Review

Ein Gitarrist, der ein ganzes Album komponiert? Mit „Long Way To The Light“ und unter dem Namen Robert Pehrsson’s Humbucker macht der Studiomusiker Robert Pehrsson genau das. Abgesehen davon, dass es bei einem Gitarristen wohl viel um Gitarren gehen wird, ist bei dieser Platte eigentlich alles offen. Was den Hörer erwartet, schauen wir jetzt.

Pehrsson ist seines Zeichens nicht einfach nur Gitarrist. Der Schwede fühlt sich anscheinend zu härteren Gangarten hingezogen, denn bisher wirkte er vor allem an Thrash und frühem Death Metal mit, allerdings vor allem bei Bands, die hierzulande eher Geheimtipps sein dürften. Dass er sich für seine eigenen Kompositionen eine andere Richtung vorstellt, zeigte schon das Debüt. Auch die aktuelle Nachfolgerplatte lässt wenig aus den metallischen Gefilden ahnen, hier geht es ganz eindeutig um Classic Rock und Blues-Einflüsse.

Der Auftakt mit „Send Her My Love“ ist zunächst von einem starken Gitarrenriff geprägt, das an 70er Jahre Hard Rock erinnert. Bevor jedoch zu viel Glam versprüht wird, holt der Gesang den Track wieder auf den Boden der Rock-Tatsachen. Eingängige Textzeilen, klarer Gesang und ein noch eingängiger Refrain machen diesen Song zum Ohrwurm. Das Gitarrensoli in der Mitte des Tracks fügt sich zudem gut ins Kompositionsgefüge ein. Alles in allem ein Song, zu dem man Party machen will.

Das gleiche Fazit bekommt man beispielsweise auch schon nach dem ersten Hören vom anschließenden „Distant Bound“, nur dass hier die 70er gegen Rockabilly und Unterstützung durch Gruppengesang gewichen sind. Anschließend gehen die Tracks weiter in Richtung Bon Jovi meets Country (beispielsweise „Break Away From This Broken Heard“) oder bis hin zu modernen Indie-Einflüssen (wie bei „Pretender“) und Power Metal-Einflüssen („The Hollow In A Rising Tone“). Sogar eine Rock-Ballade bietet Pehrsson mit „Zero Emotion“.

Obwohl zu fast jedem Song ganz unterschiedliche Assoziationen geweckt werden, bleibt das Album insgesamt homogen. Verbindendes Element ist der starke Einfluss von Classic Rock. Ganz besonders – und wenig überraschend – ist die ausgezeichnete Arbeit, die Pehrsson an den sechs Saiten abliefert. Nicht nur kreative Riffs, die im Ohr bleiben, entlockt er seiner Gibson, auch gibt es gut platzierte Gitarrenriffs in Hülle und Fülle.

Robert Pehrsson's Humbucker (Copyright: Kristian Ekeblom)

Robert Pehrsson’s Humbucker (Copyright: Kristian Ekeblom)

Wenn ein Albumkonzept von starken Riffs lebt, bleibt oft für die restlichen Instrumente nur noch wenig Platz. Das passiert leider auch hier. Gut durchsetzen können sich noch die Gesangslinien, die viel zum Spaß an der Platte beitragen. Alles andere bleibt allerdings ein wenig auf der Strecke. Schade, dabei hat sich Pehrsson doch eine ganze Latte an Gastmusikern ins Boot geholt. Ganz abgesehen davon ist Robert Pehrsson’s Humbucker zwar das Projekt eines Gitarristen, für die Live-Performances existiert allerdings eine komplette Besetzung. Nicke Andersson, Jakob Ljungberg and Jens Lagergren spielten dieses Mal nicht nur live, sondern arbeiteten auch an einigen Songs mit. Wenn diese noch stärker beteiligt würden, käme vielleicht auch ein weniger gitarrenlastiger Sound am Ende dabei heraus.

Allerdings ist das gewissermaßen Meckern auf hohem Niveau. Wer sich ein Album eines Studiogitarristen zulegt, sollte mit dominanten Gitarrenklängen rechnen. Und dass diese mitreißen können, zeigt „Long Way To The Light“ ganz exzellent. Genrefans können hier mit gutem Gewissen zugreifen.

Video

Tracklist

01 Send Her My Love
02 Distant Bound
03 Traveling Through The Dark
04 Break Away From This Broken Heart
05 Pretender
06 Zero Emotion
07 The Hollow In A Rising Tone
08 The Somber Sleeps
09 No I Don’t

Details

Robert Pehrsson’s Humbucker – Homepage
Robert Pehrsson’s Humbucker – Facebook

Label: High Roller Records / Soulfood
Vö-Termin: 04.11.2016
Spielzeit: 29:29

Copyright Cover: High Roller Records



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer