Review

Wer auf der Suche nach einem männlichen Pendant zu Lana Del Rey ist, der wird bei dem Singer/Songwriter Roman Wreden und seinem neuen Album „Let Go & Drift“ fündig werden. Seine darauf zu hörenden musikalischen Ergüsse in Form von 14 Tracks könnten als anspruchsvoller, kultivierter Indie Pop gelten, wenn man das Geschehen denn unbedingt in eine Schublade stecken möchte. Zusätzlich müsste man zeitweilig auch die Folk Pop Lade öffnen, denn hin und wieder finden u.a. Flöten den Weg in die Songs. Das stilistische Schubladendenken einmal beiseitelassend, kann man „Let Go & Drift“ jedoch auch lediglich als entschleunigten Hörgenuss wahrnehmen, dem wohl am besten die Bezeichnung „Coming Down“-Musik gerecht wird.

Warum dem Hörer schnell Assoziationen zu Lana Del Rey in den Sinn kommen, ist dadurch eigentlich schon erklärt. Gleichzeitig sprechen auch die reduzierte Instrumentierung, die hier häufig unterschwellig mitschwingende Melancholie und (im positiven Sinne zu verstehende) Tristesse sowie die Wärme der Stimme Roman Wredens für diesen Vergleich.

Unaufdringlich, aber mit ausreichender Aussagekraft bauen bereits die ersten Songs eine schöne Atmosphäre auf. Die Lieder und allen voran der warme, weiche Gesang sowie die hier konzipierten schönen Melodien streicheln die Seele des Hörers und lullen ihn auf angenehme Art ein. Dies geschieht mal in eher akustischer Form, mal aber auch durch deutlich hörbare elektronische Zusätze.

Roman Wreden (Copyright: Marco Dinkel)

Roman Wreden (Copyright: Marco Dinkel)

Nur selten stößt man auf Songs, die nicht unbedingt hängen bleiben wollen. Insgesamt muss man aber sagen: Für das, was dem Hörer hier an Aufmerksamkeit abverlangt wird, hätten zehn Titel auf dem Album vollkommen ausgereicht, denn obwohl flottere und teils sehr leichtfüßig wirkende Nummern „Let Go & Drift“ immer mal wieder auflockern, fordert die Gesamtsumme an Songs doch ein sehr bewusstes Hören. Bei der stolzen Anzahl von 14 Tracks besteht somit zeitweise die Gefahr, dass der Hörer abzudriften droht und die erwähnte Unaufdringlichkeit des Werks ebenjenem zum Verhängnis werden könnte.

Davon abgesehen gewährt Roman Wreden eine für viele Konsumenten mit unterschiedlichen Hörgewohnheiten gelungene Auszeit vom Alltag, die einen gleich mit dem Opener „Both Of My Feet“ abholt und durch die einzelnen Titel treiben lässt. In diesem Sinne: Let Go & Drift!

Video

Tracklist

01 Both Of My Feet
02 December
03 Wave By Wave (Let Go & Drift)
04 Blindfolded
05 Nick Of Time
06 The Kid (They Never Bothered To Name)
07 Drowning
08 Riverbank
09 The Harpoonist
10 My Impossibilities
11 Marbles
12 Finches
13 Moonchild (Speed & Sound)
14 Before Long

Details

Roman Wreden – Homepage
Roman Wreden – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 30.09.2016
Spielzeit: 59:25

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde