Review

Stimmig zum derzeitigen Mindset wurde das neue Album von Principe Valiente im März veröffentlicht. Es spiegelt das Innere, kehrt es nach außen, gibt ihm Worte und berührt sofort. Dabei hält sich „Barricades“ auf insgesamt zehn Titeln bewusst teils dramatisch und schwermütig, aber trotzdem hoffnungsvoll; zurückhaltend, aber gleichzeitig mit dem gewissen Drive und Nachdruck – und bleibt dabei sensibel.

Künstlerisches Niveau

Dass dieses „Fingerspitzengefühl“ derart dominiert und nicht ganz so offenkundig depressiv klingt wie bei so manchem Vorgänger, mag einerseits vermutlich am Label-Wechsel liegen, andererseits sicherlich den Umständen geschuldet sein, dass alle Bandmitglieder gleichberechtigt kreativ am Prozess arbeiteten. So wurden die einzelnen Parts separat eingespielt und dann verknüpft. Der Ausgang war unklar, aber man erlaubte den Flow und war offen gegenüber dem Outcome. „Barricades“ ist das Ergebnis dessen und es vermittelt künstlerisches Niveau.

Es ist gar nicht einfach – und grundsätzlich auch nicht nötig – jeden einzelnen Song zu analysieren, denn für Fans der Schweden dürften die Klänge eher vertraut sein. Das Soundvolumen der Band ist viel mehr aus Melodien und Akkorden gegriffen und weniger aus Gitarrenklängen und so versteht sich die Band darauf, die Hörer:innen mit auf Reisen in märchenhafte Klangwelten und durchaus auch alte Zeiten zu nehmen und schlicht träumen zu lassen.

Auch hier bekommt die Hörerschaft einen Eindruck, dass die Pandemie einen Effekt auf die Schweden gehabt haben muss, denn sowohl jeder Song für sich, als auch das Album als Gesamtes wirkt reflektiert. Es ist deutlich zu hören, dass Honorato, Ottosson, Johansson und Janthe die Zeit hatten, sowohl Lyrics als auch Melodien detailliert zu durchdenken – und diese Zeit auch offenkundig wunderbar nutzten. Vielleicht wirkt das aktuelle Album deshalb auch sehr nachdenklich und „tief“.

Über die Songs

Exemplarisch dafür steht der Opener und gleichzeitige Titeltrack „Barricades“, welcher versteht, den typischen Sound von Principe Valiente wiederzugeben sowie als Ballade stark auf die weiteren Titel vorzubereiten. Helle „Major-Sounds“ verbinden sich ganz stimmungsvoll mit kantigen „Minor-Klängen“, die den Grundton definieren.

Stimmungsvoller und poppiger kommt der Folgetitel daher. „So Much More“ betont p-Beat-Klänge und vermittelt somit eine eckigere Soundabfolge mit „erhellenden“ Momenten, die dem sonst relativ dunklen Sound einen bunten Farbklecks verpassen.

„I Am You“ ist diesbezüglich ebenso wichtig und wirkt eine Spur düsterer und harscher. Aber gerade das macht es so interessant. Das punkige Element dominiert hierbei.

Principe Valiente (Copyright: Jacob Frössén)

„Porcelain“ verspricht schon vom Namen her eine filigrane Grundstimmung und enttäuscht dies betreffend auch nicht. Dieser Track trägt die Hörer:innen buchstäblich auf Wellen davon. Eines der Highlights auf dem Album.

„Never Change“ verbindet das Balladeske mit Up-Beat-Elementen und geht somit im Albumthema passend auf.

Und so grandios wie das Album angefangen hat, hört es auch auf. Mit „This Buried Love“ schafft es die Band nicht nur, „Barricades“ ein angemessenes Ende zu setzen, sondern rekapituliert nochmals die ganze Palette an Emotionen, die dieses Album bisweilen transportiert hat.

Fazit

Dieses Album funktioniert ganz wunderbar und vermittelt eine wunderbar märchenhafte Bandbreite an Stilen, Ästhetik und Glanz.


Principe Valiente – Barricades

Video

Tracklist

01 Barricades
02 So Much More
03 Porcelain
04 I Am You
05 Tears In Different Colors
06 When We Can’t Let Go
07 Never Change
08 The Beating Of Your Heart
09 The Impossibles
10 This Buried Love

Details

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Label: Metropolis Records
Vö-Termin: 18.03.2022
Spielzeit: 45:16

Copyright Cover: Metropolis Records



Über den Autor

Daggy
So ist das Leben, sagte der Clown mit Tränen in den Augen, und malte sich ein Lächeln ins Gesicht.