezone Records
Vö-Termin: 31.10.2014
Spielzeit: 39:50

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde