Review

Für Fans von Zombie Industrial Metal erscheint mit dem diabolisch lang betitelten „The Electric Warlock Acid Witch Satanic Orgy Celebration Dispenser“ ein Horroralbum im positiven Sinn. Der Regisseur (u.a. „Halloween“ und „Halloween 2“ jeweils im Remake, „Haus der 1000 Leichen“), Comicautor und nicht zuletzt Musiker Rob Zombie erfüllt mit seinem sechsten Studioalbum alle Erwartungen – vor allem die, dass er sich nicht im Geringsten um Erwartungen kümmert und sich gleichwohl treu bleibt wie auch immer wieder neu definiert.

Schon der erste Eindruck trieft förmlich vor Horror Rock: Grelle Farben und Collagen mit farbarm wirkenden Fotos auf dem filmpostergleichen Artwork, Titel, die länger sind als die Songs selbst, und Sequenzen, die szenisch erzählt werden und den Hörer verstört zurücklassen. Gepaart mit der ihm eigenen Schlagkraft, Prägnanz und der obligatorischen Prise Rock’n’Roll jagt Rob dem geneigten Hörer wohlige Schauer über den Rücken.

Der Opener „The Last Of The Demons Defeated“ bläut einem in eineinhalb Minuten zuallererst einmal ein, womit man es hier zu tun hat. „Electric Warlock Acid Witch“ wird wie eine Beschwörungsformel mit vielen Wiederholungen ins Gedächtnis gehämmert und setzt sich dank des eingängig rockigen Rhythmus und aufmerksamkeitsheischender Samples fest. Damit ist die Bühne frei für die psychedelische Entfaltung der wie Filmtrailer wirkenden Songs.

Rob Zombie betont dahingehend die lange Entstehungszeit des Albums (zeitgleich zu seinem neuen Film „31“), die das Reifen der Songs, auch unabhängig voneinander, gestattete.

Der zweite Track „Satanic Cyanide! The Killer Rocks On!“ thematisiert in den Samples u.a. „deception [that] has become part of the social framework of society“, während der folgende Song „The Life And Times Of A Teenage Rock God“ das Tourleben und den Erfolg karikiert: „I’m a teenage Rock God / all the freaks come worship me“.
Dabei wird der treibende simple Rhythmus von digitalen Effekten verstärkt.

„Well, Everybody’s Fucking In A U.F.O.“, auch schon als Musikvideo mit Sheri Moon Zombie veröffentlicht, verbindet Science-Fiction mit handfesten, kraftvollen und schnörkellosen Riffs.
In „The Hideous Exhibitions Of A Dedicated Gore Whore“ wird es auf den Punkt „Let’s motherfu**ing rock’n’roll!“ gebracht, „Medication For The Melancholy“ legt ordentlich an Tempo zu und auch im kurz „Get High“ genannten „In The Age Of The Consecrated Vampire We All Get High“ kracht es ordentlich. Distortion-Effekte verbinden eingängige Gitarrenmelodien mit spannender Rhythmik, harten Riffs und Akzentuierungen durch Synthesizer sowie Soli, energiegeladenem Spannungsaufbau und dystopisch fantastischen Lyrics.

Während „Super-Doom-Hex-Gloom Part One“ ein pulsierendes extraterrestrisches Wimmeln heraufzubeschwören scheint, rockt „In The Bone Pile“ klassisch bodenständig weiter und Titel 11 möchte man mit „Get your boots on, this is the end of the album!“ umschreiben, um diese Scheibe ihrem Ende entgegendrehen zu lassen.

Rob Zombie (Copyright: Rob Zombie)

Rob Zombie (Copyright: Rob Zombie)

Der Schlusstrack startet mit zaghafter Melodie und man meint fast, ein grammophonartiges Knistern erkennen zu können, nur um von verzerrtem Gesang in bedrohlich eindringlicher Art zurechtgewiesen zu werden, dass das immer noch kräftige Rockmusik ist, die sich durchaus zu behaupten weiß. Langsame Zwischenparts schaffen zusammen mit unkenntlichen Samples eine beklemmende Atmosphäre und wie nach einem Kampf löst sich die Spannung abrupt auf. Und weil man so im Höhepunkt vertieft war, hat man dessen Verstreichen gar nicht wahrgenommen und wird musikalisch zurückgelassen in einer melancholischen Klaviermelodie, die sich im obligatorischen Regenguss verliert.

Damit schließt Rob Zombie den Vorhang seiner neuesten Vorführung und lässt den Hörer davon halten, was der auch immer will.

Das ist definitiv mein bisher liebstes Album… ohne Witz. Ja, ich weiß, das sagt jeder. Aber es ist wirklich das heftigste, gestörteste und krankste Musikmonster, das wir je geschaffen haben.

Er selbst findet sein Album großartig – und wir sind auch infiziert.

Video

Tracklist

01 The Last Of The Demons Defeated
02 Satanic Cyanide! The Killer Rocks On!
03 The Life And Times Of A Teenage Rock God
04 Well, Everybody’s Fucking In A U.F.O.
05 A Hearse Overturns With The Coffin Bursting Open
06 The Hideous Exhibitions Of A Dedicated Gore Whore
07 Medication For The Melancholy
08 In The Age Of The Consecrated Vampire We All Get High
09 Super-Doom-Hex-Gloom Part One
10 In The Bone Pile
11 Get Your Boots On! That’s The End Of Rock And Roll
12 Wurdalak

Details

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Label: Universal Music
Vö-Termin: 29.04.2016
Spieldauer: 31:23

Copyright Cover: Universal Music



Über den Autor

Maria
Tunichtgut von Welt