Review

Rob Lynchs musikalische Karriere verlief zum großen Teil so, wie man sich den Werdegang eines Musikers vorstellt. Angefangen hat alles mit ein paar Bieren und was danach folgte, war ein Plattenvertrag bei Grand Hotel van Cleef, Vor-Act für Thees Uhlmann und nun im Jahre 2016 das neue Album „Baby, I’m A Runaway“. Geprägt wird seine Singer-/Songwriter-Musik mit einer Menge Folk und – vor allem was dieses Album betrifft – Rock.

Der Faktor „Band“ wirkt auf „Baby I’m A Runaway“ sehr stark auf den Gesamtsound ein. Packt man dann noch eine gute Produktion oben drauf, kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen.

Dass Rob Lynch mit seinem Album stark in Richtung Rock gewandert ist, wird bereits mit dem ersten Song „Prove It!“ verdeutlicht. Die schnellen Riffs schneiden über den akustischen Part ihren Weg aufs Schlagzeug. Danach der Einsatz von Rob Lynch, der mit seinem akzentuierten Englisch den Singer-/Songwriter authentisch verkörpert.

Allerdings muss man sagen, dass seine Stimme auf „Baby, I’m A Runaway“ sehr gewöhnungsbedürftig klingt. Anfangs, besonders in „Prove It!“, hört es sich so an, als würde er nur schwer die Töne treffen. Dies legt sich aber im Laufe des Albums und der sympathische Charakter, den Lynch an den Tag legt, wird gut auf seine Songs transportiert.

Ein großes Problem dieser Platte ist jedoch, dass viele Songs austauschbar klingen. Vergleicht man das Release mit Rob Lynchs vorherigen Werken, bleibt hier deutlich weniger hängen.
Natürlich kann man eingängige Strukturen und eine durchaus ansprechende Attitüde erwarten, nur bietet dieses Akustik-Rock-Arrangement kaum etwas Neues und es mangelt daher stark an Überraschungen. Wem das reicht, der ist mit „Baby I’m A Runaway“ aber gut beraten.

Immerhin gibt es dann doch ein paar Momente, in denen Rob Lynch ein wenig von diesem generischen Rock-Prinzip abkommt. Nach so vielen elektrischen Gitarren ist der ausnahmslos akustische Titel „Tectonic Plates“ schon fast eine Wohltat. Aber nicht nur deswegen, allgemein passen hier Akkorde und Stimmung gut zusammen.
Darauf folgt ein weiterer Energie-Titel unter dem Namen „Salt Spring“ und auch dieser ist durchaus ansprechend. Wir erleben einen Rob Lynch, der auch Punk kann und seine Stimme effektvoll einsetzt.

Rob Lynch (Copyright: Scott Kennerdeigh Photography)

Rob Lynch (Copyright: Scott Kennerdeigh Photography)

Rückblickend betrachtet gibt es musikalisch somit einige Passagen, die wirklich gut ausgearbeitet wurden – besonders seitens der Riffs, die immer genau die Melodie mitbringen, die gerade gebraucht wird. Doch auch dies spielt Rob Lynch nicht gerade in die Karten und stellt seine Performance merklich in den Schatten, denn abermals läuft es hier auf Schema F hinaus.

„Baby, I’m A Runaway“ ist ein solides Album und die Fans des Künstlers werden ihren Spaß damit haben. Allerdings ist mit vorhersehbaren Songs, die stark konstruiert wirken und nicht gerade emotionale Intentionen herüber bringen, die sie wollen und sollten, mehr als solide einfach nicht drin. Angesichts von Tracks wie „Hawking“ oder „Whiskey“ ist es noch bedauernswerter, dass Rob Lynch nicht die Ausstrahlung in dieses Album hat einfließen lassen, wie man es vielleicht erwartet hätte.

Video

Trackliste

01 Prove It!
02 Runaway
03 Selfish  Bones
04 Sure Thing
05 Closer
06 Tectonic Plate
07 Salt Spring
08 Good For Me
09 Youth
10 Kings & Queens

Details

Rob Lynch – Facebook
Rob Lynch – Twitter

Label: Grand Hotel van Cleef
Vö-Termin: 22.07.2016
Spielzeit: 36:11

Copyright Cover: Grand Hotel van Cleef



Über den Autor

Christopher