Review

Punch’n’Judy – just another Mittelalterrockband? Mitnichten, denn das Quintett stellt nicht wie eventuell zu erwarten Flöten oder Dudelsack in den Vordergrund ihres musikalischen Geschehens, sondern bringt das Akkordeon als Leadinstrument ganz weit nach vorne und macht es im Metal-Bereich salonfähig. Dies, ihre gelungene Stilmixtur aus Rock, Metal, Folk und Mittelalterrock, die sie selbst als Crossover Folk bezeichnen, sowie ihre mal auf Deutsch, mal auf Englisch gesungenen Songs heben die Truppe von Genrekollegen ab. Mit dem nun schon vierten Album „Rum, Soda & Punch“ wollen sie mittels elf Tracks ihren Stellenwert erneut behaupten – und schaffen das mit Track zu Track mehr.

Dabei eröffnen Punch’n’Judy mit „Mein Kind“ das Album zwar lyrisch sehr märchenhaft, zeigen aber damit noch nicht, was in ihnen steckt. So schafft es die Band, sich selbst mit jedem folgenden Song zu toppen und das Interesse an „Rum, Soda & Punch“ bis zum Schluss aufrechtzuerhalten.

Wer bei der Namensgebung nun vermutet, Punch’n’Judy reduzieren ihre textlichen Inhalte auf Spaß- und Trinklieder, der wird angesichts der diesbezüglich vorhandenen Abwechslung und teils vorhandenen Ernsthaftigkeit erstaunt sein.

Doch auch auf musikalischer Ebene bietet das Gespann facettenreiche und kraftvoll produzierte Songs, die trotz ihrer steten Härte immer auch sehr melodisch ausfallen. Mit reichlich Groove ertönt somit der Titeltrack aus den Boxen, während „Neptune“ durch partielle Mehrstimmigkeit punktet. Schleppend und tragend fordert man „Steh auf!“, dicht und eingängig treibt man „Demons“ aus und „Tanz!“ dürfte – wie viele andere Songs auch – live wunderbar funktionieren.

Mit „Engelstaub“ zeichnen Punch’n’Judy schließlich noch eine Art Gegenentwurf zu Jan Hegenbergs „fetter Elfe“. Entsprechend graziler als jene klingt dann auch ihr Lied, das mit balladesken Zügen für Wohlklang im Gehör des Konsumenten sorgt. Damit stellt die Hau-drauf-Truppe gelungen ihre zarte, gefühlvolle Seite unter Beweis und begeistert die Hörer mit leicht melancholischen Tönen.

In diesem Titel fallen auch die Übergänge innerhalb eines Songs, die des Öfteren recht abrupt wirken, sehr geschmeidig aus. Teilweise bringt dies das Akkordeon mit sich, teils setzen Punch’n’Judy durch Breaks und Rhythmuswechsel Akzente, die jedoch nicht immer stimmig zum Gesamtgeschehen des betreffenden Tracks wirken. Zur Härte ihrer Musik passt dieses Vorgehen hingegen ganz gut, sodass dieser Kritikpunkt von den meisten kaum als störend wahrgenommen wird.

Punch’n’Judy (Copyright: Lux Homini, Bildermacher)

Nach all der reichlich vorhandenen Energie und Geschwindigkeit gönnen Punch’n’Judy sich und ihren Hörern mit dem ruhigen Instrumental „Gallows Pole“ kurz vor Schluss eine Verschnaufpause. Und weil es so schön ist, folgt mit Bonustrack „Neptune“ ein weiterer Nachschlag rein instrumentaler Natur. Jener zieht das Tempo aber wieder deutlich an und entlässt den Hörer zwar ohne Gesang, dafür aber voller Dynamik aus dem Album, das anschließend nach dem Drücken der Repeattaste schreit.

Indem beinahe jeder Song als Anspieltipp genannt werden kann, machen es Punch’n’Judy jedem Hörer schwer, nennenswerte Kritik an ihrem aktuellen Album zu üben. Daher bleibt abschließend schlicht zu sagen: Reinhören lohnt sich – nicht nur für Mittelalterrock-Fans!

Video

Tracklist

01 Mein Kind
02 Rum, Soda & Punch
03 Neptune
04 Steh auf!
05 Demons
06 Elfenstaub
07 Tanz!
08 Wayfaring Man
09 Böses Erwachen
10 Gallows Pole
11 Neptune (instrumental)

Details

Punch’n’Judy – Homepage
Punch’n’Judy – Facebook

Label: Danse Macabre
Vö-Termin: 02.12.2016
Spielzeit: 40:31

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde