Review

„My Way“ ist nicht das x-te Frank Sinatra Cover, sondern die neue EP von Rage. Mit dieser geben die Mannen um Peavy Wagner nicht nur ein Lebenszeichen nach einer turbulenten Bandphase, die von Trennungsgerüchten und den tatsächlichen Ausstiegen von Victor Smolski und André Hilgers gezeichnet war, von sich, sondern weisen zugleich für alle Fans den Weg, der zukünftig von Rage musikalisch eingeschlagen wird.

Und bereits mit dem Opener und gleichzeitigen Titeltrack der EP, „My Way“, ist klar, es geht zurück in die 90er. Da wundert es auch nicht, dass mit „Black In Mind“ und „Sent By The Devil“ zwei Songs von 1995 hier ihren Platz finden, die nun in der 2015er Fassung gemeinsam mit „My Way“ eine runde Sache aus der EP machen.

Rage klingen also wieder wie einst, doch das bedeutet nicht, dass der Sound ebenfalls zurück in die 90er Jahre kehrt. Wie schon damals beweisen Rage auch 2015 bzw. 2016, dass sie mit einer minimalen Grundbesetzung, bestehend aus Bass, Gitarre und Schlagzeug, ein gewaltiges sattes und druckvolles Klangkonstrukt auffahren können, das so manch fünfköpfige Band nicht zustande bringt.

Kurz und schmerzlos ist die EP allerdings schon nach vier Songs beendet, doch das genügt, um festzustellen: Rage sind wieder da, und zwar mit dem Biss, den sie in den 90ern schon besaßen. So kann der Titel „My Way“ durchaus als musikalischer Wegweiser der Band verstanden werden und vielleicht hat man ihn deshalb auch sowohl in englischer als auch in spanischer Version auf „My Way“ verewigt.

Rage (Copyright: Tim Tronckoe)

Rage (Copyright: Tim Tronckoe)

Mit „My Way“ bahnen sich Rage also wortwörtlich ihren Weg – und das tun sie auf straighte Art und Weise, mit tief gestimmter, dichter Gitarrenarbeit, dem einen oder anderen betonten Basslauf und in insgesamt altbekannter Rage-Manier. Die raue, mit aggressivem Unterton versehene Stimme Wagners passt ebenso zur instrumentalen Härte wie die eingängige Melodie einen Kontrast dazu zu bilden scheint. Rages Weg geht nach vorne und das mit aller Kraft, die die Band auch gegenwärtig noch unüberhörbar aufbringen kann.

Wer die „alten“ Rage vermisst hat, der darf sich daher auf weiteres, neues Material freuen. Ein Album mit der neuen Besetzung ist immerhin bereits für Mai 2016 angekündigt.
Inwieweit ein Kauf der vorliegenden EP Sinn macht, muss jedoch jeder selbst entscheiden, viel neues Material findet man nicht vor, aber das, was darauf ist, ist mehr als hörenswert. Ein minimaler Appetizer, der seine Wirkung nicht verfehlt.

Video

Tracklist

01 My Way
02 Black In Mind (Version 2015)
03 Sent By The Devil (Version 2015)
04 Apuesto A Ganar

Details

Rage – Homepage
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Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 22.01.2016
Spielzeit: 17:33

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde