Review

Da nahmen Andreas Buchwald und Andreas Gimpel ihren Bandnamen wohl nur allzu wörtlich, denn lange Zeit war es ruhig um die einstige Kultband Remain In Silence, die vor allem in den 80er Jahren geneigte Darkwave-Hörer mit viel gelobtem Material versorgte. 2016 meldet sich das Zweiergespann Buchwald und Gimpel mit neuer Verstärkung an den Instrumenten und dem aktuellen Album „…And The Soul Goes On“ zurück.

Ihre Leidenschaft für wavige Klänge haben sich Remain In Silence bewahrt und diese präsentiert die Band nun auf insgesamt 14 Songs, welche modern und auf elektronischem Fundament gebaut aus den Boxen ertönen.

Remain In Silence setzen dabei durchgehend auf eine dichte Atmosphäre, die auch durch die Produktion in Szene gesetzt wird. Darüber hinaus sind es insbesondere die Melodien der Titel, die überzeugen können. Mal durch Pop-Nuancen tanzbar, in der Mehrheit jedoch auf vermitteln wollende Stimmungen gedrillt dominieren hypnotische und elegische Klänge das akustische Gesamtbild. Höhepunkte finden die emotionalen Momente von „…And The Soul Goes On“ besonders in der Piano-Ballade „This Silent Sea“ und dem rein instrumentalen Rauswurf „Endless Sea“, die, aufeinander folgend, einen sehr (vielleicht sogar zu) besinnlichen Abschluss des Albums bilden.

Warum jedoch Songs wie „Wrapped In Ice“ ein derart abruptes Ende finden, das nicht einmal mehr am Ausfaden schrammt, oder auf Zugaben wie klanghölzerne Elemente („Rain“) bzw. Mundharmonika („All Forgotten Times“) des Öfteren zurückgegriffen wird, bleibt nicht nur unbeantwortet, sondern wird auch eine Geschmacksfrage darstellen. Ebenso werden die „Fragment“-Parts – wenige Sekunden andauernde, oft sampleartige Interludes – nur dann einen tieferen Sinn ergeben, wenn man sich das Album als Gesamtwerk anhört; andernfalls stellen sie eher eine Einladung zum Skippen dar und unterbrechen kurzzeitig den Hörfluss.

Remain In Silence (Copyright: Ralf Boettcher)

Remain In Silence (Copyright: Ralf Boettcher)

In der Zwischenzeit, in der Remain In Silence ihre Fans auf neues Material warten lassen haben, hat die Konkurrenz nicht geschlafen, und so finden sich auf dem Markt diverse Künstler und Bands, die eine gelungene Alternative zu den Outputs von Remain In Silence geboten haben und immer noch bieten. Dies merkt man nicht zuletzt daran, dass dem Hörer unweigerlich andere Bands und vor allem Sänger in den Kopf kommen, hört man sich „…And The Soul Goes On“ an. Unumstritten besitzt Andreas Gimpel eine sehr markante Stimme, die zudem hervorragend zur atmosphärischen Musik von Remain in Silence passt, doch jene besitzen Sänger wie Alexander Veljanov (Deine Lakaien) oder Hardy Fieting (Scream Silence) mit ebensolcher Eindringlichkeit und Ausdruckskraft auch und so sind gewisse Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen.

Dennoch möchte man – trotz der mittlerweile nur noch erahnbaren Eigenständigkeit – nicht nur eine „empfehlenswerte“ Wertung für „…And The Soul Goes On“ aussprechen, sondern das gesamte Material großartig finden, schließlich mangelt es dem Album nicht an Dichte und auf die Hörer übergreifende, oft melancholische Stimmung, der man sich vor allem in Ruhe und bestmöglich unter Kopfhörern hingeben sollte.

Tracklist

01 Rain
02 Fragment #1
03 All Forgotten Times
04 Every Little Thing
05 Fragment #2
06 The Hunters
07 Hope & Fear Revisited
08 A Distant View
09 Fragment #3
10 Wrapped In Ice
11 Higher Heaven
12 The Soul Goes On
13 This Silent Sea
14 Endless Sea

Details

Remain In Silence – Homepage
Remain In Silence – Facebook

Label: MIG / Indigo
Vö-Termin: 18.03.2016
Spielzeit: 45:14

Copyright Cover: MIG



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde