Review

Heute geben sich die Schweden RA mit ihrer Platte „Scandinavia“ die Ehre. Bis zum Release ist es zwar noch etwas hin, aber so haben wir genug Zeit, uns auf dieses brachiale Gerüst vorzubereiten. Denn für eine wirkliche Einleitung ist dieses Mal leider keine Gelegenheit, denn schon in der ersten Sekunde wird man von dieser Platte buchstäblich erschlagen. Also ist Hinsetzen erst einmal angesagt.
Hat man sich dann einigermaßen aufgerappelt und auf den Sound eingestellt, kann man nun beginnen, eine gute halbe Stunde „Scandinavia“ in sich aufzusaugen.

Es ist ja neuerdings so, alles, was verschiedene Elemente in ein Genre einfließen lässt, „Post-XY“ zu nennen. RA wären in diesem Sinne Post-Alles; seien es nun die Rock-, Punk- oder Alternative-Ansätze.
Im Falle von „Scandinavia“ macht die Produktion einiges aus, die sich sehr übersteuert und dreckig anhört. Alles scheint jederzeit kurz davor, in den Noise-Bereich abzustürzen.

Dabei sieht es zu Beginn nicht danach aus, dass sich dieses Album noch in einen ungeschliffenen Diamanten verwandelt. „These Days“ und „In My Veins“ weisen durchgehend stabile Strukturen auf, mit gleichbleibenden Rhythmen und Riffs. Bis auf ein paar experimentelle Ansätze nichts Spektakuläres. Wirklich los geht es erst ab „The Void“. RA verwandeln sich von einem stumpfen Punkmonster in eine Band, die es versteht, mit Melodien zu überzeugen. Und diese klingen durchaus abwechslungsreich.

Zwischendurch kommt dann aber auch mal der Rock-Faktor wieder ans Tageslicht, in Titeln wie „Be My Lover“ oder „Broken Bottles“. Die Riffs werden durchgehend dynamischer und hören sich im Verlauf von „Scandinavia“ immer besser an. Hinzu kommt ein knallendes Schlagzeug, das alle Songs mit einem bösen Groove untermalt.

RA (Copyright: RA)

RA (Copyright: RA)

Stichwort „böse“: Auch der Gesang trägt zur düsteren Atmosphäre bei. Mit hallenden Effekten erinnert die Stimme an diverse Dark-Wave-Bewegungen der 70er und 80er Jahre. Als netter Beigeschmack kommt die Tatsache, dass alle Songs durchaus in ausgewählten Clubs die Massen in Bewegung bringen können.

Doch auch wenn RA die überwiegende Monotonie gut zum Thema machen, fühlt man sich als Hörer zunächst verloren. Zu Beginn führt eine Menge scheinbar nirgendwohin. Erst nach dem zweiten Versuch zünden viele der Titel. Schade ist auch, dass viele der netten Ansätze wirklich nur das bleiben: Ansätze. Oft mangelt es an passender Umsetzung, was besonders dann auffällt, wenn es an anderer Stelle wiederum flüssig funktioniert.

Dennoch steht das alles „Scandinavia“ nur bedingt im Weg. Das Album bringt die rebellische Energie der Dead Kennedys und die hypnotisierende Post-Melancholie von Joy Division mit sich. Die Platte hat zwar seine Ecken und Kanten, aber zwischen all dem gewollten Schmutz schimmert immer mal wieder etwas Wertvolles hervor. Es ist das Gesamtpaket „RA“, das vor allem überzeugt, und die Intention der Platte, hinter der die Band steht. Daher gibt es für die Schweden, überwiegend aufgrund ihrer Eigenartigkeit, die verdiente Wertung „großartig“. Stürzt es munter runter. Skål!

Video

Trackliste

01 These Days
02 In My Veins
03 The Void
04 Be My Lover
05 Scandinavia
06 Bloodline
07 Broken Bottles
08 Prism
09 The South
10 Winter 2012

Details

Ra – Homepage
Ra – Facebook

Label: Adrian Recordings / Broken Silence
Vö-Termin: 11.03.2015
Spielzeit: 31:05

Copyright Cover: Adrian Recordings



Über den Autor

Christopher