Review

Treffen sich zwei Männer, noch dazu zwei Musiker, klingt das zuerst einmal nach dem Beginn eines schlechten Witzes, mündet im Fall von den befreundeten Rockern Lee Richards (Another Animal, Godsmack, Dropbox) und Whitfield Crane (Ugly Kid Joe) allerdings in einem Album, vollgepackt mit zehn handgemachten, authentischen Akustikrocksongs.

Das unter dem simplen Titel „Richards / Crane“ veröffentlichte Werk vom ebenfalls so betitelten Projekt der beiden Amerikaner plätschert unaufdringlich, aber effektiv in die Gehörgänge des Hörers, der sich damit auf positive Art und Weise einlullen lassen kann von warmen, ausdrucksstarken Gesangsstimmen, gemächlichen Rhythmen und hervorragend arrangierten Titeln, die neben der Akustikgitarre und Percussion zudem auch teilweise mit Streichern aufwarten und auf Albumlänge eine Atmosphäre schaffen, an der man sehr gerne partizipiert.

Ob dem Alltag zu entfliehen, zu entspannen oder einfach nur guter akustischer Rockmusik zu frönen – „Richards / Crane“ bietet die Möglichkeit zu all dem, und zwar auf durchaus abwechslungsreiche Art und Weise.
Dabei beschränken sich Richards / Crane nicht nur auf ihr eigenes Können, sondern holen zudem Gastmusiker für ihr Vorhaben mit ins Boot. Die Zusammenarbeit mit beispielsweise Myles Kennedy (Alter Bridge, Slash) resultiert im Song „Black & White“, zu dem bereits ein Video veröffentlicht wurde.
Die Titel „Someday“ und „Lost“ werden komplettiert durch den indischen Sänger Vishal Vaid, dessen Herkunft sich auch dezent im Klangkonzept der Tracks widerzuspiegeln scheint, denn insbesondere „Someday“ ist eine leichte orientalische Nuance nicht abzusprechen.

Richards/Crane (Copyright: Richards/Crane)

Richards/Crane (Copyright: Richards/Crane)

Eventuell braucht der Silberling den einen oder anderen Durchgang, bis jeder Song seine Wirkung bei bzw. auf den Hörer erzielen kann. Wie bei vielen anderen Veröffentlichungen dieses Bereichs ist von langweiligen Phasen, Lückenfüllern oder einschläfernden Momenten aber keine Spur, sodass „Richards / Crane“ zum mehrmaligen Hören geradezu einlädt. Seichte, aber stets eingängige und oftmals gefühlvolle Melodien schmeicheln die Ohren und mit Hinzukommen des jeweiligen Gesangs auch die Seele. Auch auf groovende Nummern muss man während all der akustischen Ruhe, die das Album ausstrahlt, nicht verzichten. So veranlasst der Song „Waiting on a Prayer“ zumindest zum Mitwippen des Kopfes oder Fußes, während beispielsweise ein „Rainy Day“ trotz melancholischer Ausstrahlung eine gewisse Dynamik aufweist.

Wer zwischen metallischer Härte und lautstarker Rockbeschallung die Sehnsucht nach einer kleinen, aber feinen musikalischen Auszeit verspürt, der sollte hier dringend zugreifen. Akustikrock mit Gefühl und (Sach)verstand.

Video

Tracklist

01 Homeward
02 Everyone
03 Here In The Light
04 Black & White (feat. Myles Kennedy)
05 Someday (feat. Vishal Vaid)
06 Lost (feat. Vishal Vaid)
07 Waiting On A Prayer
08 Rainy Day
09 Don’t Cry For Me
10 World Stand Still

Details

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Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 27.05.2016
Spielzeit: 34:58

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
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"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde