Review

Die Gestörten aus dem Ikea-Bälleparadies sind zurück mit einer Platte, in denen endlich mal keine Referenzen zu Transsexuellen vorkommen. „Orgy in Guts“ ist bereits das dritte Album in voller Länge, das wie ein Hauptteil der LPs und EPs auf dem deutschen Label Rotten Roll Rex diesen Monat erscheint. RazorRape, ihres Zeichens Verfechter einer Mischung aus Death Metal und Goregrind, praktizieren Musik, die so manche Menschen als akustischen Durchfall bezeichnen würden. Aber es soll auch Leute geben, die Miley Cyrus für eine ernstzunehmende Musikerin halten, von daher sollte das in Ordnung gehen.

Erwarten darf man traditionellen Humpa-Humpa Grind und für die nötige Würze ein wenig Slam Death Metal. Sogar am Anfang gibt es mit „Spinal Cord Impalement“ nach dem ganzen Krach schon energetische Hardcore-Powerchord-Allüren. Außerdem geben sich RazorRape durchaus Mühe, das Album nicht allzu eintönig stumpf vor die Wand zu fahren. Das eingängige Gore-Geholze wird regelmäßig von einem Death Metal-lastigen Sound abgelöst, oder es gibt kleinere Blödeleien wie ein Country-Solo in „Bitch Butcher Boogie“.

Was die Vocals angeht variieren diese zwischen unmenschlichen Lauten, über Gebrüll bis hin zu „hey, hab ich da gerade ein Wort verstanden?“. Durch das stetige Umschalten von gutturalem Gesang auf eine druckvolle Stimme kann man sich das Ganze sogar auf längere Dauer gut zu Gemüte führen. Vorstellbar wäre sogar, dass sich hier auch Hörer finden, die der grunzenden und gurgelnden Akustik bisher ferngeblieben sind, denn „Orgy in Guts“ zeugt mit den verschiedenen Elementen irgendwie für eine gewisse Zugänglichkeit.

Besonders Fans von groovenden Slam- und Death-Metal Parts werden sich hier wohlfühlen. RazorRape bieten eine Menge davon. Und zwar mit allem, was dazugehört: schwere Riffs auf stampfende Drums und akzentuierte Pinch-Harmonics. Es kann sogar vorkommen, dass die Band all ihre Energie in dynamische Parts packt, die einen beim Zuhören ungewollt mitreißen. Es geht also durchaus mehr als obligatorischer „Bulldozer Gore“.

RazorRape (Copyright: RazorRape)

RazorRape (Copyright: RazorRape)

Dennoch ist es so, dass „Orgy in Guts“ in Sachen Innovation ein Stück zurückbleibt. Fairerweise muss man dazu sagen, dass es in dem Genre nicht allzu viele Richtungen gibt, die man einschlagen kann, aber dieses Album trotzdem noch sehr vorhersehbar erscheint. Die Versuchung, Songs, die dem davor ähneln, zu skippen, ist leider sehr groß.
Auch steuern RazorRape ihrer Platte keinen wirklichen zusammenhängenden thematischen Aspekt bei, wie es beispielsweise bei Jig-Ai oder Spasm der Fall ist. Es ist halt überwiegend auf Unterhaltung ausgelegt und abgedroschene Songnamen wie „Choking On Feces“, „Grinding The Dead“ oder „Holy Gory Glory Hole“ können allenfalls belächelt werden.

Trotzdem haben RazorRape mit „Orgy in Guts“ einen guten Schritt nach vorne getan. Auch wenn es nicht DAS Goregrind-Album des Jahres ist, bietet die Band hier ein breites Spektrum an Abwechslung in ihren Songs. Es wird in einem guten Maß geballert, sodass alle Bedürfnisse in dieser Hinsicht befriedigt werden und darüber hinaus noch etwas mehr geboten wird. Andererseits bringen RazorRape immer noch dieses dreckige Gefühl rüber, sodass man sich nach dem ersten Durchlauf sofort unter die Dusche stellen möchte. Fans, zugreifen! Und alle naiven Neuankömmlinge einfach mal reinhören.

Anspieltipps:
Spinal Cord Impalement / Orgy In Guts / Rampage In Red / Bitch Butcher Boogie

Video

Trackliste

01 Bonesaw Facefuck
02 A Beast Of Human Waste
03 Holy Gory Glory Hole
04 Spinal Cord Impalement
05 Vomit Drenched In Mucus
06 Choking On Feces
07 Orgy In Guts
08 Black Flood Of Body Fluids
09 Bitch Butcher Boogie
10 Grinding The Dead
11 Rampage In Red
12 Rot In Excrement
13 Lady Gagball
14 Hey Whore, Let’s Gore
15 Tennis Racket God

Details

RazorRape – Facebook

Label: Rotten Roll Rex
Vö-Termin: 15.07.2015
Spielzeit: 30:09

Copyright Cover: Rotten Roll Rex



Über den Autor

Christopher