Review

Die Mehrzahl an finnischen Bands kennt man düster, melancholisch, aber immer weit oben in der Metal-Rangliste agierend. Auch Psychework bilden diesbezüglich keine Ausnahme, wenngleich die stilistische Richtung eine andere ist, als vielleicht zunächst erwartet. Im Hause von Sänger Antony Parviainen und Co. regiert der Power Metal und das Potenzial dieses Genres schöpft das Sextett auf ihrem aktuellen Album „The Dragon’s Year“ komplett aus.

Mit der Wärme und Erhabenheit wie man sie aus der italienischen Region von Bands wie Rhapsody of Fire kennt, der Opulenz, Melodiosität und dezenter Progressivität von Truppen wie Kamelot und einer druckvollen Produktion, die den internationalen Standards entspricht sowie die orchestralen Beigaben der Titel gelungen, aber nicht zu übertrieben in Szene setzt, geben Psychework mit acht neuen Songs ein Lebenszeichen von sich. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes, denn dass es recht lange so still um die Band war, ist in der Leukämieerkrankung von Sänger Parviainen begründet. Entsprechend emotional fallen einige Songs – allen voran die Balladen – aus.

Schon mit dem Opener „Hand on Heart“ stellen Psychework ihr Händchen für ergreifende Melodien unter Beweis, während die Gitarren und die treibende Schlagzeugarbeit die nötige Portion Härte mit in den Song einfließen lassen.
Dazu macht der Titel eine schöne Entwicklung mittels Melodie- und Rhythmuswechsel durch, die ihren Höhepunkt nicht nur im Ohrwurm-Refrain findet, sondern zudem in einem kurzweiligen Gitarrensolo mündet, dem „marschierende“ Drums folgen, die das Tempo des Songs für kurze Zeit drosseln, um ein weiteres Mal den Chorus episch erklingen zu lassen.

Schwermütig und durch die sinfonischen Ansätze des Intros erhaben schließt sich „Bullet with My Name“ an. Der zunächst bedächtige Start gewinnt an Dynamik, die orchestralen Elemente finden auch weiterhin ihren Einsatz an passender Stelle und ebenso wohl platziert stößt man auf vereinzelte Backshouts und Chöre, die die Intensität des Songs genauso unterstützen wie Parviainens stimmlichen Ausflug in die hohen Tonlagen.

Der Gesang ist es auch, der für das Genre wie gemacht scheint. Warm und klar in den balladesken Abschnitten, kraftvoll, mit Vibrato und auch mal die Kopfstimme nutzend im übrigen Verlauf der Songs zeigt Parviainen vielleicht nicht gerade ein riesiges Spektrum seiner Sangeskunst, dafür aber eine angemessene Leistung, der man hinsichtlich der stilistischen Ausrichtung von Psychework sehr gerne zuhört.

Psychework (Copyright: Psychework)

Psychework (Copyright: Psychework)

Die Spielzeiten der Tracks, die nicht selten sechs oder sieben Minuten umfassen, deuten sowohl auf die Entwicklungsfreude der Titel als auch auf den Einsatz unterschiedlicher Elemente hin. So streuen Psychework immer mal wieder progressive Ansätze in ihren melodischen Power Metal ein, der dadurch jedoch nicht ins Holpern gerät, sondern stets in sich stimmig wirkt und auch nach mehrmaligem Hören noch interessant bleibt. Große Experimente wagt die Band diesbezüglich nämlich glücklicherweise nicht, sodass die Progressivität zwar vorhanden ist, aber nicht störend erscheint, sondern stattdessen für das gewisse Etwas in den betreffenden Songs sorgt. Damit wird zugleich über Albumlänge für Abwechslung gesorgt.

„The Dragon’s Year“ ist somit eine Veröffentlichung, die mit jedem Titel überzeugen kann, ohne an Qualität oder Spannung einzubüßen. Wer sich im Genre des Melodic Power Metal zuhause fühlt, wird an Psycheworks neuen Streich nicht vorbeikommen.

Video

Tracklist

01 Hand on Heart
02 Bullet with My Name
03 Tide
04 Keep the Flame
05 Barricades Won’t Fall
06 Vale of Tears
07 Tear of the Phoenix
08 The Dragon’s Year

Details

Psychework – Homepage
Psychework – Facebook

Label: Ranka Kustannus / Soulfood
Vö-Termin: 30.09.2016
Spielzeit: 45:18

Copyright Cover: Ranka Kustannus



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde